Stadt legt Kita-Sanierung auf Eis - Reichenhainer wehren sich

Die Kindereinrichtung ist ausgelagert, um saniert und erweitert zu werden. Jetzt ist auf einmal keine Rückkehr mehr in Sicht.

Reichenhain.

Die Nachricht hat viele Einwohner des Stadtteils völlig unvorbereitet getroffen: Anstatt saniert und erweitert zu werden, soll das Gebäude der Kindertagesstätte "Reichenhainer Wichtelberg" an der Straße Am Hang vorläufig unverändert und vor allem leer bleiben. Das wurde dem Personal und den betroffenen Eltern vor wenigen Tagen von der Stadtverwaltung mitgeteilt.

Dabei hatten sich nicht nur Mütter und Väter für ihre dort betreuten Kinder darauf gefreut, dass die in die Jahre gekommene und vom Hangwasser beschädigte Kita endlich in Ordnung gebracht werden sollte. "Der Kindergarten ist doch ein absolut wichtiger Punkt im Ort", sagt Almut Bothe, die Vorsitzende des 120 Mitglieder zählenden Heimatvereins Reichenhain. Bei allen Aktivitäten im Stadtteil mit seinen rund 2700 Einwohnern seien die Mädchen und Jungen aus der Kita dabei.

Seit Februar dieses Jahres mussten sie dafür einen etwas längeren Weg zurücklegen. Denn seitdem ist die Kita in ein Ausweichobjekt an der Bernsdorfer Straße ausgelagert - wegen der bevorstehenden Sanierung und Erweiterung des Gebäudes in Reichenhain. Das hatten Kinder, Eltern, Erzieher, Einwohner und auch der Chemnitzer Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) als Träger noch bis vor wenigen Tagen angenommen.

Doch die geplanten Bauarbeiten sind abgeblasen, wie die Stadtverwaltung auf Anfrage von "Freie Presse" bestätigt. Grund dafür sei eine erhebliche Steigerung der zu erwartenden Kosten - anstatt mit ursprünglich 1,75 Millionen werde inzwischen mit etwa 2,75 Millionen Euro gerechnet. Ursache für den Preisanstieg um mehr als die Hälfte sei eine generelle massive Erhöhung der Baukosten. Doch auch der Umfang der erforderlichen Leistungen habe im Zuge der Planung zugenommen: So müssten aus statischen Gründen mehr Abbrucharbeiten und wegen des Baugrundes mehr Gründungs-, Entwässerungs- und Erdarbeiten vorgenommen werden als zunächst angenommen.

Die Bauhauptleistungen für den Rohbau einschließlich Abbruch, neuem Innenputz, Wärmedämmverbundsystem und Estrich waren bereits im Dezember 2017 ausgeschrieben worden. Laut Stadtverwaltung hatten drei Firmen dafür Angebote abgegeben. Aufgrund der hohen Angebotspreise habe die Ausschreibung jedoch im März aufgehoben werden müssen. Die Entscheidung, das Vorhaben auf Eis zu legen, hätten die zuständigen Ämter und Bürgermeister mit der Oberbürgermeisterin abgestimmt. Es sei aber nicht endgültig gestoppt, sondern soll wieder aktiviert werden, wenn sich die Baupreise normalisiert haben. Daher bleibe die Kita auch weiterhin im Kita-Bedarfsplan und der Awo-Kreisverband ihr Träger.

"Wir sind darüber lediglich informiert worden", erklärt Awo-Geschäftsführer Jürgen Tautz. Er bedauert, dass damit auch das gemeinsame pädagogische Konzept für Kita, Hort und Kindertagespflege in Reichenhain vorerst gestoppt ist.

Nach Tautz' Angaben können die derzeit 38 Mädchen und Jungen, die von vier bis fünf Erzieherinnen an der Bernsdorfer Straße betreut werden, bis Ende 2019 in dem Ausweichobjekt bleiben. Für die Zeit ab 2020 hat die Stadt der Awo für die Reichenhainer-Wichtelberg-Kinder Räume an der Fürstenstraße in den Yorck-Arkaden als Übergangslösung angeboten. Sie sind in den vergangenen Wochen zunächst für die Kita "Zeisignest" der Stadtmission eingerichtet worden, die dort laut Stadt am 1.Juli öffne, aber nur bis zum Umzug in die neue Kita in Reichenbrand benötigt werde. Eltern aus Reichenhain, denen der Weg ins Yorckgebiet zu weit ist, biete das Jugendamt Hilfe beim Finden von Kita-Plätzen in anderen Stadtteilen an.

Heimatvereins-Vorsitzende Almut Bothe hat am Donnerstagnachmittag im Rathaus Briefe abgegeben, in denen Sie die Stadtratsfraktionen um Unterstützung bittet. "Bitte stellen Sie ausreichend Mittel im Haushalt zur Verfügung, damit der ,Reichenhainer Wichtelberg' wieder zum Leben erweckt wird!", heißt es in den Schreiben. Wenn die Sanierung zu teuer sei, könnte doch ein kostengünstiger Neubau geplant werden. Dafür will der Verein zum Heimatfest am 23./24. Juni Unterschriften sammeln.


Kommentar: Schwer zu vermitteln

Zwölf neue Kindertagesstätten entstehen derzeit in Chemnitz. Ihre Baukosten liegen in den meisten Fällen um die drei Millionen Euro - bei 100 Plätzen. Dass die Stadt in Reichenhain nicht die gleiche Summe für nur etwa halb so viele Plätze ausgeben will, ist nachvollziehbar. Trotzdem ist die Entscheidung schwer zu vermitteln. Denn wieder bleibt ein Stadtteil auf der Strecke, in dem die einzige Kita eine wichtige Rolle für den Zuzug junger Familien und das Ortsleben spielt. Daher sollte die Stadt die versprochene Sanierung und Erweiterung so schnell wie möglich in Angriff nehmen. Die Kassenlage ist gut.

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3Kommentare
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  • 2
    0
    cn3boj00
    18.06.2018

    Die Eltern sollten nicht lockerlassen und vors Rathaus ziehen. Außerdem hilft es manchmal, die Stadtratsfraktionen anzuschreiben und um Hilfe zu bitten. Aus den Antworten kann man dann auch ersehen, wen man beim nächsten Mal nicht wieder wählen kann! Ach ja, und der Rote Daumn möge sich doch mal melden und seine Meinung erklären?

  • 1
    1
    Katzenkinder
    17.06.2018

    Welch ein Trauerspiel. Vor Jahren wurden durch die Bebauung der Felder viele junge Familien nach Reichenhain " gelockt " mit dem Versprechen es gibt Kita,Grundschule usw und nun wird die einzige Kita im Ort ausgelagert. So ein Irrsinn zum einen soll die Sanierung zu teuer sein für die Stadt zum anderen hat die Stadt einiges an Überschuss aus vergangenen Jahren. Komisch nur dass es an Kitaplätzen fehlt und hier wird eine Kita ausgelagert in die Fürstenstrasse. Welcher Reichenhainer meldet sein Kind dort an wo er doch hier wohnt und die Kita nicht auf den Arbeitsweg liegt. Die Vorschläge der Stadt sind absolut nicht tragbar die den Eltern gemacht wurden. Von wegen die Stadt hilft bei eventuellen Umsetzungen falls ein anderer Platz gewünscht wird. Wenn man jetzt einen Platz hat wird es schwierig sein, sein Kind für eine andere Kita anzumelden. Glauben die Vertreter der Stadt den selbst diesen Blödsinn über den die Eltern da informiert wurden. Von wegen das Projekt würde in einen späteren Plan wieder neu aufgenommen . Über kurz oder lang wird es für den Standort Reichenhain keine Kita mehr geben. Schade.

  • 6
    1
    cn3boj00
    15.06.2018

    Da werden neue Kitas gebaut, weil es zu wenige gibt, und bestehende Standorte werden geschlossen, weil die Sanierung zu teuer ist? Was ist denn das für eine Milchmädchenrechnung? Wenn die Sanierung darin besteht, das alte Haus platt zu machen und ein neues hin zu bauen weil das preiswerter ist wäre das auch okay. Außerdem ist doch die Behauptung "Ursache für den Preisanstieg um mehr als die Hälfte sei eine generelle massive Erhöhung der Baukosten" doch eine Milchmädchenrechnung, denn wenn das so ist, verteuert sich nicht nur die Sanierung, sondern ein Neubau genau so. Für mich nicht nachvollziehbar. Im übrigen sieht man wieder wohin es führt wenn man sich jahrelang totspart und dann plötzlich einen Bauboom auslöst. So wird die öffnentliche Hand nie in der Lage sein kostengünstig zu bauen.



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