Sonnenblumen am Sonnenberg: Schulgarten mitten in der Stadt

Der Verein Keimzelle will den Stadtteil aufwerten und pädagogische Arbeit leisten. Dass es jetzt auch prominente Unterstützung gab, liegt an einer eher zufälligen Begegnung.

Sonnenberg.

Malte Ziegenhagen gehört zu den bekanntesten aktiven Sportlern der Stadt Chemnitz. Der Kapitän der Zweitligabasketballer Niners macht aber nicht nur sportlich von sich reden. Er engagiert sich für verschiedene soziale Projekte und hat mit der Raise up Academy ein Sommercamp für Kinder und Jugendliche aus Chemnitz ins Leben gerufen. Neben Basketball sollen die Teilnehmer auch viel fürs Leben lernen. Gartenarbeit zum Beispiel.

"Malte ist mal an unserem Gartengrundstück vorbeigelaufen, da sind wir eher zufällig ins Gespräch gekommen. Und daraus wurde ganz schnell eine Aktion mit den Kindern in seinem Camp", sagt Babett Pötzsch. Sie ist Initiatorin und Leiterin eines Projektes, mit dem der Stadtteil Sonnenberg aufgewertet werden und das als Schulgarten für Kinder und Jugendliche dienen soll. Palmgarten nennt sie das Grundstück an der Kreuzung Palmstraße/Reinhardstraße, auf dem bis vor einigen Jahren noch Häuser im Jugendstil standen. Nachdem diese abgerissen wurden, blieb eine Wiese, die in erster Linie als Hundetoilette genutzt wurde, wie Babett Pötzsch erzählt. "Als ich erfuhr, dass dieses Grundstück gepachtet werden kann, habe ich zugeschlagen. Hier besteht die Chance, etwas Natur zurück in die bebaute Stadt zu holen."


Im Frühjahr vergangenen Jahres pachtete Pötzsch das Grundstück zunächst auf eigene Kosten von der Grundstücks- und Gebäudewirtschafts-Gesellschaft (GGG), gründete dazu den Verein Keimzelle, über den Fördermittel beantragt wurden. Nachdem diese bewilligt waren, wurde das Hundeklo umgegraben und mit Beeten versehen. "Dabei haben sehr viele Anwohner des Viertels mitgeholfen. Das war ein wunderbares Miteinander", sagt die ehemalige Kulturmanagerin, die seit 25Jahren auf dem Sonnenberg wohnt. Nachdem sie sich beruflich neu orientieren wollte, beschäftigte sich die 49-Jährige mehr und mehr mit der Permakultur. Grundprinzip hierbei ist, dass Mensch und Natur im Einklang leben, um natürliche Ressourcen bestmöglich zu nutzen.

"Mit dem Palmgarten wollen wir zum einen erreichen, dass sich einige Bewohner des Sonnenberges selbst verpflegen können", sagt Babett Pötzsch. "Zum anderen soll er Schulen, Kindergärten und anderen Gruppen die Möglichkeit geben, mehr über die Natur vor der eigenen Haustür zu lernen."

Die 60 Kinder und Jugendlichen, die in dieser Woche bei Malte Ziegenhagens Raise up Academy dabei waren, haben dieses Angebot genutzt. Sie haben sich um die Beete gekümmert und bunte Pfähle gestaltet, mit denen der Garten farbenfroh gestaltet werden soll. "Ich möchte damit erreichen, dass die Kids ihre Stadt und vor allem diesen Stadtteil neu entdecken", sagt der Basketballer, der selbst auf dem Sonnenberg wohnt. "Das Camp soll ja nicht nur für Trainingseinheiten da sein. Die Teilnehmer sollen mehr erleben, mehr lernen. Und da passt das Projekt mit dem Garten in der Stadt natürlich perfekt."

Babett Pötzsch hatte großen Spaß an der Aktion mit den jungen Basketballern, war gleichzeitig aber auch erschrocken darüber, wie wenig die Kinder und Jugendlichen über Natur und Handwerk Bescheid wussten. "Einige wissen ja nicht einmal mehr, wie man einen Hammer hält", sagt sie. "Ganz schlimm wird es, wenn sie nicht wissen, wie eine Distel aussieht und dass die stachlig ist." Umso wichtiger empfindet Pötzsch, dass viele Schulen und Kindergärten das neue Angebot nutzen. "Das ist aber nicht so einfach", sagt sie. "Aus Schulen auf dem Sonnenberg heißt es, dass sie nicht die Kapazität an Lehrern haben, um zu uns zu kommen. Sie müssen erst einmal den Lehrplan absichern."

Interesse gebe es allerdings zunehmend von Schulen aus anderen Stadtteilen. "Das ist super und hilft den Kindern - uns aber nicht", sagt Pötzsch. Denn die Fördermittel werden nur weitergezahlt, wenn Einrichtungen aus dem Fördergebiet, dem Sonnenberg und der Innenstadt also, teilnehmen. "Bürokratie trifft Natur", nennt Pötzsch das.

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