Senioren schlichten Streit unter Schülern

Zwei Rentner sorgen an der Grundschule Ebersdorf dafür, dass Konflikte friedlich beigelegt werden. Über mangelnden Zulauf kann sich das Duo nicht beklagen.

Ebersdorf.

Dass es zwischen Kindern mitunter zu Auseinandersetzungen kommt, ist nichts Außergewöhnliches. Da gibt es Hänseleien, Rangeleien, manchmal fliegt sogar der eine oder andere Gegenstand. Christina Hofmann und Gerd Neumann kennen das alles. Die 63-Jährige und ihr zwei Jahre älterer Kollege sind wöchentlich damit konfrontiert. Jeden Donnerstag sind die beiden gemeinsam vier Stunden lang als Streitschlichter in der Grundschule Ebersdorf. Sie sind Teil der Initiative "Seniorpartner in School", die Ruheständler für den Einsatz in Bildungsstätten ausbildet.

Von dem Projekt hatte Gerd Neumann vor mehr als einem Jahr in der "Freien Presse" gelesen. "Eigentlich war's meine Frau. Sie kam zu mir und sagte: Das wäre doch was für dich. Und sie hatte recht", sagt der ehemalige Mitarbeiter der Arbeitsagentur. Mit Christina Hofmann, einst in einer Immobilienverwaltung tätig, teilt er sich in der Schule ein Büro, das die Erst- bis Viertklässler bei Bedarf jederzeit aufsuchen können. Und das Gespann hat gut zu tun. "Der Rekord liegt bei 18 Kindern am Tag. Im Schnitt kommen etwa zwölf, die einzeln, oft aber auch in Gruppen erscheinen, und Viertklässler häufiger als Erstklässler", sagt Hofmann, die wie ihr Partner selbst Enkel hat. Streitschlichter seien angehalten, zunächst gut zuzuhören und alle Parteien zu Wort kommen zu lassen. Danach sollen die Kinder selbst Ideen entwickeln, wie sich ein Streit auflösen lassen kann. "Die Lösungen sollen nach Möglichkeit nicht von uns kommen", so Hofmann. Tabu seien auch Konflikte zwischen Schülern und Lehrern sowie private Sorgen im Elternhaus. "Das ist immer eine Gratwanderung, denn natürlich kommen die Kinder auch damit", so Neumann, der Wert darauf legt, im Team aufzutreten. Dadurch gebe es zwei Beobachtungsperspektiven, zudem diene das dem eigenen Schutz.

Obwohl das Projekt in Ebersdorf erst zu Beginn dieses Schuljahrs startete, sind die beiden Streitschlichter in der Schule bekannt. Ihr Ehrenamt macht ihnen Spaß - auch weil sie tatsächlich etwas bewirken können, wie sie sagen. So hätten sie jüngst auf Bitte eines Lehrers einen Schüler betreut, der im Musikunterricht immer wieder als Störenfried aufgefallen sei. "Die Schüler sollten ihr Lieblingslied präsentieren und den anderen nahebringen. Wir haben mit ihm zusammengesessen und am Ende hat er eine Eins bekommen. Zuvor hätte er sich das nicht getraut", so Neumann.

Sind Senioren die besseren Streitschlichter? Hofmann und Neumann würden das so nicht sagen. Schüler als Streitschlichter gebe es in bewährter Form an vielen Schulen. "Aber vielleicht haben wir den Vorteil, dass wir uns mehr Zeit nehmen können, weil wir nicht in den Unterricht müssen, und dass wir noch ein bisschen neutraler sind, weil wir von außerhalb kommen", so Neumann.

Laut Herbert Hartmann, der das sachsenweite Projekt in Chemnitz koordiniert, sind derzeit fünf Schulen mit an Bord, an denen 16 Senioren als Streitschlichter tätig sind. Dabei soll es aber nicht bleiben, man hoffe auf weiteren Zulauf. Interessenten müssen mindestens 55 Jahre alt und im Besitz eines erweiterten Führungszeugnisses ohne Einträge sein. Der Anmeldung im Internet folgt ein Vorstellungsgespräch, dem sich eine Ausbildung anschließt. Diese umfasst 80 Stunden und ist kostenlos. Vermittelt werden unter anderem Gesprächstechniken. "Grundlegende Eigenschaften wie Geduld und die Fähigkeit, gut zuhören zu können, sollten die Teilnehmer aber von sich aus mitbringen", so Hartmann.

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