Spezialfirma für solares Bauen setzt ihren bisher größten Kessel

Ein Unternehmen baut in seinem Domizil einen Koloss ein, der für Wärme sorgen soll - in Wohnungen, von denen die ersten dieses Jahr fertig werden.

Einem riesigen Hotdog gleich, schwebt ein stählerner Koloss kurz nach 9 Uhr früh in den Himmel überm Schloßberg. 18,6 Tonnen schwer, gehalten von zunächst zwei Mobilkränen, zumindest so lange, bis die stählerne Wurst vom Tief- lader gehoben und aus der Horizontalen ins Lot gebracht ist. Kerzen- gerade hängt der Tank dann Minuten später vom größeren der beiden Kräne herab. Der hebt seine Last weiter empor und schwenkt sie über den Rohbau des sogenannten "Solar-Domizils" an der Salzstraße, eines aktuellen Bauprojekts der Chemnitzer Fasa AG.

Zentimeter um Zentimeter, Geschoss für Geschoss lässt der Kranführer den Tank dann in einem rundgemauerten Schacht des Gebäudes verschwinden. Rings um den Stahltank herum misst der Platz bis zum Mauerwerk zwar nur rund 20 Zentimeter, doch winkte der 58-jährige Kranführer Uwe Kühn kurz vor der Aktion noch ab. "Trotzdem alles nur reine Routine."

Nicht ganz, einen Superlativ stellt der Tank wohl auf, und zwar, weil die Länge allein nicht immer entscheidend ist. Ansonsten hätte ein im Frühjahr von der Fasa AG gesetzter Solartank dem gestrigen großen Bruder den Rang bereits streitig gemacht. Ein ebenfalls per Sonnenkraft zu beheizender Warmwassertank, den das Unternehmen im März an der Dorotheenstraße in einen 100 Jahre alten Altbau pflanzte, war mit 18 Metern sogar ein paar Zentimeter länger.

"Aber der hier ist dicker. So vier Meter im Durchmesser", überschlägt Fasa-Sprecher Gerald Schwenk. Damit und mit einem Volumen von 200.000 Litern ist der gestrige "Hotdog" der bisher größte von der Fasa AG gesetzte Solarthermie-Kessel. Auch Josef Jenni, Chef des Schweizer Unternehmens, das den Tank fertigte und in den Tagen zuvor von Oberburg in der Schweiz per Tieflader nach Chemnitz brachte, hat noch nie einen größeren Tank verkauft. "In Deutschland wird zwar viel mit Photovoltaik gemacht, aber die Solarthermie kommt immer etwas kurz", klagt der Schweizer Unternehmer.

Nicht so in Chemnitz. Die Fasa, 1990 als GmbH gegründet und zehn Jahre später zur Aktiengesellschaft umfirmiert, hat solares Bauen zum Geschäftsmodell erkoren. "Es müssten jetzt insgesamt 85 Solartanks sein, die wir gesetzt haben, die meisten natürlich nicht so groß, weil sie in Ein-Familien-Häusern stehen", zählt Ulrich Hintzen vom Fasa-Vorstand auf.

In Ein-Familien-Häusern verspricht das Unternehmen durch die Solarthermie - also das Heizen und Warmwasserbereiten über den per Sonnenkraft beheizten Wärmetausch-Kessel - einen Deckungsgrad von bis zu 90 Prozent. Nur noch ein Zehntel der normalerweise anfallenden Heizkosten sollten so übrig bleiben, wenn die Rechnung aufgeht. "Bei Mehrfamilienhäusern sinkt der Deckungsgrad auf etwa 50 Prozent", räumt Gerald Schwenk ein. "Ob drei, vier oder fünf Geschosse entstehen, die Dachfläche für Kollektoren wird ja nicht größer", sagt er.

Der gestern gesetzte Kessel soll bis zu 30 Eigentumswohnungen versorgen. Die elf des ersten Bauabschnitts sollen noch in diesem Jahr fertig werden und sind bis auf eine Wohnung bereits belegt. Der zweite Abschnitt des Projekts soll noch dieses Jahr begonnen werden.

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