Schulbusse überfüllt - Eltern kritisieren Verkehrsbetrieb

Derzeit fahren keine Chemnitzbahnen nach Burgstädt. Die dafür eingesetzten Busse sind zu klein. Eine Schülerin wäre fast nicht mitgekommen.

Burgstädt.

Um 7.40 Uhr beginnt im Burgstädter Gymnasium der Unterricht. Viele der rund 720 Schüler kommen aus den umliegenden Orten, so auch Lilly-Rose Hähne, die die sechste Klasse besucht. Die Zwölfjährige wohnt in Wittgensdorf. Eigentlich besteht eine günstige Verbindung mit der Chemnitzbahn C 13. Doch seit zwei Wochen verkehren Busse zwischen Chemnitz und Burgstädt wegen Bauarbeiten am Eisenbahnviadukt über die Blankenauer Straße. Für die Schulkinder wurde ein Zusatzbus eingesetzt, damit diese pünktlich in Burgstädt ankommen.

"Pünktlich ist der Bus", sagt Mutter Lysann Hähne. Aber das Fahrzeug sei viel zu klein für die vielen Schulkinder. "Die Kinder müssen auf den Treppen und im Türbereich stehen", fügt die 41-Jährige hinzu. Das sei ein erhebliches Sicherheitsrisiko. "Was passiert, wenn der Bus plötzlich bremsen muss?" Sie habe mit anderen Eltern eine Fahrgemeinschaft gebildet und bringe ihre Tochter an manchen Tagen mit dem Auto nach Burgstädt. Aber die meisten Eltern sind berufstätig und können die Kinder nicht abholen. "Nach Schulschluss ist die Situation noch schlimmer", sagt Hähne. Zu den Schülern gesellten sich noch weitere Mitfahrer, so ältere Menschen mit Rollatoren oder auch Eltern mit Kinderwagen. "Am Dienstag war die Situation so prekär, dass die Kinder schon auf dem Armaturenbrett des Busses saßen", erzählt die Wittgensdorferin. Janet Koch bestätigt die Situation. Ihre Tochter geht in die siebente Klasse. Sie habe an einem Tag die Schüler gezählt. Der eingesetzte Reisebus - viel kleiner als ein Gelenkbus - komme am Bahnhof Wittgensdorf-Mitte schon zu 70 Prozent gefüllt an. Dort seien 32 Kinder eingestiegen. Am Oberen Bahnhof kämen dann noch zwischen 20 und 25 Kinder hinzu. "Und da fahren Abiturienten gar nicht mit, sonst wären es noch mehr", sagt Koch.


Ihre Tochter habe erzählt, dass der Busfahrer die Kinder noch angeschimpft habe, sie sollten "sich nicht so anstellen, und bissel zusammenrutschen", zitiert sie die Aussagen. Sie habe gehört, dass am Donnerstag ein Kind wieder aussteigen musste, weil die Türen nicht geschlossen hätten. Nach zehnminütiger Hin- und Herschieberei habe es wieder einsteigen dürfen. "Das sind doch keine Zustände, muss erst etwas passieren?", fragt sie ärgerlich.

Was die beiden Frauen aber noch auf die Palme bringt, sei die Tatsache, dass die Citybahn als Betreiber der Chemnitzbahn auf Anfragen und Beschwerden nicht reagiert. "Erst als ich die ,Freie Presse' informiert habe, kam eine Antwort per Mail", sagt Lysann Hähne. Darin heißt es: "Wir sind mit dem Busunternehmen im Gespräch, um eine bessere Lösung zu finden." Größere Busse könnten aber nicht eingesetzt werden, da nicht überall eine Durchfahrt gewährt sei. Aus diesem Grund seien auch die Taktzeiten im Schülerverkehr verdichtet worden.

"Aber wo diese Engstellen sind, wird nicht beantwortet", sagt Janet Koch, die eine gleichlautende Antwort erhalten hat. Bei mehreren Anrufen und Bitten für einen persönlichen Kontakt sei sie immer wieder vertröstet worden, sie solle eine E-Mail schicken. Am Kontakttelefon habe Lysann Hähne die Antwort erhalten: "Seien Sie doch froh, dass der Bus überhaupt eingesetzt wird."

Citybahn und Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) sind für den Schienenersatzverkehr sowie die Schülerbeförderung zuständig. "Wir bedauern die Unannehmlichkeiten", sagt VMS-Sprecherin Jeanette Kiesinger. Die Probleme seien bekannt. Bei der Citybahn lägen sieben schriftliche Beschwerden vor. Von dem Kind, das am Donnerstag aussteigen musste, habe sie noch nichts gehört. Bei Kontrollen sei festgestellt worden, dass die Situation nicht befriedigen könne, obwohl in den Hauptverkehrszeiten mehr Busse eingesetzt würden. "Für die Stoßzeiten erwägen wir folgende Möglichkeiten: Einsatz eines größeren Gelenkbusses oder von Unterstützungsbussen. Am heutigen Freitag soll eine Lösung vorliegen."

Um einen Citylink der Chemnitz-Bahn mit 228 Plätzen, davon 87 Sitzplätze (228/87), zu ersetzen, benötige man mehrere Busse. Laut Kiesinger kommen Gelenkbusse auf eine Kapazität von 145/55, Standardbusse auf 90/45. Auf Nachfrage sagt Alin Fritzsching von der Citybahn, dass ein Busfahrer als Engstelle die Kreuzung an der Bornaer Straße genannt habe. Dies werde jetzt geprüft.

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