Sportplatz ist fertig - und wird ein Jahr lang nicht genutzt

In Wolkenburg führen verschiedene Zeitpläne für zwei Bauprojekte zu einer kuriosen Situation. Hat das Rathaus vorausschauend gehandelt? Ein Stadtrat meldet Zweifel an.

Wolkenburg.

Nach dem ungewöhnlich heißen Sommer hat man sich daran gewöhnt, dass Flächen, auf denen einst Rasen wuchs, inzwischen mehr einer Steppe ähneln. Umso mehr fällt das üppige Grün ins Auge, das seit einigen Wochen an der Herrnsdorfer Straße in Wolkenburg zu bestaunen ist. Lange, kräftige Halme bilden einen makellosen Rasen.

Es handelt sich um den neuen Sportplatz. Im Juli ist Rollrasen auf dem Spielfeld verlegt worden. Inzwischen macht das Areal den Eindruck, als könnte der Punktspielbetrieb in wenigen Tagen beginnen: Die vier Flutlichtmasten sind ebenso installiert wie der Ballfangzaun. Er umgibt das Spielfeld nicht nur an den beiden Schmalseiten, sondern auch in Richtung Zwickauer Mulde. Auswechselbänke für Heim- und Gästeteam sind ebenfalls schon vorhanden. Eigentlich fehlen auf den ersten Blick nur zwei Dinge: Die Tore, die derzeit am Rand des Spielfeldes auf ihren Einsatz warten, müssten Netze erhalten und an den richtigen Platz gerückt werden. Und ein Platzwart müsste den Rasen mit Linien versehen.

Trotzdem wird es noch lange dauern, bis auf dem Platz der Ball rollt: Frühestens mit der Saison 2019/2020 wird das neue Spielfeld, das etwa 1,5 Millionen Euro gekostet hat, in Betrieb genommen. Es wird also noch etwa ein Jahr lang ein Schattendasein fristen. Grund ist, dass die nötige Infrastruktur neben dem Platz noch nicht vorhanden ist. Umkleideräume und Sanitäranlagen werden in der neuen Turnhalle eingerichtet, die sich seit April im Bau befindet. Da diese erst in der zweiten Jahreshälfte 2019 fertig sein wird, müssen sich die Fußballer des FV Wolkenburg gedulden und bis dahin den alten Platz auf der anderen Seite der Mulde nutzen. Er wird nach mehreren Überschwemmungen bei Hochwasser aufgegeben.

Die ungewöhnliche Situation, dass ein Bauprojekt erst ein Jahr nach der Fertigstellung in Betrieb genommen wird, sorgt für Verwunderung. Stadtrat Enrico Fitzner (CDU) wirft die Frage auf, ob die Stadtverwaltung nicht anders hätte vorgehen können. Er verweist auf den hohen Aufwand, der dem Rathaus entsteht. "Während des heißen Sommers musste der ungenutzte Platz regelmäßig bewässert werden", hat der Wolkenburger beobachtet. Die dadurch entstandenen Kosten hätte sich die Stadt laut Fitzner sparen können. Zudem kann der Lokalpolitiker nicht nachvollziehen, warum die Stadt Rollrasen verlegt hat. "Hätte es nicht gereicht, Rasen auszusäen, wenn der Platz ohnehin erst 2019 gebraucht wird?", fragte Fitzner während der jüngsten Stadtratssitzung. Das wäre nach seinen Angaben billiger gewesen. Fitzner kennt sich als Landschaftsgärtner mit der Materie aus.

Trotzdem ist die Stadtverwaltung anderer Meinung. Auch das Aussäen von Rasen sei mit großem Aufwand verbunden, sagte Stadtentwicklungs-Fachbereichsleiter Michael Claus. Daher könne er sich nicht vorstellen, dass diese Option deutlich günstiger ausgefallen wäre. Dass der Sportplatz viel früher fertig geworden ist als die Turnhalle, erklärt er mit den Fördermittel-Bedingungen. Beide Projekte seien mithilfe verschiedener Fördertöpfe umgesetzt worden, die unterschiedliche Fristen aufweisen. So musste das Geld für den Sportplatzbau, das aus Mitteln zur Reparatur von Hochwasserschäden stammt, in diesem Jahr verbaut werden. Das Rathaus geht übrigens davon aus, dass den Fußballern ab nächstem Jahr ein hervorragender Platz zur Verfügung steht, wie Bauamtsmitarbeiter Sven Richter betont. "Dem Rollrasen bekommt es nicht schlecht, wenn er eine Zeit lang nicht genutzt wird."

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...