Sorgenkind zwangsversteigert - Was der neue Eigentümer vorhat

Vor kurzem noch vom Abriss bedroht, soll ein denkmalgeschützter Bau an der Annaberger Straße nun doch erhalten bleiben.

Altchemnitz.

Kaum ein vom Verfall bedrohtes Kulturdenkmal in Chemnitz hat in den zurückliegenden Jahren derart anhaltend für Diskussionen gesorgt wie das Doppelmietshaus Annaberger Straße 110/ 110a. Seit Dienstag, 11.11 Uhr, hat der heruntergekommene und zeitweise bereits von einem Teilabriss bedrohte Gebäudekomplex aus dem frühen 20. Jahrhundert nur noch einen Eigentümer - und damit so gute Voraussetzungen für einen Erhalt wie seit Jahren nicht mehr. Bei einer Zwangsversteigerung am Amtsgericht erwarb einer der Gesellschafter des Projektentwicklers Rewobau aus Machern bei Leipzig den akut vom Verfall bedrohten Gebäudeteil 110. Das benachbarte Haus 110a befindet sich bereits seit mehreren Jahren im Eigentum des Familienunternehmens.

Dem Zuschlag vorausgegangen war ein veritabler Wettstreit mit einer weiteren Bietergemeinschaft. Gebot für Gebot wetteiferten beide Parteien sich nach oben, beginnend bei der vom Gericht veranschlagten Mindestsumme von 23.000 Euro. Als der von einem Gutachter festgesetzte Verkehrswert erreicht war, stieg die Bietergemeinschaft aus und das Objekt wechselte schließlich für 46.100Euro den Besitzer.


"Im Grunde konnte es nur diese Lösung geben, sonst wäre bald auch unser Haus bedroht gewesen", sagte Dietmar Jung, einer der Rewobau-Gesellschafter, im Anschluss an die Zwangsversteigerung. Das zweiteilige Gebäude sei so konstruiert, dass es nur komplett saniert werden könne. "Mit zwei unterschiedlichen Eigentümern hätte das kaum funktioniert."

Dabei ist der Handlungsdruck durchaus immens. Die Bauaufsicht beschreibt den Zustand der jetzt versteigerten Gebäudehälfte als "desolat" und verlangt bis Ende kommenden Jahres eine Sicherung des Daches und der Decken sowie die Beseitigung von Hausschwamm. Weil Teile der Fassade herabzustürzen drohten, hatten die Behörden der Stadt im vergangenen Jahr bereits eine Fahrspur der Annaberger Straße aus Sicherheitsgründen für mehrere Monate sperren müssen. Zudem wurde eine Notsicherung veranlasst, die Jung als Eigentümer des benachbarten Gebäudeteils mit seinem Bauunternehmen selbst ausführte. "Perspektivisch müssen da sämtliche Böden ausgebaut und neue eingebaut werden", verdeutlicht er. "Sonst droht das Haus irgendwann einfach auseinanderzuklappen."

Genauere Vorstellungen, was aus dem "Problembau" einmal werden soll, hat das auf die Sanierung historischer und denkmalgeschützter Gebäude spezialisierte Familienunternehmen noch nicht. "Wir werden uns mit der Stadt zusammensetzen und sind offen für Vorschläge", sagt Mitgesellschafterin Angelika Jung. Es sei ihr wichtig, dass eine Lösung gefunden werde, die der Stadt diene. "Das haben wir auch bei unseren Projekten in Leipzig und Wiesbaden immer so gehandhabt."

Vor dem Jahr 2021 allerdings werde vor Ort an der Annaberger Straße nicht viel passieren, so Angelika Jung. "Die Vorprojektierung nimmt erfahrungsgemäß immer recht viel Zeit in Anspruch", erläutert sie. Allzu große Kopfschmerzen bereite der Zustand der Immobilie ihr aber nicht. "Fast alle Objekte, die wir saniert haben, sahen zunächst so aus."

In Chemnitz ist Rewobau derzeit vor allem mit Vorhaben im Brühlviertel beschäftigt. Ein weiteres Projekt ist auf dem Sonnenberg geplant. Der mit Abstand bekannteste Bau im Chemnitzer Portfolio der Firma findet sich an der Zwickauer Straße: Das zuletzt als Haus Kraftwerk bezeichnete frühere Volkshaus.

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1Kommentare
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  • 0
    1
    Interessierte
    vor 21 Stunden

    Da hat es sich doch gelohnt , dieser Ärger …
    Auch die 2 Häuser auf der Seb-Bach-Straße sind fertig und schon bezogen …



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