Schreck im Restaurant: Zweijähriger Charlie erstickt fast an Möhre

Ein Familienessen in einer Gaststätte in Grüna hätte um ein Haar tragisch geendet. Doch der Koch des Hauses bewies starke Nerven.

Es sollte eine schöne Feier werden. Die Mutter des Grünaers Veit Leubner hatte ihre Lieben am Samstag in den Folklorehof eingeladen, um ihren Geburtstag nachzufeiern. Leubner war mit seiner Partnerin und seinen zwei Kindern gekommen. Doch schon kurz nachdem alle vor ihren dampfenden Tellern saßen, drohte der Ausflug zum Schlimmsten zu werden, was Eltern passieren kann.

Der zweijährige Charlie nahm von seinem Teller eine Möhre und verschluckte sich an ihr. Das Gemüse steckte in seiner Luftröhre fest. Sofort sei allen klar geworden, dass es sich um eine bedrohlichere Situation als ein bloßes Verschlucken handelt, denn das Kind habe offensichtlich keine Luft mehr bekommen. "Alle waren panisch und meine Lebensgefährtin hat nur noch geschrien", erinnert sich Veit Leubner. "Der ganze Folklorehof war in Aufruhr", so der 32-Jährige. Davon hat offenbar auch der Koch etwas mitbekommen, denn er kam in den Gastraum und half dem Jungen.

Er habe zunächst versucht, mit kleinen Schlägen auf den Rücken den Jungen zum Husten zu bringen. Doch dann sei Charlie ohnmächtig geworden und habe aufgehört zu atmen. Die Familie habe um das Leben des Kleinen gebangt, "es war ein schrecklicher Anblick", schildert der Vater. Doch der Koch habe die Nerven behalten und sofort mit einer Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung begonnen. So sei Charlie wieder zu sich gekommen und habe etwas atmen können. Zur gleichen Zeit sei dann der Rettungswagen gekommen.

Notarzt war Dr. Torsten Kohlisch, der auch Oberarzt der Anästhesie im Krankenhaus Zschopau ist. Noch im Folklorehof entfernte er mit Intubationsspatel und Zange das Möhrenstück aus der Luftröhre des Jungen und rettet ihn damit vor dem Ersticken, wie der Sprecher des Klinikums Chemnitz am Montag mitteilte. In der dortigen Notaufnahme wurde schließlich unter Kurznarkose eine sogenannte Bronchoskopie, also eine Lungenendoskopie, durchgeführt. Dabei fährt der Arzt mit einer Sonde durch Mund oder Nase, um die Luftröhre und die Bronchien zu untersuchen. Danach konnte Charlie zur Überwachung auf eine Akutstation verlegt werden.

Der Koch habe entscheidenden Anteil an der Stabilisierung des Kindes bis zum Eintreffen des Notarztes gehabt, so der Kliniksprecher. Das sieht Familie Leubner genauso und ist dem Koch unendlich dankbar, wie Charlies Vater sagt. Er habe höchstes Lob verdient und sei "ein Topmann", so Leubner. Dem Koch sei zu verdanken, dass Charlie durchgehalten hat, bis der Notarzt übernehmen konnte. Auch ihm und dem weiteren medizinischen Personal möchte Leubner danken.

Selbst wollte sich der Koch nicht mit "Freie Presse" über die Ereignisse vom Samstag unterhalten. Er helfe gern, sagte er, wolle das aber keinesfalls an die große Glocke hängen und auch seinen Namen nicht in der Öffentlichkeit preisgeben.

Das Restaurant sei am Samstagabend gut gefüllt gewesen, berichtet Leubner. Die anderen Gäste hätten mitgelitten, aber aus Rücksicht den Gastraum verlassen und zunächst draußen gewartet. Noch spät abends sollen sie im Restaurant angerufen haben, um sich zu erkundigen, wie es Charlie geht. Der Zweijährige sei zwar noch zur Beobachtung im Krankenhaus, habe die Ereignisse aber bisher gut weggesteckt. "Er hatte schon wieder ordentlich Hunger", berichtet sein Vater.

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