Schulleiterin geht in Ruhestand - Kinder stellen ihr Zeugnis aus

Christa Kirchner verlässt nach 15 Jahren die Bräunsdorfer Grundschule. Ihr Start verlief anders als geplant. Zum Abschied verraten Viertklässler, was sie an der 65-Jährigen schätzen - und was nicht.

Bräunsdorf.

Lehrer haben ein komfortables Leben, lautet ein gängiges Klischee: ein vollbezahlter Halbtagsjob, dazu noch 13 Wochen Urlaub pro Jahr. Christa Kirchner würde wohl energisch widersprechen. Abgesehen davon, dass die Leiterin der Evangelischen Grundschule in Bräunsdorf gegen Ende der Ferien oft in der Bildungsstätte anzutreffen ist, endet ihr Arbeitstag, der gegen 7 Uhr beginnt, nie schon um 13Uhr. "Ich bin oft bis abends in der Schule, mal bis 18, mal auch bis 20Uhr." Erst dann sei der Unterricht des folgenden Tages vorbereitet und organisatorische Aufgaben erledigt. Doch ab dem heutigen Freitag, dem letzten Schultag vor den Sommerferien, kehrt deutlich mehr Ruhe ein. Die 65-Jährige geht in Rente.

An die Umstände ihres ersten Arbeitstages in Bräunsdorf kann sich Kirchner genau erinnern. Eigentlich sollte sie im Sommer 2004 anfangen, damals noch als gewöhnliche Lehrerin. Doch dann übte die Schulbehörde Druck auf die Grundschule aus, die sich zu jener Zeit mit lediglich zwei Klassen im Aufbau befand: Eine ausgebildete Lehrerin müsse so schnell wie möglich her. Erst zwischen Weihnachten und Neujahr 2003 erfuhr Kirchner, dass sie schon ab Anfang Januar unterrichten solle. "In den ersten drei Monaten habe ich in einem Zimmer im Gemeindehaus gewohnt, direkt neben den Glocken", erzählt die Frau mit den gefärbten Haaren und schmunzelt.


Sie war damals noch in Thüringen zu Hause, wo sie auch geboren wurde. Nach einem Lehramtsstudium unterrichtete sie zunächst in Meiningen und leitete dann ein Kinderkurheim in der Rhön. Als dieses 2001 abgewickelt wurde, stand Kirchner vor der Frage, ob sie in den Lehrerberuf zurückkehrt oder sich beruflich völlig neuorientiert. Weil ihre Tochter ausgezogen und sowohl ihr Mann als auch ihr Sohn frühzeitig gestorben waren, was Kirchner offen anspricht, fühlte sie sich ungebunden. Als sie im Internet auf ein Stellenangebot der Bräunsdorfer Schule stieß, rief sie spontan an. Zum Vorstellungsgespräch wäre sie indes fast zu spät gekommen. "Ich habe dieses Bräunsdorf erst nicht gefunden. Dann habe ich endlich die Kirche gesehen und mich daran orientiert", berichtet die Frau, die gerne erzählt und ihre Entscheidungen stets reflektiert. So bezeichnet sie ihren Start in Bräunsdorf als "totalen Neuanfang in der Mitte meines Lebens".

Dass Kirchner trotz des vorschnellen Starts in Bräunsdorf gut 15 Jahre an der Schule geblieben ist, führt sie unter anderen auf die Pfarrersleute Christine und Friedrich Jacob zurück, die die Gründung der Schule vorangetrieben hatten und die neue Lehrerin herzlich empfingen. "Ich habe mich hier schnell wohlgefühlt." Seit 2006 ist Kirchner nicht nur stets Klassenlehrerin gewesen, sondern auch Schulleiterin. "Das war viel Arbeit, aber ich habe sie nie als Belastung empfunden." Durch ihre lange Präsenz am Nachmittag habe sie Probleme etwa durch Gespräche mit Eltern schnell aus der Welt schaffen können. Unter Kirchners Leitung hat sich die Bildungsstätte als fester Bestandteil der Schullandschaft etabliert. Heute gibt es deutlich mehr Anmeldungen als Plätze für Erstklässler.

Bereits am vergangenen Freitag haben Lehrer, Schüler, Eltern und Ehemalige Kirchner mit einem Festgottesdienst verabschiedet. "Die Kirche war voll. Ich war überwältigt", berichtet die Geehrte. Schulgeschäftsführerin Annekatrin Bratke, die Kirchners Position mit Unterstützung der bisherigen Stellvertreterin Mona Mohr-Selbmann übernehmen wird, beschreibt ihre Vorgängerin als "die tragende und treibende Kraft" der letzten Jahre. "Viele Früchte, die wir heute ernten, sind nur ihrem Enthusiasmus und unsäglichen Einsatz für unsere Schule zu verdanken", stellt Bratke fest.

Und was für ein Zeugnis stellen die Viertklässler, die wie Kirchner die Schule im Sommer verlassen, ihrer Klassenlehrerin aus? "Sie kann gut erklären und hat viel Geduld", sagen Helene und Deborah. Benjamin schätzt die Übungsaufgaben vor einer Klassenarbeit. Benjamin kritisiert aber, dass Kirchner zu viele Hausaufgaben aufgebe. Und mehrere Schüler bezeichnen die Lehrerin als streng.

Kirchner, die seit Jahren in Limbach wohnt, kann mit diesen Aussagen gut leben. In ihrem Ruhestand wolle sie vorerst ausschlafen, wieder häufiger im Gebirge wandern und Bücher lesen, sagt sie. Konkretere Pläne habe sie noch nicht. Spontane Entschlüsse sind ohnehin oft die besten, wie ihre Entscheidung für Bräunsdorf belegt.

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