Schulen, Sport, marode Straßen: Wofür die Stadt mehr Geld braucht

So viel Nachschlag gibt es nicht alle Tage: Bau- und Sanierungsvorhaben im Umfang von gut 37 Millionen Euro beschäftigen die Stadträte kommende Woche. Die Preisexplosion auf dem Bau macht sich dabei deutlich bemerkbar.

Schulen und Turnhallen: Gleich 17 Vorhaben im Umfang von knapp 14,7 Millionen Euro sollen in den Jahren bis 2022 mithilfe zusätzlicher Fördermittel in Angriff genommen werden. Für jeden Euro, den die Stadt investiert, gibt es drei weitere von Bund und Land obendrauf. Erstmals werden davon auch Einrichtungen freier Träger profitieren. Ihnen sollen zehn Prozent der Gesamtförderung zugutekommen, sagt Stadtkämmerer Sven Schulze. Wer wofür wie viel Geld erhalten wird, sei mit den Betreibern einvernehmlich abgestimmt worden.

Mit fast 6,9 Millionen Euro größtes Vorhaben ist eine Teilsanierung der städtischen Förderschule Altchemnitz. Der 130 Jahre alte Klinkerbau weist erhebliche Mängel auf, die Fassade bröckelt. Darüber hinaus sind es vor allem Sporthallen (Grundschule Reichenhain, Georg-Weerth-Oberschule, Chemnitzer Schulmodell) und Außenanlagen (Grundschulen "Ludwig Richter", Ebersdorf, Einsiedel, Wittgensdorf), die saniert und aufgewertet werden. "Bei der Sanierung von Schulhäusern sind wir am Limit angelangt", sagt Bürgermeister Schulze.

Keine Zeit verlieren will das Rathaus beim Schaffen dringend benötigter zusätzlicher Schulkapazitäten. So wird an der Grundschule Grüna ein bislang ungenutztes Stockwerk ausgebaut, an der Flemmingschule Platz für eine zusätzliche Klasse pro Jahrgang geschaffen. Ähnliche Vorhaben gibt es an der Oberschule "Am Flughafen" und der Schule Philippstraße.

Teurer als geplant: Die Kalkulation von Bauvorhaben gerät immer häufiger durcheinander. Die Folge: Die Stadt muss Geld nachschießen. "Durch den Bauboom in Verbindung mit dem verstärkten Fachkräftemangel in der Bauindustrie ergeben sich Preisentwicklungen, welche das bisher kalkulierbare Gefüge in jederlei Hinsicht sprengen", heißt es aus dem Dezernat von Baubürgermeister Michael Stötzer. Aktuell betroffen sind unter anderem die Sanierung der kleinen Kunstturnhalle im Sportforum (Mehrkosten: 700.000 Euro), die Grundschule Glösa (501.000 Euro) und die Turnhalle in Klaffenbach (228.000 Euro).

Probleme gibt es zudem beim barrierefreien Umbau von Haltestellen. Er verteuert sich um mehrere Hunderttausend Euro und dauert zudem länger. Außerdem soll das Budget für das Ausbessern von Straßenschäden um 650.000 Euro aufgestockt werden. Mit dem derzeit noch vorhandenen Geld lasse sich die Sicherheit für den Verkehr nicht mehr garantieren, heißt es.

Umfangreicher als erwartet: Unerwartete Mängel an Gebäuden und Verzögerungen beim Bau sorgen ebenfalls einmal mehr für zusätzliche Ausgaben. Betroffen sind unter anderem die Sanierung der Grundschule in Borna (956.000 Euro), die Kita Walter-Ranft-Straße (545.000 Euro) und die Untere Luisenschule (76.000 Euro).

Chance auf Zuschuss aus Berlin: Die beiden mit knapp neun bzw. 8,7Millionen Euro mit Abstand größten Projekte, die den Stadtrat beschäftigen, sind das Hauptstadion im Sportforum und die Eisschnelllaufbahn im Küchwald. Die Stadt hofft, sie mithilfe von Fördermitteln sanieren zu können. Deshalb will sie sich um Aufnahme in ein kurzfristig aufgelegtes Förderprogramm des Bundesbauministeriums bewerben. Wie die Chancen stehen, ist ungewiss - insgesamt stehen bundesweit 100 Millionen Euro zur Verfügung. Sollten die Chemnitzer Vorhaben berücksichtigt werden, müsste die Stadt nur noch gut die Hälfte der Investitionen aus eigener Tasche zahlen. Das eingesparte Geld stünde für andere Projekte zur Verfügung.

Wo das Geld herkommen soll: Das Rathaus will in erster Linie auf sogenannte Schlüsselzuweisungen vom Land zurückgreifen. Diese fallen in diesem Jahr rund 15 Millionen Euro höher aus als erwartet. Weitere Mittel kommen von Vorhaben, die für 2018 geplant waren, sich aber verzögern. Am Ende sollen sogar noch 100.000 Euro für Trinkwasser-, Strom-, Telefonleitungen zum Pavillon auf der Schloßteichinsel übrig bleiben. Dessen seit Jahren diskutierte Sanierung hat sich zuletzt erneut verzögert, weil Firmen kein Interesse an einem Auftrag zeigten.

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