Schuhgeschäft schließt nach 100 Jahren

Die Betreiber des Ladens am Markt in Waldenburg gehen in Rente. Für sie endet damit auch eine Zeit der Entbehrungen.

Waldenburg.

Bernd Zobel weiß seit über 25 Jahren, wo bei seinen Kunden der Schuh drückt. Seit 1993 führt er sein Geschäft direkt am Waldenburger Markt. Die Anfänge des Schuhwarenladens reichen über 100 Jahre zurück. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts betrieb Bernhard Brumm hier die letzte Gerberei der Stadt, schulte dann jedoch 1902/03 zum Schuster um. Sein Sohn Curt folgte ihm im Geschäft. Eine alte Urkunde von Curt Brumm, auf Backpapier gedruckt, hängt noch heute im Laden von Zobel.

Nun endet diese Tradition. "Räumungsverkauf" steht derzeit in großen Lettern am Schaufenster des Gebäudes. Mit 65 Jahren geht Bernd Zobel in Rente, ebenso wie Ehefrau Marget. Bis Mitte Februar haben sie noch geöffnet. Danach schließt das Paar das Geschäft - vielleicht für immer. Denn einen Nachfolger gibt es nicht.

Das Geschäft sei viele Jahre gut gelaufen, sagt Bernd Zobel. "Wir haben immer Wert auf die Betreuung unserer Kunden gelegt, vor allem, wenn jemand Probleme hatte, einen passenden Schuh zu finden, weil die Füße keinem Durchschnittswert entsprechen", sagt Zobel, während seine Frau vor einer älteren Kundin kniet und sie berät. Zweimal im Jahr sei man auf Messen gefahren. "Wir haben jedes Paar Schuhe bei uns einzeln herausgesucht und in der Hand gehabt."

In den letzten Jahren wurde es schwieriger für das Geschäft, auch wegen der Internetkonkurrenz. "Selbst in größeren Städten schließen Läden, so ein Geschäft ist in Waldenburg schwer zu halten." Damit der Laden überlebt, hat das Ehepaar auch einen Preis bezahlt. Bernd Zobel: "Wir hatten in der ganzen Zeit nie einen Tag geschlossen und nie einen Tag Urlaub." Und das bei sechs Öffnungstagen pro Woche. Zumindest der baldige Ruhestand verspricht nun mehr Freizeit.

"Es wird sicher nicht leicht, einen neuen Nutzer zu finden", sagt der Vermieter des Ladens, Werner-Wolfgang Halla. "Aber ich bin Optimist, die Lage ist nicht so schlecht für den Verkauf." (cmey)

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