Spielplätze, Kita, Schule - Kinder stehen in Reichenhain im Fokus

Wie entwickeln sich die einzelnen Chemnitzer Gebiete? Welche Projekte sind geplant? Wo gibt es Sorgen? "Freie Presse" nimmt die Stadtteile unter die Lupe. Heute: Reichenhain.

Reichenhain.

Ihren wahrscheinlich wichtigsten Kampf der vergangenen Jahre für die Zukunft ihres Ortes haben die Reichenhainer erst kürzlich gewonnen. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig vollzog symbolisch den ersten Spatenstich für den Bau einer neuen Kita. Nachdem ursprünglich die Sanierung der Einrichtung vorgesehen war, hatte die Stadtverwaltung das Vorhaben wegen gestiegener Baukosten gestoppt. Gemeinsam mit Stadträten und Verwaltung suchten Heimatverein und Elternrat nach einer Lösung. Für 3,1 Millionen Euro entsteht nun bis Ende 2020 eine neue Tagesstätte, die Anzahl der Plätze erhöht sich von 38 auf 56. Almuth Bo- the, Vorsitzende des Heimatvereins, war eine derjenigen, die sich für den Fortbestand der Einrichtung engagierten. Sie ist über die Entscheidung der Stadt froh. "Als Reichenhainer sind wir super bedient, wir haben eine Kita und eine Grundschule", sagt Bothe. Die Schule, die derzeit ebenfalls saniert wird, feiert nächstes Jahr ihr 70-jähriges Bestehen. Die Bildungseinrichtung sei ebenso wie Kita, Kirchgemeinde, der Sportverein VfL Reichenhain sowie der Heimatverein wichtiges Puzzleteilchen für den Zusammenhalt im Ort, sagt sie. Gemeinsam arbeite man für Reichenhain, stelle Feste auf die Beine, betont Bothe.

Den Kindern des Stadtteiles soll auch das nächste Vorhaben des Heimatvereins und des VfL Reichenhain zugutekommen. Noch in diesem Jahr wollen beide Vereine einen Spielplatz auf dem Gelände des Sportvereins bauen, kündigt Bothe an. 12.000 Euro soll das Vorhaben kosten, 8500 Euro hat man schon gesammelt. "Wir freuen uns über jede Spende", sagt Bothe. Zwar gebe es in Reichenhain einen Spielplatz im Wohngebiet Mühlberg, der dieses Jahr auch modernisiert werden soll. "Doch ein Spielplatz ist zu wenig für ein solch langes Dorf wie Reichenhain." Knapp 2700 Menschen leben in dem Ort, der 1929 nach Chemnitz eingemeindet worden war. Ende 2017 waren rund 400 von ihnen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Nach der Wende entstanden mehrere Wohngebiete in Reichenhain. Deshalb ist die Einwohnerzahl in den vergangenen Jahrzehnten angestiegen, so Bothe. Noch Bauland im Ort zu finden, sei mittlerweile schwierig, sagt sie. Dennoch gebe es immer wieder Anfragen.

Die Vereinsvorsitzende freut sich über die nagelneue Hausarztpraxis an der Ortsdurchfahrt, die eine junge Allgemeinmedizinerin habe bauen lassen. "Darüber sind wir alle superglücklich", so Bothe. Ein Problem ist dagegen die Nahversorgung. In Reichenhain gibt es weder einen Lebensmittelmarkt noch Bäcker oder Fleischer. Regelmäßig kommen Wagen vorbei, die Brot und Wurst anbieten, sagt Almuth Bothe. Doch könnte man besser kommunizieren, wann und wo diese mobilen Einrichtungen im Ort ihre Waren anbieten. "Nicht jeder weiß, wann die Händler kommen", sagt sie. Und sie wünscht sich nach der Sanierung von Schule und Kita die Gestaltung des Umfeldes der Schule. So solle nicht nur die nahegelegene Kreuzung der Gornauer Straße verkehrsberuhigt und kinderfreundlich gestaltet werden. Auch Stellflächen an der Schule für Lehrer und Eltern sollten entstehen, so Bothe. Kopfzerbrechen habe ihr zunächst auch die neue Buslinie 53 bereitet, sagt sie. Viele im Ort hätten kritisiert, dass diese Linie nicht mehr wie bisher in die Innenstadt fahre und man deshalb umsteigen müsse. Doch die Aufregung habe sich mittlerweile gelegt, meint Bothe. Durch das Umsteigen habe man mehr und bessere Möglichkeiten, andere Stadtteile zu erreichen. "In der Summe kann man zufrieden sein, nur die Anschlüsse passen nicht immer", sagt sie.

Tim Schilbach, stellvertretender Vereinsvorsitzender des VfL und Fußballtrainer, gibt ihr bei den Anschlüssen recht, lobt aber auch die "sensationell gute Erreichbarkeit" des Heckert-Wohngebietes. Rund 500 Mitglieder zählt der VfL, der sich als Mammutaufgabe der Sanierung des alten Kulturhauses verschrieben hat. Die darin befindliche Halle ist saniert und könnte besser ausgelastet sein, sagt Schilbach. Die Fassade erhielt eine Wärmedämmung, auch eine Fluchttreppe entstand. Derzeit werden die Kabinen umgebaut. Die Modernisierung der sanitären Anlagen ist ebenso geplant wie ein Gymnastikraum, so Schilbach. Er wünscht sich, dass sich mehr Kinder und Jugendliche dem Verein anschließen. "Wir brauchen Nachwuchs." Neben Fußball bietet der VfL die Sportarten Volleyball, Tischtennis, Gymnastik und Kegeln an.


Das ist Reichenhain

Im Stadtteil Reichenhain lebten Ende 2018 auf 3,95 Quadratkilometern 2693 Einwohner. Für Autofahrer ist das Gebiet durch den nahegelegenen Südring gut erreichbar. Das hat auch Nachteile: Bei Stau auf Südring oder Zschopauer Straße/B 174 nutzen viele Autofahrer die Gornauer Straße, die Reichenhainer Ortsdurchfahrt, als Umleitung. Im Süden grenzt Reichenhain an Erfenschlag, im Osten an Adelsberg, im Norden an Bernsdorf und im Westen an Altchemnitz. (hfn)

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