Schüler wollen mit ihren Bienen punkten

André-Gymnasiasten beteiligen sich an einem Wettbewerb. Dafür schufen sie einen eigenen Instagram-Account und lassen die "wilde Florentine" auf Partnersuche gehen.

Es begann 2018, als der Freistaat die Lehrpläne für den Profilunterricht an Gymnasien den Schulen überließ. Seitdem können Lehrer eigene Themen in den Unterricht einbringen. Silke Rößler hat die Gelegenheit genutzt und ihr Hobby auch ihren Schülern am André-Gymnasium ans Herz gelegt. Die Pädagogin der Naturwissenschaften imkert seit acht Jahren auf dem Kaßberg, und es war ihr ein Anliegen, auch Fünft- bis Elftklässler, die sie unterrichtet, dafür zu begeistern. Das hat geklappt. Jetzt stehen zwei Bienen-Unterkünfte, sogenannte Beuten, auf dem Schulhof. Sie wurden von Schülern der 10. Klasse bemalt und vom Förderverein gekauft. Weil die Beuten teuer seien, hat die Schule eine Crowdfunding-Aktion über die Volksbank gestartet. Unter dem Titel "Summa Summarum" (lateinisch für alles in allem) sammelt das Gymnasium Spenden. Damit sollen auch eine Honigschleuder, Imkeranzüge und -hüte finanziert werden.

Nach mehreren Versuchen sind zwei Bienenvölker in die Holzkästen eingezogen. Zehntklässlerin Pat-Susan Reuther hat beobachtet, dass die Bienen wohl wiederholt ausgebüxt waren und sich erst an ihr neues Zuhause gewöhnen mussten. Jetzt beteiligen sich Schüler und Lehrerin auch an einem Wettbewerb zum Thema bienenfreundliche Pflanzen. "Wir sollten einen Instagram-Account eröffnen, auf dem wir 15 bienenfreundliche Pflanzen mit ihrem Namen, der Blütezeit und weiteren Informationen vorstellen. Alle Fotos sollten außerdem mit dem Hashtag #GrünesLichtFürBienen gekennzeichnet werden", berichtet Tim Zukunft, der ebenfalls Rößlers Unterricht besucht. Um ihren Instagram-Account so interessant wie möglich zu gestalten, dachten sich die Zehntklässler etwas Besonderes aus: Sie veröffentlichten ihre Texte und Fotos unter dem Namen "beedating" - angelehnt an Speeddating. Ihre imaginäre Biene namens "wilde Florentine" hat den ganzen Frühling über verschiedene Partner ausprobiert und berichtete darüber auf Instagram. Nach 14 erfolglosen Treffen hat die Biene doch noch die richtige Partnerin gefunden. Mit der Kirschpflaume will sie jetzt ihr Glück versuchen. "Die Aktion soll zeigen, dass uns die Bienen wichtig sind und durch welche Pflanzen sie gerettet werden können", erklärte Schüler Hans Schulz. Aus den über 200 angemeldeten Accounts wählt eine Jury die 15 Besten aus. Ab Mitte Juli kann online darüber abgestimmt werden, welches der Projekte gewinnen soll. Die Schüler des André-Gymnasiums haben vorgesorgt, falls sie in die engere Auswahl kommen sollten. "Ich habe den jüngeren Schülern erklärt, was wir machen und sie dazu animiert, für uns zu stimmen, wenn es soweit ist", so Schulz.


Zu gewinnen gibt es 3000 Euro. Silke Rößler würde sich freuen, "wenn unser Förderverein das Geld bekommen würde und wir es nachhaltig in unsere Bienen investieren". Die Schüler könnten sich vorstellen, die Hälfte des möglichen Gewinns an bienenfreundliche Projekte zu spenden, einen Teil der Schule zu überlassen und selbst etwas zu behalten, weil einige Jugendliche sich auch außerhalb der Schulzeit für das Projekt engagierten. Für die Schüler war es das letzte Thema im Profilunterricht: Wenn sie nächstes Schuljahr in der elften Klasse lernen, wird es ihn so nicht mehr geben.

Dafür sollen sich die nächsten zehnten Klassen mit den auf dem Schulhof angesiedelten Bienen beschäftigen, sagt Rößler. "Es wird eine Mischung aus Theorie und Praxis sein. Ich will den Jugendlichen zum Beispiel die Biologie der Biene und Kenntnisse der Imkerei näherbringen." Rößler kann sich außerdem eine kleine Schülerfirma vorstellen: "Die jungen Leute könnten nicht nur Honig, sondern auch Wachstücher oder verschiedene Cremes herstellen."

Und wer kümmert sich in den Sommerferien um die Bienen? Tim Zukunft macht sich da keine Sorgen: "Die Bienen benötigen nicht viel Pflege. Einmal im Jahr sollte man ihnen Medikamente gegen Milben geben und sie im Winter mit Zuckerwasser ernähren, aber grundsätzlich sind sie Selbstversorger."

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