Schüler wollen die Stadt zum Singen bringen

Möglichst viele Teilnehmer sollen auf dem Neumarkt gemeinsam ein Lied vortragen. Mit einem Video davon wollen zwei Abiturienten positive Bilder aus ihrer Stadt verbreiten.

Eine Hymne der Außenseiter ist das Lied "This is me". Darin heißt es auf Englisch: "Ich habe gelernt, mich für all meine Narben zu schämen. Man sagt mir, 'lauf weg, niemand wird dich lieben, wie du bist'". Doch die Person beschreibt, wie sie gelernt habe, sich selbst zu akzeptieren, aus dem Dunklen ins Licht zu treten und sich nicht mehr für das, was sie ist, zu entschuldigen. Das Lied gehört zum Musicalfilm "The Greatest Showman", der 2018 in die deutschen Kinos kam. Darin geht es um einen Zirkuspionier, der auch ein Kuriositätenkabinett mit Menschen hatte. Den Song "This is me" singt eine bärtige Frau, gespielt von Keala Settle. Das Lied wurde 2018 für den Oscar als bester Filmsong nominiert.

Für Alexander Ihle ist es das perfekte Lied für Chemnitz, "denn es geht um Ausgrenzung und Toleranz". Der 19-Jährige, der am Berufsschulzentrum für Technik II gerade sein Abitur macht, hat sich beim Wettbewerb "Chemnitz ist weder grau noch braun" mit einem Projekt beworben. Es heißt "Ein Song für Chemnitz". Die Idee ist, dass so viele Menschen wie möglich, Chöre, Einzelpersonen und eine Band, das Lied aus dem Film gemeinsam auf dem Neumarkt singen und spielen. Davon soll ein Video gedreht werden, das im Internet verbreitet wird, "um ein anderes Bild von Chemnitz als das der vergangenen Monate zu zeigen", sagt Ihle, "und um denen, die ausgegrenzt werden, zu demonstrieren, dass wir da sind für sie", sagt er.

Mit seiner Idee kam er bei dem Wettbewerb, für den demokratiefördernde Projekte gesucht wurden und der nach den fremdenfeindlichen Ereignissen im Sommer 2018 initiiert wurde, unter die Nominierten. Damit erhielt er automatisch eine Unterstützung von 1000 Euro. Außerdem bekam er noch einmal 500 Euro vom Rotary-Vereins.

Umsetzen will Ihle das Projekt gemeinsam mit seiner Klassenkameradin Celestina Montero Perez. Chemnitz habe in den vergangenen Monaten ein rechtes Image bekommen, sagt sie. Sie habe an der Demo gegen die von Pro Chemnitz am Montag nach dem Stadtfest teilgenommen. "Vor allem auf dem Heimweg hatte ich Angst", sagt sie. Sie kenne ihre Heimatstadt aber anders. Es sei ihr wichtig, sie nicht nur auf die Ereignisse vom Sommer zu reduzieren. Dabei soll das Projekt "Ein Song für Chemnitz" helfen. Wunschtermin für das gemeinsame Singen ist ein Samstag Ende Juni. Ob das klappt, ist noch nicht sicher, die beiden warten noch auf eine Antwort der Stadt. Die Schüler - ihre Abiprüfungen laufen derzeit - sind nun damit beschäftigt, Chöre anzusprechen und zum Mitmachen zu ermutigen. Auch mit einer Band sind sie im Gespräch.

Wer sich allein oder mit Chor am Projekt beteiligen möchte, schreibt an einsongfuerchemnitz.info@gmx.de

 

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