Stadtgeflüster : Die Kult-Winzer vom Weindorf

Chemnitzer rennen Rheinhessen die Bude ein, Karnevalisten gehen zu Wasser und Komparsen gucken ihren eigenen Film an.

Foto links: Die Winzer Markus Fuhr und Bernd Rickmann (von links). Foto oben: Die Paddler René Layritz, Hendrik Rottluff, Lutz Neubert, Dominic Uhlig, Rebecca Schott und Martin Schmiedel (von links). Foto unten: Die Komparsen Marlen Häcker, Birgit Kempt, Michaela Banert, Jakob Nützler, Klaus Scholze und Sylvia Uhlemann (von links).
Stadtgeflüster : Die Kult-Winzer vom Weindorf
Stadtgeflüster : Die Kult-Winzer vom Weindorf
Stadtgeflüster : Die Kult-Winzer vom Weindorf

Siegfried Ade (Foto), Organisator des Chemnitzer Weindorfes, hatte sich am Samstag das heißeste Plätzchen auf dem Neumarkt ausgesucht. Während seine Gäste dicht an dicht standen und sich mit Rosé- und Weißweinen abkühlten, hatte er sich in einer Bude an den Grill gestellt. "Einer muss ja", rief er gut launt und warf einen kurzen Kontrollblick aufs Thermometer: "47Grad - ja, das würde ich warm nennen. Ich mach' mal eine Pause und trinke auch ein frisches Tröpfchen." Derweil knüpfte am anderen Ende des Marktes der Winzer Markus Fuhr neue Bekanntschaften. Er und seine Familie haben bisher jedes, aber auch wirklich jedes der mittlerweile 29 Chemnitzer Weinfeste mitgemacht. "Die Menschen rennen uns abends die Bude ein. Und wenn die Markttage hier vorbei sind, dann kommen viele zum Gegenbesuch nach Badenheim in Rheinhessen, wo wir unser Weingut mit angeschlossenem Gästehaus betreiben." Viele Chemnitzer sind dort längst Stammgäste. In den vergangenen vier oder fünf Jahren habe das Weindorf Kultstatus bei den Besuchern erreicht, meinte Siegfried Ade am Samstag. "Vorher gab es auch Jahre, da mussten wir um die Besucher buhlen und kämpfen", sagte er rückblickend. An diesem Wochenende hätte an den Abenden jedoch kein Stein zu Boden fallen können. "Wir zählen ja nicht offiziell, rechnen aber mit insgesamt 15.000 Konsumenten während der zwei Wochen unseres Weindorfes", so Ade.

Lutz Neubert, Vorsteher des Ortsteiles Grüna und dortiger Faschingspräsident, kratzte sich am Samstag verwundert den Kopf. "Was ist denn aus der Schloßteich-Regatta geworden?", fragten er und seine fünf Kapitänsgenossen. Was war passiert? Wie verabredet, erschienen die Grünaer mit ihrem eigens zusammengezimmerten Boot an der Anlegestelle. Sie schraubten noch eifrig, wünschten sich gut gelaunt einen spannenden Wettbewerb. Doch dann gab es gar kein Rennen gegen die anderen Spaßgefährte. "Stattdessen startete jedes Boot einzeln und zwischendurch liefen Wettbewerbe im Pfeil- und Becherwurf", sagte Neubert staunend. Veranstalter Falko Hirsch hatte nach eigenen Angaben kurzfristig die Regeln geändert, um mehr Publikum anzusprechen. "Wir haben die Regatta zum Triathlon umgewandelt, damit die Wettbewerbe spannender werden." Ihren drei Sternen, so viele waren dem Beispiel der Fußballnationalmannschaft folgend für jeden bisherigen Regatta-Sieg der Grünaer auf ihrem Boot aufgemalt, konnten Lutz Neubert und seine Jungs diesmal jedoch keinen weiteren hinzufügen. Denn die diesjährige Regatta mit Spaßwettbewerb gewannen letztendlich die Eishockeyspieler aus Chemnitz. Die "Crashers" waren in drei zusammengeschraubten Acrylbadewannen gestartet. Veranstalter Falko Hirsch ging nach der Party auf Aufräumtour, sammelte mit seinen Leuten alle in den Teich gefallenen Pfeile und Plastikbecher wieder auf. Im nächsten Jahr hofft er auf stärkere Beteiligung. "Es könnten viel mehr Firmen und Vereine ihren Zusammenhalt mit Boot-Teams stärken."

Jakob Nützler, Mitglied im Publikumsbeirat der Chemnitzer Filmnächte, hatte am Freitagabend eine besondere Truppe vor der Leinwand zusammengetrommelt: allesamt Komparsen. Sie hatten vor sieben Jahren im Film "Die Quellen des Lebens" mit Jürgen Vogel in der Hauptrolle mitgespielt. Der Film wurde damals hauptsächlich in Mitteldeutschland gedreht. Nun konnten die Statisten noch mal auf der Leinwand unter freiem Himmel gucken, wie sie damals vor der Kamera agiert hatten. "Ein kleines Netzwerk der ehemaligen Darsteller hat sich bis heute erhalten", so Nützler. Er selbst hatte in den Jahren danach noch mehrfach in der Filmbranche gearbeitet, unter anderem als Drehassistent. Nachdem die Komparsen am Freitag den Theaterplatz bevölkerten, schwirrten am Samstag die "Dirty-Dancing"-Fans in ihren Petticoatkleidern und Anzügen herbei. Denn da lief der Kultfilm - mit Tanzkurs im Vorfeld und Party im Nachgang. Gleichzeitig war Halbzeit bei den Filmnächten. 10.000 Kinobesucher waren bisher da.

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