Stadtgeflüster : Andrea Berg und ihr besonderer Fan

Eine Frau im Schlager-Rummel, ein Turnier mit Kohle-Faktor und ein goldenes Ei im Crimmitschauer Wald.

Andrea Berg, Schlagersängerin, empfing ihre Fans in allerbester Wochenendlaune. Am Samstag hielt ihr Tourbus vor der Sachsen-Allee. Normalerweise finden die meisten Autogrammstunden mit Musikern in der Ladenstraße statt. Bei Andrea Berg war das aber nicht möglich: Zu viele Menschen wollten eine Unterschrift ihrer Lieblingssängerin ergattern. Mehr als 700 Fans zählten die Veranstalter. Unter diese hatte sich auch die 37-jährige Nancy Köhn gemischt. Sie sagte über sich selbst: "Niemand mag die Musik von Andrea Berg so gern wie ich." Alle Alben der Musikerin stehen bei ihr daheim im Regal, logisch. Dazu hängen aber auch Poster an der Wand, stehen mit Bergs Konterfei bedruckte Tassen in ihrem Schrank. An ihrem Schlüssel hängt ein Andrea-Berg-Anhänger, sie unterschreibt mit einem Andrea-Berg-Stift, sammelt Andenken in einer Andrea-Berg-Fankiste - kurz und gut: In Nancy Köhns Wohnung sieht es aus wie im Andrea-Berg-Paradies. "Ich fahre zu den meisten ihrer Konzerte, jetzt viermal in Folge auch zu den Auftritten in ihre Heimatstadt Aspach", so Nancy Köhn. Dort gibt die Sängerin regelmäßig heimatliche Gigs.

Für die Chemnitzerin ist die Fahrt dahin nicht unkompliziert. Denn sie ist erblindet. "Zum Glück unterstützen mich viele Freunde", sagte sie am Samstag erleichtert, als es bei der Autogrammstunde mal wieder mächtig eng unter den Fans zuging. Hilfsbereit zeigte sich der umringte Stargast. Andrea Berg hatte für ihre Fans Mosaiksteinchen mitgebracht, die Glück bringen sollen. Nancy Köhn: "Andrea hat mir persönlich ein schönes ausgesucht. Es bekommt einen Ehrenplatz in meiner Sammlung."


Mirko Dreischarf, geschäftsführender Gesellschafter der Tanzschule Emmerling, hatte in der vergangenen Woche seinen Tanzsaal geöffnet. Auf einem Tisch in der Mitte des Raumes stand ein gläserner Pokal. Den soll es jedoch nicht für die elegantesten Schritte geben, sondern für die besten Schmetterer. Dreischarf kann nämlich auch anders. Er gibt nicht nur auf dem Parkett den Ton an, sondern will nun mit einigen Freunden und Mitarbeitern eine Volleyballmannschaft verstärken. Mit diesem Team tritt er am 4. Mai beim 13. Benefiz-Volleyballturnier des Lions-Clubs Chemnitz-Agricola an. Aber nicht nur Mirko Dreischarf will sich den begehrten Wanderpokal, ein Acrylglasobjekt des Künstlers Steffen Volmer, sichern. Auf den Hauptpreis schielen auch andere Unternehmer: Der Firmenkunden-Marktgebietsleiter der Deutschen Bank, Michael Erfurt, zum Beispiel, ebenso die Vorsitzende vom Elternverein krebskranker Kinder, Inge Oehme, oder die Steuerberaterin Silke Lachmann, die Zahnärzte Annelore Ludwig und Tom Barthel und der Chemnitzer IBM-Mann Andreas Wild. Natürlich springen sie alle nicht nur ans Netz, um sich gegenseitig zu beweisen, wer der bessere Sportler ist. In erster Linie geht es bei dem traditionellen Turnier um mächtig viel Kohle. 800 Euro zahlt jede Mannschaft fürs Mitspielen. Der Erlös geht an soziale Einrichtungen, zum Beispiel den Elternverein an Krebs erkrankter Kinder oder die soziokulturelle Einrichtung Kraftwerk auf dem Kaßberg. Lions-Präsident Michael Erfurt freut sich nun: "In diesem Jahr werden wir die 100.000 Euro-Marke knacken. So viele Spenden bisher gesammelt zu haben, macht uns mächtig stolz."

Martin Berke, Kabarettist, Harald Deckow, Versicherungsmakler, und Kosmetikerin Bibi Arnold haben eines gemeinsam: Sie alle ziehen vor Ostern die Spendierhosen an. Bibi Arnold hat goldene Eier gefüllt. Glänzende Überraschungen versteckt sie am 19. April im Crimmitschauer Wald, am 21. April am Totenstein, am 22. April am Wasserschloß Klaffenbach. Wer an diesem Tag auf Suche geht, kann jeweils eines der Eier voller Schönheitsüberraschungen finden. Martin Berke wird sich am Ostersamstag wieder die Hasenohren aufsetzen und fragen: "Haddu Möhren?" In seinem Solo-Stück will er aber auch ein Osternest an den Eingang stellen. Dort gibts zwar nix rauszuholen, kann aber was reingelegt werden: Spendengeld für einen Rollstuhlfahrer, der Deutscher Meister im Rollstuhl-Skaten ist und nun ein neues Spezialgerät braucht. Harald Deckow setzt derweil auf Tradition: Chemnitz sucht das Osternest, heißt seine Initiative. Überall im Stadtgebiet von Chemnitz versteckt er wieder Präsente.

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