So könnte der Platz vor dem Chemnitzer Bahnhof in Zukunft aussehen

Die große, meist leere Fläche soll zu einem Verkehrsknotenpunkt werden. Das ist aber nicht die einzige geplante Veränderung am Hauptbahnhof.

Zwei Jugendliche üben Tricks auf ihren Skateboards, drei Mädchen sitzen auf der Bank und schauen ihnen zu. Ab und an überquert ein Reisender den Platz, einen Rollkoffer hinter sich herziehend. Die Fläche vor dem Chemnitzer Hauptbahnhof wirkt an vielen Tagen überdimensioniert und leer. Oft hatte es von den unterschiedlichsten Seiten Kritik an ihrer Gestaltung gegeben. Jetzt wird sie sich wohl verändern.

Bei der jüngsten Einwohnerversammlung Chemnitz-Mitte stellte Baubürgermeister Michael Stötzer den Zuhörern Pläne für die Umgestaltung des Platzes vor. Der Zentrale Omnibusbahnhof soll vom Schillerplatz an den Bahnhof ziehen. Die Fläche am Schillerplatz werde der Freistaat übernehmen und sie als Vorplatz der Universitätsbibliothek umgestalten, die in der alten Aktienspinnerei entsteht. Das Pylonendach, das unter Denkmalschutz steht, müsse unbedingt erhalten werden. Notfalls könne es an einen anderen Ort verlagert werden.

Vor dem Haupteingang des Bahnhofs sollen sechs Busbahnsteige entstehen. Dort halten künftig Regional- und Stadtbusse. Aber das ist noch nicht alles. Wie auch Tiefbauamtsleiter Bernd Gregorzyk den Mitgliedern der Regionalversammlung der Industrie- und Handelskammer erläuterte, soll der Platz zu einem Verkehrsknotenpunkt umgebaut werden. Neben Straßenbahnen und den Bahnen des Chemnitzer Modells sind auch Taxi-Stände, Stellplätze für Carsharing und Elektrofahrzeuge sowie Fahrradständer geplant. Außerdem solle der Platz eine hohe Aufenthaltsqualität für die Nutzer haben, so Gregorzyk. Allerdings müssten die vorhandenen Parkflächen reduziert werden.

Der Platz soll zudem ein Dach erhalten. Stötzer erklärte, es solle so gestaltet werden, dass Fahrgäste trocknen Fußes bis in die Empfangshalle des Bahnhofs gelangen. Auf der Internetseite der Stadt Chemnitz ist nun der Vortrag, den Stötzer hielt, veröffentlicht. Auch jeweils ein Beispiel dafür, wie das Dach und der Platz aussehen könnten, ist dort zu sehen. Laut Gregorzyk werden gegenwärtig die Planungsleistungen für das Dach und die Verkehrsanlage ausgeschrieben. Die Kosten für den Vorplatz-Umbau könnten erst dann genau benannt werden, wenn die Planungen weiter fortgeschritten sind. Vorerst seien im mittelfristigen Haushalt der Stadt für den Bahnhofsvorplatz und das neue Fernbusterminal an der Dresdner Straße zusammen rund 7,5 Millionen Euro Baukosten eingeordnet. Beim Bahnhofsvorplatz gehe die Stadt von einer Förderung durch den Freistaat aus. Der Baubeginn werde für Ende 2020 angestrebt, so Gregorzyk.

Dann soll das neue Fernbusterminal an der Dresdner Straße bereits in Betrieb gehen. Dies ist laut Gregorzyk für den Fahrplanwechsel im Dezember 2020 angedacht. Die Arbeiten sollen bis Ende kommenden Jahres ausgeschrieben werden. An der Dresdner Straße entstehen im Zuge des Baus des Fernbusterminals auch neue Parkplätze, auch als Ausgleich für diejenigen, die am Bahnhofsvorplatz wegfallen.

Dieses Bauprojekt steht in engem Zusammenhang mit einem dritten. Es ist die Verlängerung des Bahnsteigtunnels bis zur Dresdner Straße. Nach jahrelangen Verhandlungen mit der Deutschen Bahn hatte die Stadt zuletzt gehofft, den östlichen Zugang bis Ende des Jahres fertigstellen zu können. Er soll auf der Seite des Sonnenbergs eine zusätzliche Anbindung schaffen. Weite Umwege bis zur Bahnhofstraße würden dadurch überflüssig. Der Ausgang an der Dresdner Straße, direkt am Fernbusterminal, soll überdacht sein. Allerdings war auf die Ausschreibung der Arbeiten Anfang dieses Jahres hin kein einziges Angebot im Rathaus eingegangen. Jetzt wird das Projekt neu ausgeschrieben. Der Termin dazu ist laut Gregorzyk am 6. November. Geplanter Baubeginn ist im März 2019. Das Rathaus rechnet mit Kosten von rund 3,5 Millionen Euro.

Bewertung des Artikels: Ø 4.4 Sterne bei 8 Bewertungen
8Kommentare
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  • 0
    1
    Zeitungss
    03.11.2018

    Die Bewertung zu meinem Beitrag nehme ich so zur Kenntnis, wir kommen sicherlich in Zukunft noch einmal darauf zurück, wenn der Ist-Zustand eingetreten ist.

  • 0
    5
    Interessierte
    03.11.2018

    Ich hatte schon mal einen Beitrag geschrieben und den Beitrag von Deluxe gelobt und ergänzt , das ging aber leider nicht durch ..

    Man will eben den Busbahnhof weg haben , obwohl der sehr günstig liegt und der Verkehr ´dort` ruhig verläuft und niemanden stört - außer die MA der neuen Bibo wohl …
    Und den neu gebauten Bahnhofsvorplatz will man neu bauen und den Vorplatz an der Bibo will man zur ´Ausruhezone` machen , damit kann man auch wieder Geld verdienen ...
    Dabei könnte man mit vielen anderen Dingen in der Stadt auch Geld verdienen ...

    Da wurde kürzlich gesagt ,die Chemnitzer sollen sich mehr einbringen und mehr mitreden , aber wenn man was sagt , wird es nicht erhört und die machen trotzdem , was sie wollen ...
    https://www.freiepresse.de/chemnitz/vom-vorzeigeprojekt-zum-problemfall-artikel10096128

  • 0
    7
    Zeitungss
    01.11.2018

    @CP...: Die Wiederbelebung mit Studenten lasse ich mir noch gefallen, ob in den 2020ern in Chemnitz noch jemand weiß, was ein ICE ist, wage ich zu bezweifeln. Fernbusse sind angesagt, wenn ich nicht irre, denn diese ICE fahren bekanntlich elektrisch und auf der Autobahn ist es mit Fernbussen eh entspannter und kostet fast nix.
    Und @Deluxe, am letzten Absatz Ihres Beitrages finde ich besonders Gefallen, die Übereifrigen dagegen nicht.

  • 3
    2
    Haecker
    01.11.2018

    1. Warum soll eigentlich Flixbus und Co. der "rote Teppich" ausgerollt werden? Warum können die Fernbusse nicht den Busbahnhof mit nutzen?
    2. Für die jetzige merkwürdige Freifläche vor dem Hauptbahnhof gab es wegen des besonderen Belags doch Fördermittel. Vor einiger Zeit hieß es mal, diese müssten zurückgezahlt werden, so lange die Bindungsfrist laufe. Läuft die Bindungsfrist nun bald ab (bzw. ist nun schon abgelaufen) oder ist womöglich noch immer mit einer Rückzahlung der Fördermittel zu rechnen, wenn ja, in welcher Höhe?

  • 8
    3
    CPärchen
    01.11.2018

    In Verbindung mit der neuen ICE-Strecke in den 2020'ern und der Wiederbelebung durch Studenten gefallen mir die Ideen sehr :)

  • 7
    6
    Deluxe
    01.11.2018

    Schön sieht diese Planung nicht aus. Dach mit Löchern - toll.
    Da hatte der alte Busbahnhof in seiner Zeit architektonisch sehr viel mehr zu bieten. Leider hat man die originalen Überdachungen der Busstände schon vor vielen Jahren vernichtet. Da hilft es auch nicht, wenn man ein kleines Fragment des ehemals modernsten Busbahnhofs Europas (!!!), das Pylonendach, unter Denkmalschutz gestellt hat. Das architektonische Gesamtwerk in seiner Originalität ist beschädigt - leider.

    Ich verstehe, daß man Busbahnhof und Bahnhof näher zueinanderrücken muß. Die Frage ist, ob der Bahnhofsvorplatz dafür wirklich geeignet ist, oder ob es nicht eine preislich viel attraktivere Lösung gäbe, den vorhandenen Busbahnhof vom Bahnhof aus zu erschließen. Die Entfernung kann nicht das Problem sein - verglichen mit großen Flughäfen ist das ein Katzensprung. Da würden sich Fahrsteige anbieten o.ä. Wahlweise unterirdisch (teuer) oder überirdisch, der Höhenunterschied zwischen Bahnhofshalle und Busbahnhof kann dabei sogar geschickt genutzt werden, indem man einen Fahrsteig in Form eines aufgeständerten Glas"tunnels" in Erwägung zieht.
    Wie auch immer - ich hätte mir hier viel mehr architektonischen Mut und Erfindergeist gewünscht.

    Und dann stellt sich natürlich insgesamt die Frage, ob sich der ganze Aufwand für einen neuen Busbahnhof überhaupt lohnt, wenn im Bahnhof nur Regional-Bummelzüge und Straßenbahnen abfahren, aber Chemnitz schon seit Jahren keinen Fernzug mehr gesehen hat.

  • 4
    14
    Zeitungss
    01.11.2018

    Hut ab vor diesen Plänen. An vernünftige Zuganbindungen denkt keiner mehr, deshalb rückt aus Umweltgründen der Fernbus in den Vordergrund. Stadt der MODERNE war mal irgendwo zu lesen, wer aber soll zum Bahnhof kommen, wenn es kein Zugangebot gibt????? Leipzig hat es schon einmal vorgemacht, dass der Verkehr auf die Straße gehört und die bisherige Bahnhofshalle als Parkplatz genutzt werden könnte, der Anfang ist bereits gemacht. Die veranschlagten Kosten werden sich mindestens verdoppeln, wie in solchen Fällen üblich. Die Anpassung des Mindestlohnes ist in die Berechnung sicherlich noch nicht eingegangen, was man dann als Begründung herleiten könnte.
    Na dann, gutes Gelingen.

  • 17
    2
    Hankman
    01.11.2018

    Schön, dass die leere Fläche vor dem Bahnhof nun endlich wieder eine Funktion bekommen soll. Ich habe nie verstanden, warum die einst dort bestehenden überdachten Taxistände wegmussten, um an dieser Stelle eine leere Fläche zu errichten. Vielleicht findet sich bei der Neugestaltung des Platzes auch eine Verwendung für das Pylonendach das Busbahnhofes - oder man baut es halt am zentralen Busterminal an der Dresdner Straße auf.



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