Sportforum: Chancen für Stadionturm schwinden

Die Verfechter für den Erhalt des 80 Jahre alten Denkmals müssen einen doppelten Rückschlag hinnehmen. Ist der Abriss damit besiegelt?

Im Volksmund ist er als Marathonturm bekannt, Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig spricht vom Führerturm. Als solcher sei er in den 1930er-Jahren gebaut und 1938 eröffnet worden, sagt sie. Mit Blick auf das dunkle Kapitel der Geschichte plädiert sie für den Abriss des Denkmales. Der Alternative, es für zwei Millionen Euro zu sanieren, räumt sie keine Chance ein. Auch im Gesamtkonzept für das Sportforum ist der Abriss des markanten Turmes vorgesehen. Zwei Gegeninitiativen sind vorgestern Abend im Stadtrat gescheitert.

Die Fraktion von CDU/FDP hatte während der Haushaltdebatte gefordert, eine Dreiviertelmillion Euro für den Turm freizugeben. Das Geld sollte für die Bausicherung eingesetzt werden. Stadtrat Dieter Füsslein hatte vor der Ratsdebatte gewarnt: "Wenn man den Turm schleift, dann schleift man die Identität der Stadt." Dennoch ist der Antrag mit den Stimmen der rot-rot-grünen Mehrheitsfraktion abgelehnt worden. 21 Stadträte hatten für die Turmsicherung, 29 dagegen gestimmt. Inhaltlich diskutiert wurde der Vorschlag vorher nicht. Auch ein späterer Antrag der Pro-Chemnitz-Fraktion nicht. Dieser zielte auf ein Instandhaltungs- und Sicherungskonzept ab, das von der Verwaltung bis Mitte April eingefordert werden sollte. Des Weiteren wollte Pro Chemnitz auf einen Baustart noch in diesem Jahr drängen. Mit lediglich vier Ja-Stimmen, vor allem aus den eigenen Reihen, wurde der Antrag abgelehnt.

Damit sind offenbar die Chancen, den Turm zu erhalten, geschwunden. Aber besiegelt ist der Abriss wohl noch nicht. Die Stadt kann die Entscheidung nicht allein treffen. Da es sich um ein Denkmal handelt, muss die zuständige Behörde in Dresden dazu befragt werden. Und diese sendete schon ein eindeutiges Signal: Wenn die Stadt den Abriss beantragt, wird er umgehend abgelehnt, erklärte Michael Kirsten, Abteilungsleiter im Landesamt für Denkmalpflege, auf Anfrage der "Freien Presse". Er wertet den Turm als "ein historisches Zeugnis, wenngleich aus einer dunklen Epoche. Aber auch diese Zeugen gehören zur Geschichte". (mit su)

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6Kommentare
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  • 2
    0
    SRMobile
    04.03.2016

    Schade nur das die Stadt und allen voran die OB das Hauptstadion mit Turm, in den letzten 15 Jahren hat so verfallen lassen. Solche Zustände gabs nicht mal annähernd zu DDR Zeiten und da waren bekanntlich Baumassnahmen weitaus schwieriger. Ich kann sowas einfach nicht verstehen ! Hauptsache wir bauen Museen und jetzt wollen die Grünen auch noch ein neues Schauspielhaus wo keiner hingeht, solch ein Quatsch.

  • 6
    1
    kauzig
    04.03.2016

    Dieser Turm gehört erhalten - ohne wenn und aber. Erst mit diesem Turm ist es das Sportforum - schon immer gewesen. Nur dass das Sportforum insgesamt leider viel zu sehr vernachlässigt wurde, sonst koennte dieser Turm als Aushängeschild eine ganz andere Rolle spielen - "haette" man bspw. Messe und Stadion da gebaut. Was soll ueberhaupt Rumreiten in der Geschichte. Immerhin zeugt dieser Turm davon, womit in Chemnitz leider nur zu leichtfertig umgegangen.

  • 8
    1
    schnellleser
    04.03.2016

    Es ist wirklich traurig wie jeweiligen "Herrscher" mit der Geschichte umgehen. Da wird aus einem normalen Turm einfach ein Führerturm. Und der Abriss favorisiert. Schade .Pixelghost hat Recht. Der Turm war nie ein Führerturm. Die BM betreibt Geschichtsfälschung !!!

  • 10
    0
    Chemnitzer76
    04.03.2016

    Es ist wirklich traurig, dass man so ein markantes Gebäude abreisen will! In meinen Augen ist es ein Stück Geschichte (egal wie der Turm genannt wurde).

    Aber wenn man natürlich wie die aktuelle Bürgermeisterin nix für das Sportforum übrig hat, dann ist diese Meinung nachvollziehbar!

    Meiner Meinung nach wäre es auch viel sinnvoller gewesen die geplante Straßenbahnroute entlang der Reichenhainer Straße entlang des Friedhofes und dann die Werner Seelenbinder Straße runter oder vielleicht sogar bis nach Erfenschlag zu verlegen. Dann hätten könnten die Nutzer des Sportforums (vornehmlich Kinder- und Jugendliche) diese Straßenbahn ebenfalls nutzen!

  • 11
    0
    Pixelghost
    04.03.2016

    Dass die Berliner Gebäude abreisen glaube ich nicht. Wo sollen sie auch hin...

    In den Veröffentlichungen der 30ziger Jahre wurde der Turm als Befehlsturm bezeichnet. Von "Führerturm" war nie die Rede.

  • 14
    1
    Hinterfragt
    04.03.2016

    "...Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig spricht vom Führerturm. Als solcher sei er in den 1930er-Jahren gebaut und 1938 eröffnet worden, sagt sie. Mit Blick auf das dunkle Kapitel der Geschichte plädiert sie für den Abriss des Denkmales...."

    Ach Frau Ludwig, dann machen Sie doch mal den Vorschlag an Berlin u.A. die Gebäude des Ministeriums für Finanzen und für Verteidigung abzureisen...!



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