Stadion-Eklat: Bündnisgrüne pochen auf Sondersitzung

Fraktionschef Lehmann weist Aussage von OB Ludwig zurück

Die Fraktion der Bündnisgrünen hält an ihrer Forderung, nach den Ereignissen im Stadion an der Gellertstraße eine Sondersitzung des Stadtrates einzuberufen, fest. Das bestätigte Fraktionschef Thomas Lehmann auf Anfrage der "Freien Presse". Gegensätzliche Aussagen von Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig wies er zurück. Sie hatte am Montag bei einer Pressekonferenz erklärt, dass ihres Wissens die Forderung vom Tisch sei.

Ein Gespräch zwischen Fraktion und OB gab es nicht, sagt Lehmann: "Ich hätte gehofft, dass sie auf uns zukommt." Wie Ludwig zu ihrer Einschätzung kam, diese Frage ließ sie am Mittwoch unbeantwortet. Unterstützt hätte sie das Anliegen offenbar nicht. Eine Sondersitzung wäre "nicht die richtige Antwort auf das, was vorgefallen ist", erklärte sie am Montag. Vor dem Heimspiel gegen Altglienicke ist im Stadion des verstorbenen Neonazis Thomas H. offiziell mit einer Schweigeminute gedacht worden. Fans entfalteten ein Gedenktransparent, der Stadionsprecher verlas einen Trauertext, auf der Anzeigetafel wurde ein Foto von Thomas H. gezeigt. Seine Sicherheitsfirma war zeitweise für den CFC tätig. Nur vier Tage vorher hatte der Stadtrat einer vergleichsweise niedrigen Stadionpacht für den insolventen Fußballclub in der kommenden Saison zugestimmt, auch wenn er in die Dritte Liga aufsteigt, die höhere Einnahmen als Liga 4 verspricht. Der Beschluss des Stadtrates ist an die Bedingung geknüpft, das Nachwuchsleistungszentrum zu erhalten - ein Punkt, über den jetzt noch einmal geredet werden muss, sagt Lehmann. Es sei zu hinterfragen, wo das Zentrum künftig angeschlossen sein sollte. "Wir können die Jugend nicht von einem Verein mit rechtsradikalen Strukturen betreuen lassen", so Lehmann. Eine Idee wäre, den Stadtsportbund damit zu betrauen. Aber darüber sollte der Stadtrat diskutieren, so Lehmann, der außerdem erwartet, dass das Gremium geschlossen "Gesicht zeigt. Wenn wir uns nicht eingestehen, dass es sich um ein gesellschaftliches Problem handelt, wird sich das negativ auf die gesamte Entwicklung der Stadt auswirken."

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Die Fraktion der Grünen ist mit ihren fünf Stadträten zu klein, als dass sie allein eine Sondersitzung einberufen könnte. Laut Sächsischer Gemeindeordnung müssen mindestens 20 Prozent aller Räte zustimmen. Das heißt, mindestens zwölf Ratsmitglieder müssen den Antrag der Grünen unterschreiben.

Bewertung des Artikels: Ø 3.7 Sterne bei 3 Bewertungen
1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    6
    Hinterfragt
    21.03.2019

    Und täglich grüßt das Murmeltier ...



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