Schüler machen Zeitungsartikel zum Unterrichtsthema

Vier Wochen lang lesen Siebtklässler der Lernförderschule am Südring jeden Tag die "Freie Presse". Stets mit einem anderen Fokus, doch immer mit Diskussionsbedarf.

Altchemnitz.

Es ist Dienstagmorgen in der Schule Altchemnitz, einer Lernförderschule. Daniel Kaden steht vor seinen Siebtklässlern. Punkt acht Uhr beginnt der Deutschunterricht, eine doppelte Einheit steht auf dem Programm. Seit zwei Wochen läuft die Schulstunde ein bisschen anders ab als gewohnt. Denn die Schüler beteiligen sich am Projekt "Zeitung im Unterricht", was heißt, sie lesen vier Wochen lang die "Freie Presse.

Der Klassenleiter hat diesmal den Beitrag "Debatte um Nahverkehr für 1 Euro" von Redakteur Michael Müller aus der aktuellen Ausgabe ausgewählt. Weil das Thema die Schüler selbst betrifft - viele kommen mit der Straßenbahn - und wegen der Pro- und Kontra-Beiträge der Redakteure Galina Pönitz und Michael Brandenburg. Was eine Debatte sei, will der Lehrer wissen. Lena, eine Schülerin, weiß Bescheid. "Das ist, wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt. Dann tauscht man sich aus und am Ende schließt man einen Kompromiss", sagte sie. Nicht stur an der eigenen Überzeugung festzuhalten, wenn andere bessere Argumente vorbringen, empfiehlt Lehrer Daniel Kaden, der zunächst einige Begriffe erklären muss: "Insellösung", "Subventionierung", "Taktung" - Wörter, die im Text vorkommen, mit denen die Schüler aber zunächst nicht viel anfangen können. Dann ist das Verständnis da, und die Meinungen gehen schnell auseinander. "Ich würde alles so lassen, wie es ist", sagt ein Schüler. Ein anderer rechnet die potenzielle Einsparung vor. "Das wäre schon gut, wenn man für 1 Euro am Tag die Bahn nutzen könnte", sagt er. Das seien 365 Euro im Jahr. "Jetzt bezahlt man mit zwölf Monatstickets viel mehr", gibt der Schüler zu bedenken. Kaden erinnert daran, dass dann der Verkehrsverbund weniger einnehmen würde. "Dann müsste die Stadt Chemnitz deutlich mehr Geld bereitstellen", beschreibt er eine Konsequenz.

In den zurückliegenden zwei Wochen besprachen die Schüler dieser und der Parallelklasse aber nicht nur Artikel aus dem Lokalteil. Sie erfuhren unter anderem, wie eine Zeitung aufgebaut ist und aus welchen Teilen sie besteht. Sie durchforsteten die Ausgaben nach Texten zum Thema Erzgebirge, weil das in den nächsten Wochen Unterrichtsstoff sein wird. Ein weiterer Fokus lag auf der Wohin-Seite der "Freien Presse", auf der Veranstaltungen der kommenden Tage angekündigt werden, sowie auf dem Wetterbericht.

Am Dienstag ist die Zeit wie im Flug vergangen. Trotzdem hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Einige Schüler wollen wissen, wie die Redakteure an ihre Themen kommen, andere, warum es auf manchen Zeitungsseiten so wenige Fotos gibt und wie ein normaler Arbeitstag in der Redaktion abläuft. Viele der Schüler sind erstaunt, als sie erfahren, dass dieser im Normalfall erst zwischen 9 und 10 Uhr beginnt, dafür aber nicht selten bis spät in den Abend hineinreicht. Nach dem Abschluss des Projekts wollen die Schüler das Thema Zeitung gegen Ende des Schuljahres noch einmal aufgreifen. In welcher Form sie sich dann damit beschäftigen, steht noch nicht fest, vorstellbar sei beispielsweise ein Vergleich verschiedener Printmedien wie Zeitungen und Zeitschriften. Auch ein Besuch des "Freie Presse"-Druckhauses ist geplant, um den Schülern den letzten Schritt der Entstehung der Tageszeitung zu vermitteln.


Was Zeitung im Unterricht bedeutet

Das Projekt "Zimu - Zeitung im Unterricht" gibt Schülern der Klassen 7 bis 10 Gelegenheit, vier Wochen die "Freie Presse" kostenlos zu lesen und so einen Einblick in die Zeitung zu bekommen. Hauptprojektpartner ist der Energieversorger Envia M. Der Weg durch die Medienwelt kann auch via Tablet begleitet werden. Die Komsa-Gruppe Hartmannsdorf stellt dafür mehrere Klassensätze an Tablets zur Verfügung. Anmeldungen für das Projekt, speziell von Tabletklassen, werden noch angenommen. Auch eine Besichtigung des Druckhauses der "Freien Presse" ist möglich.

Ab September beteiligen sich neben der Oberschule Lichtenau auch die Pestalozzischule in Limbach-Oberfrohna, die Europäische Oberschule Hartmannsdorf und Chemnitzer Schulen am Zimu-Projekt. Anmeldungen von Schulen sind online möglich unter www.freiepresse.de/zeitung-im-unterricht. (fp)

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