Selbstauskunft nach Test fällt weg: Was Friseure nun fürchten

Ein Selbsttest vor einem Besuch im Salon reicht nicht mehr aus. In einem Gespräch mit dem Ministerpräsidenten erhielt der Innungsobermeister aber zwei positive Signale.

Sie befürchtet, dass aufgrund der strengeren Testpflicht künftig noch weniger Kunden ihren Salon B 5 - Hairdesign besuchen: Friseurin Rebecca Elyamany in ihrem Geschäft an der Ammernstraße.

Von Sandra Häfner

Friseurin Rebecca Elyamany schiebt Frust. "Wir freuen uns, wieder arbeiten zu können. Aber die Arbeit wird uns immer mehr erschwert", sagt die Chemnitzerin, die in Glösa-Draisdorf einen Salon führt. Nach der Wiedereröffnung nach dem Lockdown im März folgte im April die Testpflicht für die Kunden. Diese wird nun verschärft, da Selbsttests in den eigenen vier Wänden mit einer Selbsterklärung für einen Friseurbesuch nicht mehr ausreichen. Kunden müssen nun in ein Testzentrum gehen oder einen Selbsttest vor Ort vornehmen, wo ihn der Friseur einsehen kann. Das ist schwierig, da viele Salons keinen extra Raum dafür haben. Bereits die generelle Testpflicht habe zu Absagen geführt, sagt Rebecca Elyamany. Ihr Umsatz im April sei im Vergleich zu März um etwa die Hälfte eingebrochen. "Nun sind die Leute noch verwirrter", sagt sie. Auch Absagen habe es wieder gegeben. Sie befürchtet einen erneuten Kundenrückgang. Derzeit habe sie im Durchschnitt zwei bis drei Absagen pro Woche. "Dass Kunden nicht kommen, bin ich nicht gewöhnt", sagt sie.

Einige Kilometer weiter südlich ist Jacqueline Stopp in ihrem Salon auf der Bernsdorfer Straße wütend. "Wir waren immer fleißig, haben schwarze Zahlen geschrieben, die Bücher waren immer voll", sagt sie. Dass nun die Selbstauskunft nach einem Selbsttest wegfalle, schränke ihre Arbeit weiter ein. "Das ist eine riesige Sauerei", schimpft sie. Ihre Kunden hätten oft die Chance zur Selbstauskunft genutzt anstatt in ein Testzentrum zu gehen. Termine seien ihr bereits im April, als die Testpflicht kam, weggebrochen. Vorigen Monat habe sie deshalb nur 40 Prozent des sonst üblichen Umsatzes gemacht. "Ich bin am Limit", sagt die Friseurin, die neun Angestellte beschäftigt.

Sie zweifelt den Sinn der Regeländerung an. "Eine 80-jährige Kundin hat doch mehr Kontakte wenn sie jetzt in ein Testzentrum fährt", sagt Jacqueline Stopp. Sie halte sich an die Regeln. 800 Euro habe sie in Tests für ihre Mitarbeiter investiert und das trotz stark gesunkenen Umsatzes. Ihr Hygienekonzept sieht sie bestätigt, da keiner ihrer Angestellten an Corona erkrankt sei. Drei Kontrollen durch die Berufsgenossenschaft und das Ordnungsamt hat es seit dem ersten Lockdown bei ihr gegeben. Die Arbeit fühle sich momentan wie ein Marathonlauf an - "und dann hängt dir noch jemand eine Tasche dran", sagt Stopp. Einen kleinen Lichtblick sieht sie aber. Direkt neben ihrem Salon hat am Mittwoch ein Testzentrum aufgemacht. Nun will sie ihre Kunden auf den kurzen Weg zum Test hinweisen.

Die Beschwerden von Saloninhabern und Kunden über die neue Hürde beim Testen hat Jörn Lüdecke, Obermeister der Friseur- und Kosmetik-Innung Chemnitz, bei einer geplanten Videokonferenz am Mittwoch an Ministerpräsident Michael Kretschmer weitergegeben. Lüdecke spricht von Ängsten der Friseure, dass noch weniger Kunden als jetzt schon kommen. Bis zu 60 Prozent hätten die Salons im April an Umsätzen verloren. Doch sein Wunsch, die Rücknahme des Selbstauskunfts-Verbots, wurde nicht erfüllt. Die Selbstauskunft werde nicht mehr anerkannt, habe Kretschmer betont. Den sächsischen Weg verbiete die Bundesnotbremse. "Und Bundesrecht steht über Landesrecht", sagt Lüdecke. Immerhin: Selbsttests, die auf Arbeit oder in der Schule nach dem Vier-Augen-Prinzip durchgeführt wurden, sollen hinterher beim Salonbesuch mitgebracht werden können. "Das ist ein positives Signal, aber nicht das, was wir uns erhofft hatten", bilanziert Jörn Lüdecke.

Der Ministerpräsident verkündete für Friseurinnen und Kosmetikerinnen auch eine gute Botschaft. Ab 25. Mai soll für ihre Kinder die Notbetreuung gewährleistet werden. Da die Inzidenzen im Südwesten Sachsens noch hoch sind, mit einer schnellen Öffnung von Kitas und Schulen nicht zu rechnen ist, sei das ein guter Ausblick, so Lüdecke.

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14Kommentare
👍6👎0 701726 20.05.2021 Die Test nehmen doch Ausmaße an die sind absurd, aber da verdienen Firmen ein tolles Geld daran : denkt mal nach.
👍6👎0 Knopf 18.05.2021 Solange es keine Lockerungen gibt, werde ich wieder selber nachschneiden. Man hat ja mittlerweile Übung drin :)
👍20👎9 Mausi42 18.05.2021 Na Gott sei Dank war ich noch Anfang April in Thüringen beim Friseur,da brauchte ich keinen Test!Ich würde momentan noch nicht Mal in ein Testzentrum kommen,weil überall Baustellen und auch Sperrungen!Wozu werden den dann diese Selbsttest verkauft?????Sorry aber wenn ich in einen Supermarkt gehe,dann sind dort ca.37-200 Personen auf einen haufen,beim Friseur sind es aber nur max.6 Personen mit Personal! Noch dazu hat man überall die Maske auf und muss diese nur Mal kurz von den Ohren machen wenn geschnitten wird! Genauso Schwachsinn einen Test zu machen beim Termin Shopping,ich habe eine feste Uhrzeit,muss ständig schauen das ich schnell fertig werde,und bin gezwungen was zu kaufen!Noch dazu hat man Druck mit dem Test,das macht doch alles keinen Spaß mehr! Genau wir "Urlaub",alle 24h einen neuen Test!da bleib ich lieber daheim,da hab ich keinen Stress und im Garten Brauch ich auch keinen Test und Maske!
👍20👎13 VogelDieter 18.05.2021 Ich finde das Mißtrauen in die Bevölkerung so absurd, Tests nur unter Kontrolle ...
Nach dem Sprichwort "Was ich selber denk und tu, traue ich auch anderen zu" frage ich mich, warum die Politiker oder Diejenigen, die solche Beschlüsse fassen so agieren. Irgendwann kommt niemand mehr in solche Geschäfte, in denen das gefordert wird, einfach nur noch traurig.
👍16👎11 nordlicht 17.05.2021 Ich kann @mops nur beipflichten. Auch ich lasse mich nur im Rachenraum testen.
👍21👎26 mops0106 17.05.2021 @Cornholio:

Es bleibt ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit, da es sich um ein invasives Verfahren handelt. Das Teststäbchen muss nach Anweisung bis zu einer bestimmten Länge eingeführt werden und es muss auch "Abrieb" erfolgen. Es kommt meist zu Schmerzen - von jedem unterschiedlich empfunden - und ziemlich oft zu Verletzungen/ Blutungen.

Es lässt sich auch nicht "alle Welt" tätowieren. In meinem Verwandten-, Bekannten-, Freundes- und ehemaligen großen Kollegenkreis gibt es nur eine tätowierte Person und die hat sich das nach freier Entscheidung angetan und nicht auf staatliche Anordnung.

Ein HNO-Arzt benutzt ein Endoskop, um Verletzungen weitestgehend zu vermeiden, da die Nasengänge bei jedem unterschiedlich verlaufen und da oben eben viel schief gehen kann. Und um Schmerzen zu vermeiden, wird betäubt.
👍30👎15 Cornholio 17.05.2021 @mops0106 Schon klar, alle Welt lässt sich tätowieren, aber bei einem Wattestäbchen ist es plötzlich Körperverletzung - einfach lächerlich!!! Dass Sie unter krankhaft entzündeten Schleimhäuten leiden, ist bedauernswert. Dennoch handelt es sich hier um ein Massentestverfahren, bei dem sicher nicht jede individuelle Befindlichkeit Berücksichtigung finden kann. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Personen, welche die Tests durchführen, nach einem entsprechenden Hinweis Ihrerseits, das Stäbchen mit aller Gewalt in Ihre Nase bzw. Ihren Rachen rammen.
👍26👎18 MuellerF 17.05.2021 @mops: Die Teststäbchen sind so konzipiert, dass auch bei unsachgemäßem Gebrauch keine schweren Verletzungen entstehen. Dass evtl. doch kleine Verletzungen entstehen, kann auch ausgebildeten Ärzten passieren, zB wenn die Testperson sich ruckartig bewegt.
Aber auch dann reden wir hier von (Nasen-/Rachen-) Schleimhäuten.
Es sollte bekannt sein, dass sich Schleimhäute sehr schnell, d.h. innerhalb weniger Stunden regenerieren.
Mir sind jedenfalls bisher keine Fälle massenhaft (schwer) verletzter Testpersonen bekannt geworden, aber sicher haben Sie da trotzdem "viele im Bekanntenkreis" ?
👍22👎31 mops0106 15.05.2021 @MuellerF:

Ich habe weder Sie persönlich angesprochen/ kritisiert, sondern nur meine Meinung geäußert, die ich auch von vielen aus meinem Bekanntenkreis gehört habe.

Und in den Zentren werden eben keine Spucktests durchgeführt, sondern nur die invasiven Nasen-/ Rachenabstriche und diese sind Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit, noch dazu von Laien durchgeführt, die nicht sicherstellen können, dass es nicht zu Verletzungen kommt.
👍32👎21 MuellerF 15.05.2021 @mops: "So ein Test ist eben keine Kleinigkeit."
Das mag für Sie zutreffen, aber doch nicht für die Masse der Bevölkerung.
Ich kann nicht bei jeder Formulierung 1000 Sonderfälle berücksichtigen.
Ob Spucktest oder Abstrich ist ja auch wurst- es geht darum, dass eine unabhängige (!) Person das Ergebnis beglaubigt.
👍14👎8 nordlicht 14.05.2021 Es ist schon alles irgendwie nervig geworden.

Wegen Frisör machte ich online einen Testtermin, 1 Tag vorher weil, am nächsten Tag die Termine schon alle vergeben waren. Das Ergebnis wird dann in mein E-Mailfach gesendet, aber soweit kam es nicht. Da ich nicht mobil bin und am Rande der Stadt wohne, brauche ich immer ein Taxi. Ehe ich es bestellte, rief ich nochmal beim Frisör an und siehe da, ab dem Tag wurde kein Test mehr benötigt
.
Ich wohne aber auch nicht in Sachsen. Bis jetzt wurde ich immer im Heim getestet, ehe ich meine Mutter besuchen konnte. Und ich lasse mich nur im Rachen testen, da ich schnell zu Nasenbluten neige.
👍39👎37 mops0106 14.05.2021 So ein Test ist eben keine Kleinigkeit. Für kranke Menschen wie mich ist das ein zusätzlicher Weg, der mich zusätzlich Kraft kostet. Außerdem habe ich krankheitsbedingt entzündete Schleimhäute und schon beim Selbsttest kommt es bei mir manchmal zu kleinen Verletzungen. Ein extremer Würgereflex, der meinen Zahnarzt zwingt, zusätzliche Behandlungszeit einzuplanen, kommt bei mir dazu.

Die meisten der Leute, die jetzt tief in Nasen und Rachen herumbohren, sind nur angelernt. Ein HNO-Arzt benutzt für diese Arbeiten ein Endoskop, um Verletzungen auszuschließen und eine lokale Betäubung.

Mein Mann kann auf Arbeit Spucktests verwenden. Das geht ja noch. Die Tests in den Teststationen über Nase/ Rachen empfinde ich als Körperverletzung. Und die Regierung stellt mit dem Misstrauen gegenüber Selbsttest alle unter Generalverdacht.
👍43👎27 MuellerF 14.05.2021 So ein Test an sich ist ja nur eine Kleinigkeit- egal, ob der nun zu Hause oder sonst wo gemacht wird. Da kann man wohl vermuten, dass zu Zeiten der Selbstauskunft oft gar kein Test gemacht, sondern nur behauptet wurde.
Blöd für die Friseure, wenn ihnen jetzt diese Schummel-Mentalität eines Teils der Kundschaft auf die Füße fällt.

Allerdings kann ich mir schon vorstellen, dass ältere Leute mit der Registrierung Probleme haben - die geht bei den mobilen Testzentren nämlich nur per QR-Code bzw. mit Nutzung der E-Mail-Adresse.
Eine Registrierung in Papierform bzw. Aufnahme der Personendaten durch Mitarbeiter der Teststation als Alternative wäre da schon hilfreich.
👍64👎30 ernstel1973 14.05.2021 Ein Theater wegen nichts. Wir wählen tatsächlich den Wahnsinn in die Politik.
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