Stadtgeflüster: Besuch aus Fernost im Industriemuseum

Warum ein Japaner nach Chemnitz kam, wer das Opernhaus zum Bersten brachte und wie Gartenfrüchte gerettet werden.

Seiji Horii, Student aus Japan, besuchte in der vergangenen Woche das Industriemuseum. Der Weg dahin war weit. Denn Seiji Horii kam direkt aus der japanischen Stadt Kobe angereist. An der dortigen Universität schreibt er seine Dissertation im Fachgebiet Wirtschaftsgeschichte über die Industrialisierung in Sachsen. Der Kontakt kam über den Chemnitzer Jörn Richter zustande. Dessen Vater, langjähriger Leiter des Stadtarchivs und Historiker, hatte einst Bücher über Chemnitzer Industriegeschichte geschrieben. Und eines dieser Werke wollte Seiji Horii von Japan aus bestellen. "Da bin ich hellhörig geworden und wollte wissen, wer sich in Japan für unsere Industrietradition interessiert", so Jörn Richter. Als er erfuhr, dass es ein junger Student mit eben diesem Dissertationsthema war, hielt Richter das für eine Sensation. "Ich habe Sejii Horii alle mir verfügbaren Bücher zu dem Thema geschickt und ihn eingeladen, sollte er mal in Sachsen sein, mit mir die Chemnitzer Orte zu besuchen, die untrennbar mit der Industrialisierung in Verbindung stehen." In der vergangenen Woche war es soweit. Der Japaner schaute sich unter anderem das Industriemuseum, die Bernhardtsche Spinnerei in Harthau und die Schönherrfabrik an.

Dorit Gäbler (Foto und Gunther Emmerlich (Foto), sorgten am Samstagnachmittag für einen wahren Besucherrekord in der Theater-Reihe "Ausgeplaudert". Regelmäßig bittet Bariton Matthias Winter zu dieser kleinen Plauderstunde. Meist kommen da so 50 bis 100 Zuschauer zusammen. In Vorbereitung der Wiederaufnahme des Musical-Krachers "My Fair Lady" am 12. Oktober im Opernhaus plauderte Winter, der im Stück den Henry Higgins spielt, mit den Stargästen der Inszenierung: Dorit Gäbler und Gunther Emmerlich. Und da musste das Kartenkontingent ordentlich aufgestockt werden. Denn insgesamt 150 Zuschauer hatten sich ins Rangfoyer gequetscht, um Dorit Gäblers Erlebnisse als Chansonnière und Gunter Emmerlichs Leidenschaft für Dixie-Musik zu lauschen.

Thomas Seidel, Initiator der Ernte-Initiative "direktvombeet.de", hat sich die Rettung von Gartenfrüchten auf die Fahnen geschrieben. Und jetzt, zur besten Erntezeit, konnte er auch noch den Stadtverband der Chemnitzer Kleingärtner für seine Aktion gewinnen. Alle 180 Chemnitzer Spartenvorstände erhielten dazu ein Aktionspaket, welches einen Aushang und sogenannte Frisch-Anhänger beinhalteten. Diese Anhänger signalisieren, dass der jeweilige Gartenbesitzer, der sich den Sticker ans Tor hängt, keine Früchte auf den Kompost wirft. Gleichzeitig sollen Vorbeikommende und Spaziergänger aufgefordert werden, mit dem jeweiligen Kleingärtner quasi über den Gartenzaun ins Gespräch zu kommen, und nach überschüssigem Obst und Gemüse zu fragen oder auch Erntehilfe anzubieten. Jens Peter, Vorstandsvorsitzender des Stadtverbandes der Kleingärtner, freute sich: "Das Bewusstsein für Ökologie und Nachhaltigkeit spielt in der heutigen Zeit, genauso wie die Regionalität eine fortwährend größere Rolle." Immer mehr Menschen wollten gesunde Nahrung und würden hinterfragen, woher die Lebensmittel stammen. "Und genau das spiegelt die Grundsätze des Kleingärtnerns wieder", so Jens Peter. Die Aktion, fremde Menschen an Gartenerträgen zu beteiligen, sei bundesweit einzigartig. Thomas Seidel: "Allein in Chemnitz sind knapp 15.000 Kleingartenparzellen vorhanden, damit ist Chemnitz sogar in den Top 10 des bundesweiten Kleingarten-Rankings." Er rechnete vor: Wenn jeder Kleingarten nur ein Kilogramm Äpfel abgäbe, so hätte man in der Stadt 15 Tonnen Obst ohne Handel, ohne Verpackung und ohne weiten Transport bewegt.

Dagmar Zemke, Künstlerin und Kuratorin der Ausstellungen des Vereins "Kunst für Chemnitz", hat einen richtigen Coup gelandet. Sie hatte sich vor einiger Zeit dafür eingesetzt, dass der westsächsische Graffitikünstler Tasso, bürgerlich heißt er Jens Müller, einige seiner berühmten Werke und flankierend dazu Zeichnungen in der Galerie im Heck-Art-Haus zeigt. Schon zur Eröffnung fiel da kein Stein zu Boden, weil Kunstfreunde und -sammler aus der gesamten Region gekommen waren. Nun zeigt sich aber: Das Interesse will gar nicht nachlassen. Auch zu den Öffnungstagen der Galerie kommen täglich viele, viele neugierige Kunstfans zum Gucken.

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