Stadt will Clauss Dietels Sammlung kaufen

Viele seiner Arbeiten und Modelle sollen an die Kunstsammlungen gehen. Der Formgestalter hofft, dass Kollegen ihm folgen.

Ob Kraftfahrzeuge, Heimelektronik oder Bürotechnik: Als Formgestalter wirkte Karl Clauss Dietel in vielen Bereichen weit hinein in den Alltag der Menschen in der DDR. Von der Lautsprecherbox in Kugelform über die legendäre Schreibmaschine "Erika" bis zu Mopeds und Motorrollern der Marke Simson - Dietel prägte das ostdeutsche Design über Jahrzehnte maßgeblich mit. Seine Arbeiten avancierten zu Klassikern, sind heute in großen Museen wie der Pinakothek der Moderne in München, dem Haus der Geschichte in Bonn und dem Grassi-Museum für Angewandte Kunst in Leipzig zu sehen. Vor fünf Jahren wurde er für sein Lebenswerk mit dem Bundesdesignpreis ausgezeichnet - als erster ostdeutscher Formgestalter überhaupt.

Die Privatsammlung des 84-Jährigen mit persönlichen Entwürfen und einer Vielzahl von Ausführungen soll seinem eigenen Wunsch nach seiner Heimatstadt Chemnitz möglichst erhalten bleiben. Hier und nicht irgendwo sonst sollte sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, betont er. "Was wir, meine Kollegen und ich, hier geschaffen haben, wäre nicht denkbar ohne die industriekulturelle Tradition dieser Stadt", so Dietel.

Stimmt der Kulturausschuss am Donnerstag kommender Woche zu, wäre der Weg frei für einen Erwerb der "Sammlung Prof. Karl Clauss Dietel, Chemnitz" durch die städtischen Kunstsammlungen. Die Hälfte der dafür veranschlagten 64.000 Euro sei bereits bei der Landesstelle für Museumswesen eingeworben worden, heißt es aus dem Rathaus. Der Rest müsste als städtischer Eigenanteil aufgebracht werden.

"Ziel ist es, die Sammlung Dietel in den Museen der Stadt Chemnitz dauerhaft zu präsentieren sowie für auswärtige Ausstellungen und Forschungszwecke zugänglich zu machen", sagt Kulturbürgermeister Ralph Burghart. Als Dauerleihgabe solle die Sammlung zunächst ins Industriemuseum gehen, um dort erfasst und in einem Magazin geordnet zu werden. Denkbar, aber nicht zwangsläufig sei, die Sammlung später aufzuteilen: Technische Geräte etwa könnten im Industriemuseum verbleiben, Arbeiten auf Papier an die Kunstsammlungen gehen.

Dietels Sammlung umfasst Exponate vom Modell bis zum fertigen Objekt, Entwurfs- und Modellskizzen, Fotos und Unterlagen. Die rund 50 Stücke decken einen Zeitraum von den frühen 1960er-Jahren bis in die 2000er-Jahre hinein ab. Als wertvollste Bestandteile weist eine erste Übersicht Modelle aus Kunststoff und Gips von Pkw aus, die Dietel federführend für den DDR-Automobilbau entwarf. Die Kompaktwagen, die ein wenig an die später entstandene erste Generation des VW Golf erinnern, wurden nie gebaut.

In welcher Form auch immer seine Sammlung künftig von den Museen der Stadt aufgegriffen und verwendet wird: Formgestalter Dietel würde sich wünschen, dass sie zur Keimzelle wird für eine umfassendere Leistungsschau der hiesigen Produkt- und Formgestalter-Tradition. "Ich fände es gut, wenn Kollegen, die Ähnliches und Wichtiges geleistet haben, sich dem anschließen könnten", sagte er.

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4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 5
    1
    Blackadder
    18.09.2019

    Da ich Herrn Prof Dietel auch schon persönlich kennenlernen durfte, kann ich nur sagen: ein sehr feiner, intelligenter Mensch, dessen Leistungen gar nicht hoch genug eingeschätzt werden können.

  • 5
    0
    Lesemuffel
    18.09.2019

    Gutes Vorhaben! Diese Sammlung würde dem Ansehen unserer Stadt gut tun.

  • 12
    0
    KatharinaWeyandt
    18.09.2019

    Das ist eine sehr gute Absicht, dass diese Sammlung nicht nur in Einzelstücken erhalten bleibt. Er hat auch alles so gut aufgeräumt zusammen, da wird die Aufgabe leicht sein :-).

  • 12
    1
    cn3boj00
    18.09.2019

    Dietel war der Colani der DDR. Eine Sammlung für die Öffentlichkeit wäre begrüßenswert.



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