Singen, tanzen, spielen: In nur fünf Tagen zum fertigen Musical

Kinder aus Burgstädt stellen sich der Herausforderung, ein Musical in kürzester Zeit zu erarbeiten. Dabei kommt es auch auf die richtige Motivation an.

Elisa (11), Elia Samuel (13), Benedikt (9), Simeon (12), Johannes (11) und Hannah Marisa (11) aus Burgstädt stehen am Samstag mit auf der Bühne.
65 Kinder aus Burgstädt, aus Mittelsachsen und dem Erzgebirge studieren derzeit das Musical "Singt laut" in der Strobel-Mühle in Pockau-Lengefeld ein. Nach nur fünf Probentagen folgen zwei Auftritte - einer davon am Samstag in der Stadtkirche in Burgstädt.

Von Julia Grunwald

Wenn Johannes aus Burgstädt an den kommenden Samstag denkt, ist er laut eigener Aussage schon ganz aufgeregt. Dann wird der Elfjährige gemeinsam mit 65 anderen Kindern aus Burgstädt, aus Mittelsachsen und dem Erzgebirge das Kindermusical "Singt laut" in der Stadtkirche in Burgstädt präsentieren.

Damit bei dem Auftritt nichts schiefgeht, proben die Kinder bereits seit Sonntag in einem Musicalcamp in der Strobel-Mühle im erzgebirgischen Pockau-Lengefeld. "Ich bin das erste Mal dabei. Freunde haben mir erzählt, wie viel Spaß sie hier hatten. Da wollte ich auch mitmachen", sagt Johannes.

Organisiert wird das Musicalcamp von dem gemeinnützigen Verein Adonia, der seit 2001 jedes Jahr 57 Musicalcamps in ganz Deutschland organisiert. "In nur fünf Tagen erarbeiten die Kinder gemeinsam mit unseren Betreuern das gesamte Konzertprogramm", sagt Sophie Schalling, Campleiterin in Pockau-Lengefeld. Am Freitag folgt dann der erste Auftritt in Lengefeld, bevor die Kinder am Samstag, 16 Uhr in der Stadtkirche in Burgstädt auf der Bühne stehen. "Bei uns kann jeder mitmachen, der Lust hat. Die Kinder brauchen keine Vorkenntnisse", so Schalling. Allerdings muss man schnell sein. "Wir sind bereits ein Jahr im Vorfeld ausgebucht. Viele Kinder kommen jedes Jahr wieder", so die Campleiterin.

In dem Stück "Singt laut", das von der Suche nach dem richtigen Gebet erzählt und die Frage aufwirft, ob es ein solches überhaupt gibt, wird Johannes gleich zwei Rollen übernehmen. "Ich spiele einen Besucher der Kirche und Joas, einen Zöllner, der in den Tempel kommt, um Gott um Verzeihung für seine Sünden zu bitten", erklärt der Burgstädter stolz. Simeon, der wie Johannes ebenfalls aus Burgstädt stammt, spielt im Stück Jesus. Er ist bereits zum zweiten Mal dabei. "Das Beste ist das Miteinander bei den Proben", sagt er.

Ihre Rollen haben Johannes und Simeon am Sonntag, kurz nach der Anreise, zugeteilt bekommen. "Zu Beginn des Camps haben wir ein Casting veranstaltet. Danach haben die Kinder ihre Rollen bekommen", sagt Dirigentin Lea Held, die selbst seit zehn Jahren jedes Jahr im Adonia-Camp dabei ist: zuerst als Teilnehmerin, jetzt als Verantwortliche.

Aber wie schafft man es, innerhalb von fünf Tagen ein komplettes Musical einzustudieren? "Die Kinder haben bereits vor zwei Monaten eine CD mit den Liedern und die Texte zugeschickt bekommen. Sie kommen also nicht ganz unvorbereitet ins Camp", so Held. Die 17 Chorlieder werden von allen Kindern gemeinsam geprobt. Auch kleine Choreografien gehören dazu, die Held geduldig mit den jungen Teilnehmern erarbeitet. Zudem haben die Neun- bis Zwölfjährigen unter anderem die Wahl zwischen einem Tanz-, Theater- oder Bastelworkshop. In Letzterem stellen die Kinder alle notwendigen Requisiten für das Stück selbst her.

Neben den drei Chorproben am Tag gibt es ein vielfältiges Freizeitangebot. "Die Kinder können zwischen den Proben in der angrenzenden Kletterhalle klettern, Fußball spielen oder sich einfach bei den gemeinsamen Mahlzeiten miteinander austauschen", erklärt die Dirigentin. Die Pausen seien wichtig, um für Abwechslung zu sorgen und die Motivation zu erhalten. "Man muss sehr empathisch sein und darauf achten, dass es nicht zu viel wird", sagt Held, die aus dem Erzgebirge stammt und momentan Theologie und soziale Arbeit in Baden-Württemberg studiert. Für besondere Freude sorgte bei dem warmen Wetter der letzten Tage eine Wasserschlacht. Mit dieser wurden die Kinder von den 17 Betreuern des Camps überrascht. So können sie mit kühlem Kopf in die Hauptproben am heutigen Donnerstag starten.

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