So selbstbewusst sind die besten Azubis

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Besonders gute Lehrlinge sind 2020 in Mittelsachsen gewürdigt worden. Woher kommen sie und wohin streben sie? "Freie Presse" hat sie gefragt. Außerdem ist zu beobachten, dass das Interesse an einer Fortbildung nachgelassen hat. Warum ist das so?

Hartmannsdorf.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren? Eine gute Frage für den Anfang eines neuen Jahres. "Freie Presse" hat die Frage schon Ende vergangenen Jahres einigen der besten Auszubildenden in Mittelsachsen gestellt. Sinngemäß haben viele geantwortet, dass sie sich im Beruf weiterbilden wollen, um in zehn Jahren eine bessere Position, mehr Verantwortung und auch eine bessere Bezahlung zu erhalten.

Berufliche Fortbildung zählt für viele zu den guten Vorsätzen für das neue Jahr. Zuständig für den Bereich Weiterbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Freiberg ist Nicole Pinkert. Sie hat auf Anfrage die Zahlen herausgesucht: 2019 haben gut 1300 Frauen und Männer bei der IHK Chemnitz an einer Prüfung zur beruflichen Fortbildung teilgenommen; bundesweit waren es rund 60.000 Personen. Pinkert: "Das Interesse an Lehrgängen der höheren Berufsbildung - wie Industriemeister Metall und Wirtschaftsfachwirt - ist in der IHK in Freiberg in den letzten zwei Jahren zurückgegangen. Leider kam aufgrund zu weniger Teilnehmer kein neuer Kurs zustande." In Chemnitz werden jedoch regelmäßig Lehrgänge durchgeführt. Für 2021 ist wieder ein Industriemeister-Lehrgang in Freiberg geplant; Anmeldungen lägen schon vor.

Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) benennt die Vorteile einer höheren Berufsbildung im Zusammenhang mit der aktuellen IHK- und DIHK-Fortbildungsstatistik: Top qualifizierte Fachkräfte werden gesucht, die Arbeitslosigkeit von Fachwirten und Meistern lag zuletzt bei nur 1,2 Prozent, und die weitergebildeten Fachkräfte haben in jungen Jahren einen finanziellen Vorsprung gegenüber jungen Akademikern.

Nicole Pinkert: "Eine Fortbildung zum Fachwirt oder Meister bedeutet eine große fachliche und persönliche Weiterentwicklung." Sie skizziert ein Beispiel: Die Absolventen eines Industriemeister-Kurses sind qualifiziert, in den Bereichen Betriebstechnik, Fertigung und Montage spezifische Sach-, Organisations- und Führungsaufgaben zu übernehmen. Sie überwachen und optimieren Fertigungsprozesse, leiten Fachkräfte an und sind für die betriebliche Ausbildung verantwortlich. Metall-Industriemeister arbeiten im Unternehmen an den Schnittstellen zur Fertigung, Logistik und Planung.

Geschenkt bekommt man den Karrieresprung aber nicht. Eine Fortbildung kostet Kraft und Zeit. So dauert ein berufsbegleitender Kurs zum Metall-Industriemeister in der Regel zwei Jahre, in denen die Teilnehmer - außer in den Ferienzeiten - zweimal pro Woche nach der Arbeit fünf Stunden Unterricht haben, einmal pro Monat auch samstags, erklärt Pinkert. Ein solcher berufsbegleitender Lehrgang wird 2021 von der IHK in Freiberg angeboten.

Die am stärksten nachgefragten IHK-Abschlüsse sind der Statistik zufolge: Wirtschaftsfachwirt, Industriemeister Metall, Handelsfachwirt, Betriebswirt und Bilanzbuchhalter. Bei einem guten Drittel der Absolventen - im kaufmännischen Bereich weit über 50 Prozent - handelt es sich um Frauen. Das gelte auch für den Kammerbezirk Chemnitz, zu dem Freiberg gehört.

Florian Jeromin, 20, aus Freiberg hat nach seinem Realschulabschluss den Beruf des Berufskraftfahrers bei Regiobus Mittelsachsen gelernt. Er hat seine Prüfung mit 92 Punkten bestanden, ist damit Landesbester und einer von drei Bundesbesten.

"Wie viele junge Leute fand ich die Berufswahl schwierig, weil man von vielen Berufen eigentlich gar keine konkrete Vorstellung hat. Beim Fahren mit dem Schulbus hat mich der Beruf des Busfahrers neugierig gemacht. Zum einen, weil man etwas mit Fahrzeugen macht, draußen unterwegs ist und zum anderen weil man sieht, was man leistet, also wie viele Leute man an ihr Ziel gebracht hat. Für Regiobus habe ich mich wegen der Nähe zum Wohnort entschieden."

"Am besten gefiel mir der Moment, als man dann endlich mit den Führerscheinen fertig war und selbst fahren durfte, zunächst mit erfahrener Begleitung, und nach einer Weile dann alleine. Außerdem waren die verschiedenen Führerscheine (Pkw, Lkw und Bus) natürlich eine Herausforderung; die Fahrschulzeit war aber auch sehr schön."

"Wünschenswerte Fähigkeiten sind Belastbarkeit, Einsatzbereitschaft und ein kühler Kopf, auch in stressigen Situationen, eine gute Ortskenntnis und Freundlichkeit im Umgang mit Kunden. Außerdem sollte man genug Leidenschaft mitbringen, um sich fürs Frühaufstehen und lange Dienste zu motivieren", fasst der Super-Azubi zusammen.

"Als Nächstes möchte ich weiter fahren. Es gibt allerdings auch interessante Fortbildungsmöglichkeiten im Berufsfeld. In zehn Jahren sehe ich mich immer noch am Steuer, dann hoffentlich wieder ohne Maskenpflicht und mit freundlichen Fahrgästen, die einen echten Busfahrer dem autonomen Fahren vorziehen." (cor)

Manuel Knoll, 22, aus Brand-Erbisdorf, hat bei der Firma Bharat Forge Aluminiumtechnik in Brand-Erbisdorf den Beruf des Mechatronikers gelernt. Mit 92 Punkten hat er als Bester in Südwestsachsen abgeschlossen. Zuvor hat er sein Abitur am Bernhard-von-Cotta-Gymnasium in Brand-Erbisdorf abgelegt. "Ich wollte aber nicht studieren, sondern direkt in die Praxis starten."

"Für den Beruf habe ich mich entschieden, weil der Einsatzbereich extrem breit gefächert ist und immer wieder Neues dazukommt. Die Firma Bharat Forge Aluminiumtechnik war wegen der langjährigen Schmiedetradition am Standort und der Nähe meine erste Wahl."

"Das Beste an der Ausbildung und dem Job jetzt ist, dass jeden Tag etwas anderes ist und kein Tag wie der andere abläuft. Als Instandhalter kommt man so in der gesamten Firma umher. Man lernt außerdem für sich und kann mal selber was reparieren."

"Gute und notwendige Voraussetzungen sind Interesse an Physik und Mathematik und vor allem ein technisches Verständnis, aber auch Zuverlässigkeit und Gründlichkeit bzw. Genauigkeit. Außerdem muss man komplexe Zusammenhänge durchblicken können. Das Arbeiten im Team sollte Grundvoraussetzung sein."

"Zunächst möchte ich erst einmal Erfahrungen in der Praxis sammeln, deshalb gibt es auch noch keinen Plan für in zehn Jahren." (cor)

Carolin Günther, 21, aus dem erzgebirgischen Meinersdorf bei Stollberg, ist die landesbeste Verfahrensmechanikerin für Beschichtungstechnik in Sachsen. Ihre Ausbildung hat sie bei der Peniger Firma Flender Industriegetriebe gemacht; 95 Punkte hat sie in der Prüfung erreicht. Vor der Ausbildung hat sie ihr Abitur am Gymnasium Einsiedel in Chemnitz abgelegt.

"Ich habe schon immer gern mit Farben gearbeitet und bereits privat einiges lackiert. So war ein Beruf in diesem Berufsfeld die logische Konsequenz. Ich hatte mich über einige mögliche Ausbildungsbetriebe informiert, und Flender schien die beste Lösung für mich zu sein. Soviel Auswahlmöglichkeiten hatte ich allerdings nicht, da diesen Beruf nur wenige Betriebe ausbilden."

"Die Ausbildungsinhalte sind sehr vielfältig. Man lernt sowohl Grundlagen in der Metallbearbeitung als auch in verschiedenen Bereichen der Beschichtungstechnik kennen. Dabei erhält man beispielsweise Einblicke in die Pulverbeschichtung und die Nasslackierung."

"Für den Beruf ist etwas handwerkliches Geschick von Vorteil. Solange man sich aber voll hinter die Ausbildungsinhalte klemmt, kann jeder die Ausbildung erfolgreich absolvieren."

"Mein Plan ist es, in naher Zukunft den Industriemeister zu machen. Was ich in zehn Jahren mache? Soweit ist meine Zukunftsplanung noch nicht vorangeschritten. Ich konzentriere mich eher auf das Hier und Jetzt. Da ich noch jung bin, werden in Zukunft aber sicherlich noch einige berufliche Chancen und Möglichkeiten auf mich warten." (cor)

Markus Thimon, 26, aus Hartmannsdorf, hat nach seinem Abitur am Gymnasium Burgstädt zunächst angefangen, Regenerative Energietechnik zu studieren. Das Studium hat er dann aber doch abgebrochen. Ferienarbeit hat er zwischendrin bei der Firma Reisswolf Akten-und Datenvernichtung gemacht. In seinem Ausbildungsbetrieb, der Gat-Gesellschaft für Automatisierungstechnik in Hartmannsdorf, war er zum Probearbeiten. Seine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik hat er mit 95 Punkten als Bester in Südwestsachsen abgeschlossen.

"Schon seit meiner Kindheit begeistere ich mich für die Elektrotechnik. Nach dem Probearbeiten hatte ich Gewissheit, dass das der richtige Beruf für mich ist. Mein Ausbildungsbetrieb, die Gesellschaft für Automatisierungstechnik, ist breit aufgestellt und vielfältig im Bereich der Elektro-, Mess- und Regeltechnik vertreten. Dementsprechend sind auch die Aufgaben sehr abwechslungsreich."

"Jeder Stromlaufplan,jeder Schaltschrank, jedes Projekt hat seine kleinen Herausforderungen und Hürden. Passend finde ich das Zitat von Henry Ford: "Wer immer das tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist."

"Mitbringen sollte manhandwerkliches Geschick, genaues Arbeiten, Verantwortungsbewusstsein (Elektrischer Strom = hohe Verantwortung), Ordnung, gute technische Auffassungsgabe und Lernbereitschaft."

"Als Nächstes will ich eine Weiterbildung zum Techniker machen. In zehn Jahren sehe ich mich als Projektleiter in meinem Ausbildungsbetrieb."

Ruben Einert, 21, aus Sayda hat den Beruf des Verfahrensmechanikers der Hütten- und Halbzeugindustrie mit der Fachrichtung Nichteisenmetallumformung bei der Firma Saxonia Edelmetall in Halsbrücke erlernt. Seine Ausbildung hat er mit 94Punkten als Landesbester abgeschlossen. Zuvor hat er seinen Abschluss an der Oberschule Sayda gemacht, ein Praktikum als Zweiradmechaniker und ein Praktikum als Industriemechaniker absolviert.

"Ich wollte einen Beruf, der körperlich fordernd und abwechslungsreich ist, erlernen. Ich habe mich im Internet dazu erkundigt und fand die Firma Saxonia Edelmetalle ansehnlich. Nach einer Besichtigung hab ich mich für eine Ausbildung dort entschieden."

"Am besten gefällt miran dieser Ausbildung die Aneignung von Fähigkeiten, die einem auch privat nützlich sind, wie zum Beispiel das Schweißen, die Instandhaltung und die Elektrotechnik.

"Für den Beruf sollte man teamfähig sein und ein bisschen handwerkliches Geschick mitbringen."

"Als Nächstes strebe ich eventuell eine Weiterbildung zum Techniker an. In zehn Jahren sehe ich mich durch Weiterbildungen in einer höheren Position im selben oder in einem anderen Unternehmen." (cor)

Maxemilian Unger, 28, aus Hartmannsdorf, hat bei der Komsa Kommunikation Sachsen AG den Beruf des Kaufmanns im Groß- und Außenhandel erlernt und sich für die Fachrichtung Großhandel entschieden. Nach seinem Realschulabschluss hatte er Abitur gemacht und ein Studium an der TU Chemnitz begonnen, dies aber abgebrochen. Die Lehre zum Kaufmann hat er mit 93 Punkten als Bester in Südwestsachsen abgeschlossen.

"Schon vor meiner Zeit bei Komsa hatte ich dort einige Freunde, die mir von flexiblen Arbeitszeiten, Sport am Arbeitsplatz und einem familiären Arbeitsverhältnis in einem Unternehmen mit weit über 1000 Mitarbeitern erzählt haben. Das hat mich neugierig gemacht. Das fordernde Arbeitsumfeld mit einem hohen Vertrauensvorschuss und tollen Möglichkeiten durch entsprechende Leistungen auch entsprechende Verantwortung und Entlohnung zu erfahren, hat mich überzeugt. Ich habe mich für die Ausbildung zum Kaufmann für Groß- und Außenhandel entschieden, als ich las, dass die Ausbildung sehr breit gefächert ist und verschiedene Berufseinstiegsmöglichkeiten gegeben sind."

"Mitbringen sollte man höchstens ein gutes mathematisches Grundverständnis; das wird in allen Bereichen gebraucht. Allgemein würde ich sagen, dass es eine super Ausbildung für Generalisten ist oder für die, die offen sind, ihre Spezialisierung noch zu finden."

"Um mir den nächsten Schritt auf der Karriereleiter etwas leichter zu machen, möchte ich 2021 bei der IHK meinen Fachwirt beginnen."

"Aktuell arbeite ich als Account Manager im B2B Bereich (Geschäftsbeziehungen zwischen zwei oder mehr Unternehmen). Mein Ziel ist es, mich weiter zu qualifizieren und beruflich zum Key Account Manager aufzusteigen und das auch weiterhin bei Komsa. Mit Glück und Anstrengung schaffe ich das auch in weniger als zehn Jahren."(cor)

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55 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    A80
    09.01.2021

    Die zwei roten Daumen verstehe Ich nicht , " Das ist Jugend von heute " Können meinen Kommentar nicht einstecken

  • 0
    2
    A80
    08.01.2021

    @Raphael: Sie haben mich falsch verstanden .Wer sagt denn die Azubis schlecht behandelt werden durch meinen Spruch. Die Azubis müssen Einsatz zeigen in Ihren Ausbildung. Sprich die müssen lernen mit Stress , Belastbarkeit und Willen umgehen. Respekt vor Ausbilder. Das meinte Ich" Ausbildung sind keine Herren Jahre" . Damals 1990 musste Ich meine Ausbildung in Altbundesländer absolvieren. Und bin immer noch in meinen Beruf was mir Spaß macht. Damals gabs nicht soviel Ausbildungsplätze in Osten .Die habens heute leichter können bei ihrer Familie bleiben .Wir hatten schon Lehrlinge gehabt ,nicht alle ,waren immer Krank, keine Lust zum Arbeiten, oder zu langsam ,Keinen Einsatz gezeigt usw. Man muss auch als Lehrling was einstecken können sonst hast du in weiteren Berufs leben Probleme. Sprich:" Das Berufsleben ist kein Ponyhof ".Lesen Sie bitte den Abschnitt Iltis ,da setze Ich grünen Daumen

  • 3
    1
    Iltis
    07.01.2021

    Wer sich anstecken lässt von motivierten Gesellen und Facharbeitern sowie fairen und sozial eingestellten Chefs, der wird sicher auch Spaß haben in der Ausbildung.
    Grundvoraussetzung: lernwillige Azubis. Man kann auch jede Gelegenheit nutzen um sich mit dem Smartphone zu verdrücken, die Vorgesetzten laufen lassen, Krankschreibung per Telefon, der Hals kratzt aber heute - super, wird mitgenommen etc. Ich finde die große Mitte ist irgendwie abhanden gekommen bzw. nicht mehr im Handwerk zu finden. Die fittesten Azubis der letzten Zeit die ich gesehen habe waren aus Syrien und Afghanistan.

  • 6
    1
    Raphael
    07.01.2021

    @a80
    Wer Spaß in der Ausbildung hat wird später auch länger im Beruf bleiben. Warum sollte man ein Lehrling schlecht behandeln nur weil wer in der Ausbildung ist?

  • 3
    12
    A80
    07.01.2021

    Ich sag bloß eins "Ausbildung sind keine Herren Jahre".Heute hat man mehr Berufs - auswahl wie 90 Jahre Jugend voran