So lebt es sich in Mittelsachsen

Laut einer aktuellen Studie schneidet die Region bei Kaufkraft, Arbeit und Arztdichte im bundesweiten Vergleich unterdurchschnittlich ab. Es gibt aber auch Stärken.

Burgstädt.

In Mittelsachsen gibt es mehr Pflegebedürftige, weniger Übernachtungen, und die Leute müssen mehr als im Bundesdurchschnitt arbeiten. Das und vieles mehr haben Mitarbeiter des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos für die ZDF-Deutschlandstudie "Wo lebt es sich am besten?" herausgefunden. 53 Kriterien wurden ausgewählt, für die es für die 401 Kreise und kreisfreie Städte Vergleichsdaten gibt. Insgesamt schneidet der Landkreis Mittelsachsen durchschnittlich ab. Er erhielt in der Summe 170 von 300 möglichen Punkten, belegt damit Platz 178 im Ranking und liegt im Mittelfeld der verglichenen Landkreise und Kommunen.

Kinderbetreuung: Dabei hat der Kreis Mittelsachsen auch Vorzüge aufzuweisen. Dazu zählt die Ganztagsbetreuung in Kindereinrichtungen. Laut der Studie wurden im Landkreis 76,7 Prozent der Mädchen und Jungen im Kindergartenalter betreut. Deutschlandweit waren es nur knapp 45 Prozent. Bei Kindern im Krippenalter beträgt die Betreuungsquote im Landkreis 42 und bundesweit 18,3 Prozent.

Abfallvermeidung: Besonders erfolgreich ist der Landkreis aber offenbar bei der Müllvermeidung. Die Forscher von Prognos haben für die Studie die durchschnittlichen Abfallmengen aus Haushalten in Kilogramm ins Verhältnis zu den Konsumausgaben der Haushalte in 1000 Euro gesetzt. Ergebnis: Bundesweit fiel nur in zwei Landkreisen oder kreisfreien Städten noch weniger Abfall in Relation zum Konsum an wie in Mittelsachsen. Zu den Top 10 der Republik gehört der Landkreis zudem bei geringer Altersarmut - dafür wurde der Anteil jener Menschen, die im Rentenalter von Grundsicherung leben müssen, an der Gesamtbevölkerung verglichen - und bei der Beschäftigungsquote von Frauen im Alter zwischen 15 und 65 Jahren. Im Landkreis betrug sie 64, bundesweit 54,2 Prozent.

Lebenserwartung: Im Bereich Gesundheit und Sicherheit nimmt Mittelsachsen unter den 401 Verglichenen den 106. Rang ein. Immerhin liegen die Lebenserwartungen bei Frauen bei fast 84 Jahren und bei Männern bei knapp 78 Jahren. Ein Arzt muss in der Region etwa 722 Patienten behandeln, im Bundesmittel kommen auf einen Arzt 570 Patienten.

Kriminalität: Weit unter dem Bundesdurchschnitt liegt die Anzahl der Gewaltverbrechen. In diesem Bereich wurden im Jahr 2016 13 pro 10.000 Einwohner aufgenommen. Deutschlandweit waren es 24 Verbrechen dieser Art. Bei den Wohnungsdiebstählen liegt Mittelsachsen mit 9,1 allerdings über dem Durchschnitt von 7,7 je 10.000 Einwohner in Deutschland.

Vereinsarbeit: Pluspunkte sammelt Mittelsachsen auch bei der Vereinsarbeit. Immerhin sind fast acht von 1000 Einwohnern Mitglied in einem Verein, deutschlandweit sind es 7,3. Vielleicht nutzen die Mittelsachsen das Zusammensein in den Vereinen, weil sie relativ wenige Möglichkeiten für einen Bar- oder Restaurantbesuch haben. Auf 10.000 Einwohner kommen 15 Angebote. Diese Zahl liegt weit unter dem Bundesdurchschnitt.

Übernachtungen: Auch bei den Übernachtungen in Hotels oder Pensionen schneidet Mittelsachsen unterdurchschnittlich ab. Pro Einwohner wurden 2,3 Übernachtungen im Jahr ermittelt, im bundesdeutschen Durchschnitt sind es 5,3. Den Mittelsachsen stehen pro Einwohner 52,5 Quadratmetern Erholungsfläche zur Verfügung. Deutschlandweit sind es 54,2 Quadratmeter.

Arbeitszeit: In der Kategorie Arbeit und Wohnen landet der Landkreis mit 55,6 Punkten auf Rang 272 und damit im unteren Drittel. Die Arbeitslosenquote liegt im Bundesdurchschnitt. Aber die Erwerbstätigen arbeiten länger - immerhin 1442 Stunden jährlich gegenüber 1368 Stunden im Bundesdurchschnitt. Niedriger ist die Kaufkraft pro Kopf. Die beträgt in Mittelsachsen rund 19.500 Euro netto im Jahr, deutschlandweit sind es im Schnitt etwa 22.500 Euro.

Schulden: In der Rubrik Arbeit und Wohnen geht es auch um den Schuldenstand je Einwohner im öffentlichen Haushalt. Hier kann sich Mittelsachsen sehen lassen. Denn es sind im Gegensatz zum bundesdeutschen Durchschnittswert von 1686 Euro nur 482 Euro. Bei den Privatschuldnern gibt es keine wesentlichen Unterschiede. Ein Minus von 5,4 steht bei der Bevölkerungsentwicklung zu Buche. Die Region mit dem größten Einwohnerrückgang verzeichnete ein Minus von 8,1 Prozent. Die Schulabbrecherquote ist in Mittelsachsen mit 9,5 Prozent höher als im Bundesdurchschnitt, wo sie 5,4 Prozent beträgt. (mit döa/mib)

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