So aktiv sind Abgeordnete im Netz

Wie wichtig ist für die Politiker aus dem Landkreis Zwickau das Internet? Über welche sozialen Medien tauschen sie sich mit Bürgern aus? Die "Freie Presse" hat sich die Profile genauer angesehen.

Zwickau.

Vor der Sommerpause haben die Bundestagsabgeordneten aus dem Landkreis Zwickau Schulnoten erhalten. Die Webseite "Abgeordnetenwatch.de" hat ausgewertet, wie fleißig die Volksvertreter eingehende Nutzerfragen beantworteten.

Auf dem Portal kann jeder einem Abgeordneten sein Anliegen schildern und bekommt im besten Fall auch eine Antwort. Je nachdem, wie viele dieser Fragen die Politiker beantwortet hatten, erhielten sie von den Verantwortlichen des Portals Noten von "sehr gut" bis "ungenügend".

Das Ergebnis fällt geteilt aus: Zwei Volksvertreter aus Westsachsen erhielten vom Portal die Note "sehr gut", eine Politikerin wurde mit "mangelhaft", einer mit "ungenügend" bewertet. Ein Abgeordneter bekam keine Note. Wirklich aussagekräftig sind diese Bewertungen aber nicht. Das liegt vor allem daran, dass sich die Anzahl der eingegangenen Fragen je nach Volksvertreter deutlich unterscheidet.

So musste der Wahlkreisabgeordnete Marco Wanderwitz (CDU) aus Hohenstein-Ernstthal fünf Nutzerfragen beantworten, um sich das Prädikat "sehr gut" zu verdienen. Sein Bundestagskollege Jürgen Martens (FDP) aus Meerane antwortete auf eine Frage, um die Bestnote zu erhalten. Der Wahlkreisabgeordnete Carsten Körber (CDU) aus Zwickau erhielt deshalb die Note "ungenügend", weil er die einzige Frage, die ihm gestellt wurde, unbeantwortet ließ.

Ohnehin ist diese politische Frage-Antwort-Plattform im Internet nur ein Nebenschauplatz für die westsächsischen Abgeordneten. Der Standard-Kanal, neben der eigenen Webseite, ist Facebook. Vier der fünf Parlamentarier aus dem Landkreis Zwickau betreiben eine Facebook-Seite, die in der Regel täglich mit Bildern und politischen Botschaften gefüllt wird. Nur einer der Volksvertreter ist auf Twitter statt auf Facebook aktiv.

Der Austausch mit Bürgern ist auch in den sozialen Netzwerken kein Selbstläufer. Echte Diskussionen kommen auf den Seiten selten zustande. Immerhin antworten die Abgeordneten ihren Nutzern, nehmen Stellung oder bedanken sich einfach nur für ein Lob. (dha)


Marco Wanderwitz (CDU)

Der Abgeordnete aus dem Wahlkreis Chemnitzer Umland, zu dem Limbach-Oberfrohna gehört, erhielt die Bestnote "sehr gut". Er beantwortete fünf von fünf Fragen, die die Nutzer ihm auf Abgeordnetenwatch.de gestellt hatten. Für den Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister des Innern ist das Portal "ein Kanal von vielen". "Wer diesen wählt, bekommt natürlich auch seine Antwort", versichert Wanderwitz.

Soziale Medien:In den sozialen Netzwerken ist der CDU-Politiker der einzige der fünf Bundestagsabgeordneten aus dem Landkreis Zwickau, der auf Twitter aktiv ist. Wanderwitz hat 2683 Follower, die er größtenteils mit politischen Statements von sich und seiner Fraktion sowie Bildern und Geschichten aus seinem Arbeitsalltag versorgt. Auf Fragen und Kommentare von Nutzern, bei Twitter durch Erwähnungen möglich, antwortet er.

"Diese modernen Informations- und Kommunikationsmittel sind ein wichtiger Punkt für mich. Ebenso alle Arten von Anfragen", so Wanderwitz über seine Aktivitäten im Netz.

Erreichbarkeit: Der persönliche Kontakt bei Bürgersprechstunden und Veranstaltungen sei ihm ebenso wichtig, betont Wanderwitz.


Jürgen Martens (FDP)

Der Liberale aus dem Wahlkreis Zwickau bekam von den Verantwortlichen der politischen Frage-Antwort-Plattform ebenfalls die Note "sehr gut". Allerdings musste er dafür lediglich eine Nutzerfrage beantworten. Der Abgeordnete beobachtet das Portal nach eigenen Angaben aufmerksam: "Abgeordnetenwatch wird in meinem Büro verfolgt, die Fragen beantworte ich natürlich so schnell es geht."

Soziale Medien: Neben persönlichen Profilen gibt es eine offizielle Facebook-Seite. 319 Nutzern gefällt der Social-Media-Auftritt. "Auf meiner Facebook-Seite informiere ich aktuell über das laufende Geschehen im Bundestag." In der Regel veröffentlicht der FDP-Politiker täglich Bilder aus seinem Alltag in Berlin und im Wahlkreis, teilt Inhalte seiner Fraktion und erinnert an historische Ereignisse. Auf Kommentare unter den Beiträgen antworten die Mitarbeiter von Jürgen Martens, die ihre Beiträge als "Team Martens" kennzeichnen.

Erreichbarkeit: "Anfragen werden von mir grundsätzlich beantwortet, egal, wie sie mich erreichen", verspricht Martens. Am besten erreichbar sei er über sein Wahlkreisbüro sowie per E-Mail.


Sabine Zimmermann (Linke)

Die Abgeordnete aus dem Wahlkreis Zwickau bekam von Abgeordnetenwatch die Note "mangelhaft". Sie beantwortete dem Portal zufolge eine von drei Fragen. "Ich habe bei Abgeordnetenwatch das Profil ausgefüllt, damit die Bürgerinnen und Bürger wissen, wofür ich stehe, und beantworte grundsätzlich auch dort gestellte Fragen", erklärt die Politikerin". Auf rassistische oder diffamierende Beiträge antworte sie meist nicht. "Unter Umständen auch nicht, wenn es sich statt einer Frage um eine reine Meinungsäußerung handelt."

Soziale Medien: Zimmermann hat ein persönliches Facebook-Profil und betreibt eine Seite, die 2080 Fans hat. Der Inhalt besteht hauptsächlich aus verlinkten Medienberichten über ihre Schwerpunktthemen, die sie zusammen mit politischen Forderungen veröffentlicht. Kommentieren Nutzer ihre Beiträge, meldet sich die Linke-Politikerin hier und da zu Wort. "Ich erhalte sehr viele Anfragen über Facebook und per E-Mail. Diese Kommunikationsform ist gar nicht mehr wegzudenken", so Zimmermann.

Erreichbarkeit: Daneben ist sie auch auf klassischem Wege erreichbar: telefonisch oder in einer ihrer Bürgersprechstunden.


Carsten Körber (CDU)

Der Zwickauer Wahlkreisabgeordnete erhielt von Abgeordnetenwatch die Note "ungenügend". Er hatte die einzige Frage, die ihm gestellt wurde, nicht beantwortet. Der CDU-Politiker betont jedoch, dass jede Anfrage den gleichen Stellenwert für ihn habe, egal über welchen Kanal sie ihn erreiche. Körber nennt seine Gründe, warum er Fragen auf dem Portal ignoriert: Bei Massenanfragen antworte meist der zuständige Wahlkreisabgeordnete oder Sprecher seiner Fraktion stellvertretend für alle. "Auch behalte ich mir vor, nicht zu antworten, wenn allgemeine Regeln der Höflichkeit nicht eingehalten werden oder der Inhalt unsachlich ist."

Soziale Medien: Ein persönliches Facebook-Profil hat Körber nicht, dafür eine offizielle Seite mit 1421 Fans. Hier dokumentieren er und seine Mitarbeiter den politischen Alltag, zeigen Fotos von Terminen und Sitzungen in Berlin und im Körbers Wahlkreis. Die Kommentarspalten hat der Politiker offenbar im Blick, antwortet zum Beispiel auch auf eine Frage zur Parteienfinanzierung.

Erreichbarkeit:"Der persönliche Kontakt ist mir natürlich immer lieber", sagt Körber. Am einfachsten sei die Kontaktaufnahme per E-Mail.


Ulrich Oehme (AfD)

Der Politiker, der über die Liste der AfD in den Bundestag einzog, bekam von Abgeordnetenwatch keine Note, weil kein Nutzer ihm eine Frage gestellt hatte. Der 58-Jährige, der den Wahlkreis Chemnitzer Umland vertritt, hat das Portal trotzdem im Blick. "Wir werden dort alle Fragen, auch kritische, beantworten, die meine Arbeit im Parlament betreffen", erklärt er. Nur von Hass geprägte Kommentare würden ignoriert.

Soziale Medien: Neben einem persönlichen Facebook-Profil betreibt Oehme auch eine Seite mit 980 Fans. Er setzt bei den Inhalten auf eine Mischung aus politischen Statements und Bildgeschichten von seiner Tätigkeit als Abgeordneter. Auch Videos veröffentlicht der Chemnitzer; das solle künftig noch häufiger geschehen, kündigt er an. Twitter nutze er hingegen nur zur Informationsbeschaffung.

Erreichbarkeit: Eine eigene Webseite betreibt der Politiker noch nicht. Diese sei in Vorbereitung, erläutert er. Am besten erreichbar sei er per Mail oder Brief. Zudem verweist Oehme auf seine Wahlkreisbüros in Limbach-Oberfrohna und Lugau. Mitte August werde ein weiteres in Rochlitz eröffnet.

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