So will die Bahn ihre Brücken umbauen

Unternehmen modernisiert Streckenabschnitt vom Sonnenberg bis zum Kapellenberg - Verkehrsbehinderungen von Frühjahr 2019 bis Ende 2021

Chemnitz.

Bei einem Bürgerdialog im Tropenhaus der Stadthalle konnten sich Interessenten am Freitagnachmittag über das Bauvorhaben Chemnitzer Bahnbogen informieren. "Freie Presse" war dabei und beantwortet wichtige Fragen.

Um welchen Abschnitt der Bahnstrecke geht es?

Der sogenannte Chemnitzer Bahnbogen ist ein knapp drei Kilometer langer Streckenabschnitt, der an der Jägerstraße unweit des Dresdner Platzes beginnt und kurz vor der Goethestraße am Kapellenberg endet. Dort verlaufen zwei Gleise der Sachsen-Franken-Magistrale von Dresden über Chemnitz und Werdau nach Hof sowie ein Gleis der Strecke Chemnitz-Aue, das am Südbahnhof abzweigt. Für die Modernisierung des Abschnitts besteht seit Anfang Juni Baurecht, gegen das seit Ende August keine Einsprüche mehr möglich sind. Ausgenommen ist lediglich der denkmalgeschützte Eisenbahnviadukt über die Annaberger und Beckerstraße, dessen zunächst geplanten Abriss und Neubau das Eisenbahnbundesamt abgelehnt hat.

Wann soll gebaut werden?

Die Hauptarbeiten am ersten Bauabschnitt - das ist der gesamte Bahnbogen ohne den Viadukt Annaberger/Beckerstraße - sollen im November 2019 beginnen und voraussichtlich zwei Jahre dauern. Schon ab dem kommenden Frühjahr sind vorbereitende Arbeiten geplant, darunter das Tieferlegen eines Abwasserkanals auf der Zschopauer Straße zwischen Luther- und Rembrandtstraße. Der Viadukt Annaberger/ Beckerstraße soll jetzt voraussichtlich 2022/23 saniert werden. Die Pläne dafür müssen bis Ende des kommenden Jahres eingereicht werden.

Was gehört alles zu dem Bauvorhaben?

Sämtliche Gleisanlagen einschließlich Schotterbett sowie Signale und Fahrstrom-Leitungen werden erneuert. Außerdem sollen auf insgesamt 1,9 Kilometern Länge Stützmauern saniert oder neu gebaut und Lärmschutzwände errichtet werden. Zum Vorhaben gehören auch der Abriss und Neubau der Eisenbahnbrücken über die Augustusburger, Bernsdorfer, Reichenhainer, Stollberger und Reichsstraße sowie die Haltepunkte Chemnitz-Süd und Chemnitz-Mitte. Darüber hinaus will die Stadtverwaltung die ohnehin notwendigen Sperrzeiten der Bahnstrecken und Straßen nutzen, um die baufällige Brücke der Zschopauer Straße über die Bahngleise zu erneuern.

Wie lange wird der Bahnverkehr unterbrochen?

Bis auf kurzzeitige Sperrungen sollen die Züge in beiden Richtungen während der gesamten Bauzeit immer auf mindestens einem Gleis rollen können, versichert die Bahn. Daher soll im Jahr 2020 zunächst das komplette linke Gleis aus Richtung Hauptbahnhof einschließlich der jeweiligen Brückenhälften erneuert werden. 2021 ist dann das Gleis in der Gegenrichtung an der Reihe.

Welche Auswirkungen gibt es auf den Straßen- und Nahverkehr?

Mit Sperrungen und Umleitungen muss gerechnet werden. Die Zschopauer Straße soll aber während des größten Teils der Bauzeit jeweils einspurig in beiden Richtungen oder zumindest in Richtung Innenstadt befahrbar bleiben. Dann wird der Verkehr stadtauswärts über die Bernsdorfer Straße umgeleitet. Der Nahverkehrsbetrieb CVAG will seine Fahrpläne eng mit den Bauplänen der Bahn abstimmen und Änderungen rechtzeitig bekanntgeben. Neuralgischer Punkt sei die Augustusburger Straße als einzige Straßenbahn-Zufahrt zum Betriebshof in Adelsberg. Die Verbindung dürfe nicht wochenlang gesperrt werden, sagte ein CVAG-Sprecher.

Worauf müssen sich Anwohner einstellen?

Baulärm wird nicht zu vermeiden sein, kündigte ein Sprecher der Bahn an. Während der Bauzeit sollen besonders lärmintensive Arbeiten jeweils für einen Zeitraum von drei Monaten angekündigt werden. Außerdem soll den Anwohnern ein Ansprechpartner genannt werden, an den sie sich bei Problemen mit Lärm wenden können. Abhilfe soll der Einsatz von lärmarmen Geräten und mobilen Lärmschutzwänden schaffen. In Extremfällen übernehme die Bahn die Kosten für Übernachtungen an weniger lauten Orten, wie beispielsweise in Hotels.

Werden alle Brücken, die abgerissen werden, durch moderne Betonkonstruktionen ersetzt?

Die Brücken, auf denen die Gleise verlaufen, werden tatsächlich sogenannte Wälzlagerbetonbrücken aus Doppel-T-Trägern in einem Betonbett. An zwei Brücken will die Bahn aber die historischen äußeren Stahlträger aufarbeiten und als Blenden wieder anbringen lassen: an der Brücke auf der Strecke nach Werdau über die Reichenhainer Straße am Südbahnhof und an der Brücke über die Reichsstraße am bisherigen Haltepunkt Mitte. Diese Brücke, die von der Neefestraße aus die Zufahrt zu einem Parkplatz überspannt, soll allerdings gleichzeitig zugemauert werden - aus Kostengründen, wie es heißt.

Was ändert sich an den Haltepunkten Chemnitz-Süd und Chemnitz-Mitte?

Beide Haltepunkte werden zur barrierefreien Erreichbarkeit mit Aufzügen ausgestattet. Der Aufgang zum Haltepunkt Süd wird von der Südbahnstraße an die Reichenhainer Straße verlegt. Der bisherige Zugang an der Südbahnstraße wird verschlossen und durch eine Natursteinmauer mit Tür- und Fenster attrappen verblendet. Der Haltepunkt Mitte, dessen bisheriges Gebäude verkauft ist, wird an die Stollberger Straße verschoben. Damit verkürze sich der Weg für den Umstieg in Bus und Straßenbahn.

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