Sportverein USG gewinnt Demokratiepreis

Die Universitätssportgemeinschaft hat sich bei einem Wettbewerb der Initiative "Chemnitz ist weder grau noch braun" durchgesetzt. Die anderen Bewerber gehen nicht leer aus.

Am Ende waren es vielleicht ein paar Klicks aus Indien, die das Votum entschieden. Eine Woche lang konnte darüber abgestimmt werden, welches Projekt den von der Initiative "Chemnitz ist weder grau noch braun" gestifteten Publikumspreis gewinnt. Kurz vor Ende des Votums lag die Universitätssportgemeinschaft (USG) noch auf Rang zwei. Dann hängte sich der stellvertretende Vereinsvorsitzende Maximilian Schuler ans Telefon. "Wir haben alle Trainer kontaktiert, zudem alle Social-Media-Kanäle befeuert." Das ging soweit, dass der Chef der Cricket-Abteilung Verwandte in seiner Heimat Indien kontaktierte und um Unterstützung bat. Mit Erfolg: Mehr als 1000 Stimmen auf Facebook bedeuten den Sieg für die USG.

Sie erhält nun 15.000 Euro aus dem Fördertopf von "Chemnitz ist weder grau noch braun". Die Initiative hatte sich unter Federführung des Industrievereins und des Vereins Kreatives Chemnitz im Herbst 2018 gegründet, als Reaktion auf die zum Teil ausländerfeindlichen Proteste in der Stadt, die sich an den gewaltsamen Tod eines Deutsch-Kubaners am Rande des Stadtfestes anschlossen. Ziel sei es gewesen, den negativen Bildern etwas entgegenzusetzen, sagt Industrieverein-Geschäftsführerin Katrin Hoffmann. Die Initiative sammelte Spenden in Höhe von 270.000 Euro ein. Mit dem Geld wurden unter anderem deutschlandweite Werbeanzeigen finanziert; etwa 27.000 Euro flossen an die Familie des getöteten Daniel H. Mit dem Rest des Budgets sollten Projekte für Demokratie und Toleranz in Chemnitz gefördert werden. "Innergesellschaftlicher Dialog und die Kommunikation zwischen Zuwanderern und einheimischer Bevölkerung" stehe im Fokus, so Hoffmann. Rund 30 Projekte aus den Bereichen Kunst- und Kulturfestivals, Integrations- und Sportangebote bewarben sich um eine Förderung, zwölf kamen in eine Vorauswahl und wurden zur Abstimmung gestellt.


Der Publikumssieger USG will mit dem Preisgeld sein Projekt "Get in Touch" ("Kontakt aufnehmen") ausbauen: In Chemnitz noch neue Sportarten wie beispielsweise Cricket und Rugby sollen an Schulen vorgestellt werden. Das übernehmen Sportler der USG, die aus den Ländern stammen, in denen diese Spiele populär sind, beispielsweise Indien und Pakistan. Zudem soll ein Sportplatz für die Cricketspieler ertüchtigt werden, sagt Schuler.

Zwei weitere Auszeichnungen, die vom Industrieverein und Kreatives Chemnitz vergeben werden und ebenfalls mit 15.000 Euro dotiert sind, gehen an das Bildungswerk der sächsischen Wirtschaft und die Begehungen. Das Festival bespielt jährlich verlassene Orte in Chemnitz und will mit dem Preisgeld sein Begleitprogramm ausbauen, beispielsweise mit Lesungen. Das Bildungswerk investiert seinen Gewinn in die berufliche Integration von Ausländern, etwa Bewerbertrainings. Darüber hinaus stellt die Volksbank Chemnitz 4000 Euro für das Festival Pochen zur Verfügung, das multimedial Geschichte und Geschichten um die Stadt erzählt, 2018 erstmals stattfand und fortgesetzt wird. Jeweils 500 Euro fließen vom Rotary Club an die Küchwaldbühne, die das Musical Anatevka aufführen will und an die Initiative "Ein Song für Chemnitz", die einen musikalischen Flashmob auf die Beine stellen möchte. Und selbst die verbleibenden Projekte gehen nicht leer aus: Sie erhalten eine Ideenförderung in Höhe von jeweils 1000 Euro.

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