Stadt plant neue Lösung für Radfahrer auf Zwickauer Straße

Am Fuße des Kaßbergs kommt es immer wieder zu heiklen Situationen. Das Problem ist seit Jahren bekannt - doch nun könnte alles recht schnell gehen.

Kaßberg/Kapellenberg.

Der Bereich steht bei Auto- und Radfahrern gleichermaßen in der Kritik, als eine der wohl heikelsten Stellen, an denen Vertreter beider Spezies im Chemnitzer Stadtverkehr regelmäßig aufeinandertreffen: das Ende der Radfahrspur auf der Zwickauer Straße, landwärts, kurz vor der Marianne-Brandt-Straße. Bis dorthin rollt der Verkehr beinahe mustergültig - zwei Spuren für die Autos auf der Bundesstraße, rechts daneben ein eher breiter Streifen für Radfahrer, vergleichsweise deutlich voneinander getrennt durch eine durchgezogene weiße Linie.

Doch etwa 200 Meter vor der viel befahrenen Ampelkreuzung Barbarossa-/Goethestraße ändert sich die Situation plötzlich: Der Radfahrstreifen endet im Nichts; wer dort unterwegs ist, gerät direkt in die rechte Fahrspur der Autos hinein, die dort, wenn es rollt, mit Tempo 50 und schneller unterwegs sind. Der Grund für die neue Aufteilung der Fahrbahn findet sich am linken Rand: Dort wird vor der Kreuzung Platz für eine dritte Spur benötigt, als gesonderte Aufstellfläche für bei Rot wartende Linksabbieger.


Regelmäßige Nutzer der Strecke wissen um diese Besonderheit. Radfahrer weichen zum Weiterfahren mitunter vorsichtshalber auf den Gehweg aus oder nutzen einen Schleichweg quer durch den Hinterhof eines angrenzenden Karrees aus Wohn- und Geschäftshäusern. Dennoch bleibt die Stelle kritisch, seit Jahren werden immer wieder Forderungen nach einer Änderung laut.

Nachdem auch bei der Dialogwerkstatt "Chemnitz diskutiert", die die "Freie Presse" vor einem Vierteljahr zur Zukunft der Mobilität in der Stadt veranstaltet hatte, das Thema wiederholt angesprochen wurde, scheinen die Verkehrsplaner nun Nägel mit Köpfen machen zu wollen. "Die Stadt prüft die Einrichtung einer regelkonformen, attraktiven und sicheren Radverkehrsanlage bis zur Kreuzung Barbarossastraße", bestätigt eine Rathaussprecherin. Wegen des begrenzten Straßenraumes wären dabei Eingriffe in die bestehende Infrastruktur jedoch nicht zu vermeiden. Eine Vorzugslösung soll noch in diesem Sommer feststehen, so die Sprecherin weiter. "Diese könnte dann im kommenden Jahr baulich umgesetzt werden."

Ralph Sontag vom Radfahrerclub ADFC in Chemnitz kennt noch eine ganze Reihe von Stellen im Stadtverkehr, die - zumindest aus Radfahrersicht - als ähnlich problematisch eingeschätzt werden. So erreichten den Verein zunehmend Beschwerden über die Radverkehrsführung am Falkeplatz, einem der größten Verkehrsknoten der Stadt. "Die Situation ist dort zum Teil unzumutbar", sagte er. Auch an der Schaltung der Ampeln entlang der neuen Straßenbahntrasse über die Reichenhainer Straße zum Campus der Uni gebe es Kritik. "Für Radfahrer ist die nicht besonders günstig."

Mit Blick auf den angestrebten Bau neuer Radwege im Stadtgebiet sieht der ADFC ebenfalls Diskussionsbedarf, so Sontag. Denn anders als beim Kfz-Verkehr, bei dem vom kleinen Flitzer bis zum großen Lastwagen alle mehr oder weniger im selben Tempo unterwegs sind, gingen die auf Radwegen gefahrenen Geschwindigkeiten mehr und mehr auseinander. "Das heißt, die Radwege sollten so breit sein, dass dort auch ein Überholen möglich ist."

Das Problem: Der Platz entlang vieler Straßen ist begrenzt, die Interessen aller Verkehrsteilnehmer - Fußgänger eingeschlossen - unter einen Hut zu bringen, bisweilen ein Ding der Unmöglichkeit. Seit einigen Jahren allerdings beraten Stadträte, Vertreter der Ämter, Ortschaftsräte und Bürgerplattformen mit Interessenverbänden aktuelle Fragen des Radverkehrs in der Stadt in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe (AG Rad). "Eine hochgradig sinnvolle Sache", meint ADFC-Mann Sontag. "Auch wenn wir dort natürlich nicht immer einer Meinung sind."

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