Sonneborn will neue Mauer bauen

Der Europa-Abgeordnete mit dem Schalk im Nacken spricht sich in Chemnitz für eine "Obergrenze für Fürchtlinge" aus.

Chemnitz.

Recycling für die Schultüte? Mag sein. Als Vorlage für die runden Spitzhüte in sächsischem Schwarz-Gelb-Grün haben jedenfalls erkennbar jene weißen Kapuzen des rassistischen Ku Klux Klan gedient. Mit den bunten Kappen provoziert die Folklore-Gruppe der "Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative", kurz "die Partei", bei ihrem Europawahlkampf-Termin in der Chemnitzer City am Samstag verhaltene Lacher. "Martin kommt in fünf bis Dings Minuten." Die Ankündigung wird zum Running Gag - und von den fast seit drei Stunden im Regen ausharrenden Wartenden mit Humor quittiert: "Fragt sich nur, in welcher Zeitzone", sagt einer. Um 13.38 Uhr kommt der Verspätete endlich auf den Johannisplatz geschlendert.

"Martin, Martin, Martin" grüßt das Publikum - vorab choreografisch einstudiert - den früheren Chefredakteur des Satire-Magazins "Titanic". Als jetziger Bundesvorsitzender der Spaß-Partei sitzt Martin Sonneborn seit 2014 im Europa-Parlament. Händeschüttelnd bahnt er sich den Weg durch die Menge. Nach der Begrüßung verkündet er andere Kandidaten-Namen, mit denen sich die Partei anschickt, der AfD Stimmen abzujagen: Bombe, Krieg, Keitel, Bormann, Göbbels - "mit ö", wie Sonneborn betont. Gelächter in den Reihen pariert er: "Die Begeisterung in Sachsen ist größer als in anderen Landesteilen." Doch er müsse enttäuschen. Es seien eben "nicht die Söhne". Als Hintergrund der provokanten Kandidatenkür nach Namen bezeichnet Sonneborn die "Remilitarisierung" der EU, in der "mehr Geld für Aufrüstung und Grenzsicherung" fließe "als in Entwicklungshilfe". Die Partei fordere: keine weitere Militarisierung der EU: "Im Prinzip Linkspartei lustig."


Eine Einschränkung: "Wir fordern den Bau einer deutschen Atombombe. Wir wollten die ersten sein, die das fordern", verkündet der Satiriker, offenbar ohne zu wissen, dass er nicht der erste ist. In dem Punkt wurde Satire längst von der Realität überholt. Durch eine entsprechende Forderung, die die NPD 2010 in ihrem Wahlprogramm formulierte.

Ob er für oder gegen den Säxit sei, wird Sonneborn aus dem Publikum gefragt. Er sei dafür, "alle illiberalen Demokratien aus der EU zu befördern, Polen und Ungarn, da arbeiten wir auch am Säxit".

Für eine "Obergrenze für Fürchtlinge" sprach er sich aus. "Möglicherweise muss man die irgendwohin zurückschicken, vielleicht nach Syrien", orakelte Sonneborn, stockte dann aber: "Allerdings wäre das wieder eine weitere Fluchtursache."

Ein bisschen klagte Sonneborn auch sein Leid über die anstrengenden Abstimmungsrhythmen im EU-Parlament. "Teilweise 240 Abstimmungen in 40 Minuten". Da habe er schon Rechtsradikale klagen hören, dass es so nicht mehr geht, "obwohl die besser trainierte Oberarme haben als ich".

Mit Verweis auf den nächsten Wahlkampftermin in Dresden - "einer richtigen Stadt" - verabschiedete sich Sonneborn: "Dort sind wir auch noch nicht fertig, wir haben vorgeschlagen, die Frauenkirche wieder abzureißen, um Material für den Bau der Mauer zu haben."

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