Schuluntersuchungen: Wege zum Arzt werden deutlich länger

Bislang konnten Kinder in Limbach-Oberfrohna beweisen, dass sie das Zeug zum Erstklässler haben. Eine neue Regelung verärgert Mütter und Väter.

Bei der Untersuchung vor Schulbeginn wird auch die Körpergröße der Kinder gemessen - wie auf diesem Symbolbild. Ein neuer Ort für die Untersuchungen sorgt in Limbach-Oberfrohna für Unmut.

Für Sie berichtet: Johannes Pöhlandt

Als vor drei Jahren die Schuluntersuchung für Luise Müller stattfand, dauerte der Weg dorthin für sie und ihre Mutter nur wenige Minuten. Die Familie aus Oberfrohna wurde in die Außenstelle des Landratsamtes an der Jägerstraße in Limbach-Oberfrohna bestellt. Dort testeten eine Ärztin und zwei Schwestern vom Gesundheitsamt des Landkreises unter anderem, ob das Mädchen gut hören und sehen kann und logische Zusammenhänge versteht. Bei der Schuluntersuchung wollen die Mediziner herausfinden, ob die Kinder für den Unterricht gewappnet sind oder ob Förderbedarf besteht. Luise bestand den Test problemlos.

In diesem Jahr ist ihre fünfjährige Schwester Ella an der Reihe, die ab nächstem Sommer die erste Klasse besuchen soll. Doch als ihre Mutter Aline Müller sie vor wenigen Tagen an der Gerhart-Hauptmann-Schule anmeldete und einen Termin für die verpflichtende Untersuchung wählen wollte, staunte die 38-Jährige nicht schlecht: Der Test findet nun in Zwickau statt. "Das ist sehr unkomfortabel", stellt Aline Müller fest. Eine Autofahrt von Oberfrohna nach Zwickau misst je nach Strecke 33 (Landstraße) oder 42 Kilometer (Autobahn) und dauert laut Routenplaner etwa 40 Minuten. Allein für den Weg hin und zurück muss Aline Müller also 80 Minuten einplanen. Hinzu kommt die etwa einstündige Untersuchung.

Betroffene Eltern sehen sich mit Problemen konfrontiert. "Ich muss mir dafür einen Tag Urlaub nehmen", sagt eine Mutter. Aline Müller ist in dieser Hinsicht besser dran, sie arbeitet in Teilzeit und hat einen Tag pro Woche frei. Allerdings muss ihr Mann, der normalerweise mit dem Auto zur Arbeit fährt, am Tag der Untersuchung auf ein anderes Verkehrsmittel ausweichen. Denn ohne Auto wäre der Zeitaufwand ungleich größer. Wer wie die Müllers den Termin im Gesundheitsamt in Zwickau um 10 Uhr hat, müsste in Oberfrohna um 8.15 Uhr in den Bus nach Chemnitz steigen und von dort den Zug nehmen.

Da verwundert es nicht, dass das Vorgehen des Landkreises für Unmut sorgt. Betroffen sind nicht nur die Eltern von gut 200 angehenden Erstklässlern in Limbach-Oberfrohna, sondern auch Familien aus Nachbarkommunen wie Niederfrohna und Callenberg. Das Thema wurde bereits im Limbacher Stadtrat angesprochen und hat auch schon den Stadtelternrat beschäftigt, der deswegen Kontakt mit dem Gesundheitsamt aufgenommen hat.

Der "Freien Presse" teilt Amtsärztin Carina Pilling auf Anfrage mit: "Grundsätzlich kommen alle Mädchen und Jungen aus dem gesamten Landkreis mit ihren Eltern nach Zwickau in das Gesundheitsamt." Bei den Schuluntersuchungen in Limbach-Oberfrohna habe es sich um eine Ausnahme gehandelt. "Krankheitsbedingte personelle Engpässe im Amt erlauben es mir nicht, dieses spezielle Angebot weiter aufrechtzuerhalten", erklärt Pilling. Da weitere Ausfälle nicht auszuschließen seien, könnten die Untersuchungen mit jeweils drei Mitarbeitern nur in Zwickau abgesichert werden. Die Amtsärztin sagt, Schulen, Elternvertreter und Stadtverwaltung seien rechtzeitig über die neue Regelung informiert worden. Mit den Eltern werden nach ihren Angaben Gespräche geführt, um etwa bei Terminschwierigkeiten eine Lösung zu finden.

Oberbürgermeister Jesko Vogel widerspricht der Darstellung, dass das Rathaus im Vorfeld informiert worden sei. Er verweist darauf, dass die Stadt pro Jahr etwa 9 Millionen Euro Kreisumlage an Zwickau überweist. "Dafür kann man vernünftige Dienstleistungen erwarten", stellt Vogel fest. "Wenn Krankheiten der Grund für die Regelung sind, kann es sich nur um eine temporäre Lösung handeln." Nach dem Verlust des Jobcenters und anderer Institutionen in den vergangenen Jahren dürften nicht auch noch die Schuluntersuchungen verlagert werden.

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