Schüler wollen Kompromiss statt Verbot von Handys

Junge Leute fühlen sich durch Vorschlag zu unrecht beschuldigt

Annaberg-Buchholz/Zwickau.

Ein Handyverbot in der Schule? Keine Option - finden die Kreisschülerräte (KSR) Erzgebirge und Zwickau. "Es ergibt keinen Sinn", sagt Charlotte Weißflog, Vorsitzende des KSR Erzgebirge. Zum Beispiel werde die Welt immer digitaler, eine Ausbildung mit modernen Medien deshalb wichtiger. "Und dann soll es ausgerechnet an Schulen ein Verbot geben?" Dafür hat die Elftklässlerin des Schwarzenberger Bertolt-Brecht-Gymnasiums kein Verständnis. Und sie ist damit nicht allein.

Rückblick: "Freie Presse" hatte von einer Initiative berichtet, die das genannte Verbot durchsetzen will. Ein Lehrer aus Aue und Thomas Klug als Vorsitzender des Kreis- elternrats Erzgebirge hatten unmögliche Verhältnisse angeprangert. Von gefilmten Lehrern, heim- lichen Tonaufnahmen und dem Austausch von Pornos via Handy war die Rede.

Das ist völlig überzogen, kritisieren Vertreter der KSR Erzgebirge und Zwickau in einer gemeinsamen Erklärung mit dem Landesschülerrat Sachsen. Sie seien enttäuscht über die unreflektierten und teils widersprüchlichen Aussagen von Lehrer Tobias Andrä und Eltern- ratschef Thomas Klug. So bedaure man sehr, dass insbesondere Klug nicht sachlich über das Thema spreche. "Er wählt drastische Worte, um zu beschreiben, welche Schandtaten Schüler angeblich treiben, wenn sie ihr Handy nutzen", steht in der Erklärung. Gegen derlei pauschale Unterstellungen wehre man sich in aller Form.

Selbstverständlich gebe es Unterschiede, wie verantwortungsvoll Schüler mit dem Handy umgehen. "Doch jedem zu unterstellen, er sei Sklave seines Smartphones, empfinden wir als beleidigend", heißt es. Zudem gebe es Widersprüche in der aufgeworfenen Argumentation. "Herr Klug sagt selbst, dass digitale Bildung in der Schule stattfinden muss", so die Schülerräte. Gleichzeitig aber wolle er das Handy aus der Schule verbannen. Da bleibe die Frage: Wie soll man da Medienkompetenz am Handy lernen?

Sinnvolle Kompromisse seien die bessere Lösung, so Weißflog. Auch in Frankreich, das bei Andrä und Klug als "strenges Vorbild" herhalten muss, sei die Handy- und sogar die Tablet-Nutzung zu Unterrichtszwecken erlaubt. "Genau das ist bereits Modus an vielen Schulen hier", sagt Weißflog. Daher wünsche man sich, dass alle ihre Position noch einmal überdenken.

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