Slackfest im Küchwald: Eine Frage der Balance

Beim Slackfest im Küchwald hatten die Besucher am Wochenende wieder Gelegenheit, ihren Gleichgewichtssinn auf die Probe zu stellen. Echte Könner machten es ihnen vor.

Ganz vorsichtig setzt Melanie Schindler ein Bein vor das andere. Unter ihren Füßen dehnt sich das schmale Band immer weiter durch. Dann passiert es: Das Gleichgewicht geht flöten - Abgang, Neustart.

Zum ersten Mal in ihrem Leben stand Melanie Schindler am Samstag auf einer sogenannten Slackline. Das sind 25 bis 50 Millimeter breite Bänder, die zumeist aus Polyester bestehen und zwischen zwei Fixpunkte, zum Beispiel Bäumen, gespannt werden. Ziel ist, unfallfrei darüber hinweg zu balancieren - was von außen leichter aussieht als es ist. "Ich habe mich schon sehr zittrig und unsicher gefühlt", sagte die Erfurterin, die wegen des Schulanfangs in Chemnitz war und im Küchwald eher zufällig vorbei kam.

Dort, in der Nähe des Kosmonautenzentrums, ging am Wochenende die mittlerweile 12. Auflage des Slackfests über die Bühne - das älteste in Europa, wie Organisator Robby Speck betonte. Wie viele Trendsportarten sei auch diese in den 1980er-Jahren in den USA entstanden, und zwar innerhalb der Kletterszene. Noch heute seien viele Slacker auch begeisterte Kletterer.

Im Küchwald hatten aber nicht nur Unbedarfte die Möglichkeit, ihre ersten Gehversuche auf der Slackline zu machen. Unter den 1500 Besuchern des Slackfestes an allen drei Tagen befanden sich auch mehrere Cracks der Sportart, die sich in Wettkämpfen heiße Duelle lieferten. So wie Christine Chau. Die Berlinerin war bei den Frauen die schnellste, überquerte das etwa 50 Zentimeter über dem Boden gespannte Kunststoffband mit traumwandlerischer Sicherheit. Die 28-Jährige ist amtierende Deutsche Meisterin und nahm auch schon an Turnieren unter anderem in den USA teil.

Ihre Spezialität ist allerdings die sogenannte Trickline. Statt um Geschwindigkeit geht es in dieser Disziplin darum, auf dem Band Kunststücke zu zeigen, wie Sich-Hinlegen, Drehungen oder Sprünge - natürlich ohne dabei abzustürzen. "Ich komme ursprünglich aus dem Turnen", betonte Chau, die zudem auf die Vielfalt des Slackens hinwies. So gebe es noch die in der Regel mehr als 100 Meter lange Long Lines sowie die sogenannten High Lines. Bei letzteren befinden sich die Bänder für den besonderen Nervenkitzel in mehreren Metern Höhe - die Sportler sind dann entsprechend abgesichert.

Doch mit welcher Strategie lässt sich eine Slackline denn nun eigentlich am besten meistern? "Man sollte auf jeden Fall immer einen festen Punkt in der Ferne anvisieren. Das hilft auf jeden Fall", sagte Magda-Lena Falke, die die Sportart seit sechs Jahren betreibt. Tobias Kleckel, der aus Kaiserslautern angereist war, hatte noch mehr parat. "Es ist sinnvoll, die Füße unterhalb des Bandes entlangzuführen und sie im rechten Winkel aufzusetzen", sagte er.

Bei einem gesonderten Wettbewerb ging es - in Konkurrenz zu anderen Städten wie Tokio, San Francisco und München - zudem darum, möglichst viele Menschen zehn Sekunden lang auf einer Slackline balancieren zu lassen. Wie vielen das an den drei Festivaltagen tatsächlich gelang, war am Sonntag allerdings nicht in Erfahrung zu bringen.

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