Siemens: Werkleiter werben um Respekt

Nach Ausschreitungen: Offener Brief erinnert an gewaltfreie Wendezeit

Für Sie berichtet: Mandy Fischer

Mit einem offenen Brief reagieren die Leiter der sächsischen Siemens-Niederlassungen und Werke auf die jüngsten Ausschreitungen von Neonazis und Hooligans in der Stadt. Auslöser dafür war der gewaltsame Tod eines 35-jährigen Chemnitzers am 26. August. Drei Asylbewerber gelten als tatverdächtig. Im Brief fordern die Firmen-Vertreter, dass "Sachsen nicht auf radikale Minderheiten reduziert" wird. Es sei an der Zeit, dass sich die starke Zivilgesellschaft zu Toleranz und Mitmenschlichkeit bekennt, heißt es. Der Respekt untereinander sei entscheidend. Wirtschaftlicher Erfolg hänge nicht zuletzt vom Ruf ab, den die Region bei den Kunden weltweit habe.

Zudem verweisen die Führungskräfte von Siemens auf die gewaltfreie politische Wende vor fast 30Jahren, für die der Impuls von Sachsen ausgegangen ist. Doch für die Demokratie, die seither selbstverständlich geworden sei, müsse gemeinsam eingetreten werden. Insgesamt beschäftigt Siemens in Sachsen 4300 Mitarbeiter. Am Chemnitzer Hauptstandort an der Clemens-Winkler-Straße ist ihr Anliegen derzeit täglich ab 20.30 Uhr in Leuchtschrift zu lesen: In Anlehnung an das Motto des Konzertes gegen Rechts am Montagabend heißt es dort: "#wirsindmehr. Siemens in Sachsen gegen Diskriminierung".

Bereits Ende vergangener Woche hatte es aus der Wirtschaft eine erste Initiative gegeben, die dem derzeit bundesweit dominierenden Bild von Chemnitz entgegentreten will. Der Industrieverein Sachsen 1828 und die Branchenvereinigung Kreatives Chemnitz zeichnen für die Kampagne "Chemnitz ist weder grau noch braun" verantwortlich. Mehr als 180.000 Euro gingen dafür bereits ein. Mit dem Geld sollen Projekte zur Demokratieförderung finanziert werden. Außerdem platzieren die Unternehmen in überregionalen Zeitungen Anzeigen, die auf ein buntes Chemnitz aufmerksam machen sollen. Des Weiteren ist ein Spendenkonto für die Familie des Opfers eingerichtet worden.

Spenden können auf folgendes Konto überwiesen werden: Industrieverein Sachsen, IBAN: DE75 8709 6214 0021 2454 45

Kennwort: Angehörige von Daniel H.

Der offene Brief der Siemens-Führungskräfte ist komplett nachzulesen unter www.freiepresse.de/brief_siemens

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