Stadtgeflüster: Die Mama und ein angerichtetes Chaos

Mit wem Musiker Eckehard Bauer feierte, warum sich ein Fotograf ablichten ließ und was Georgier in Chemnitz backen.

Eckehard "Ecke" Bauer, Lehrer, Musiker und Chemnitzer Stadtrat, feierte am Samstagabend im Eventhaus "Arno" auf dem Kaßberg seinen 60. Geburtstag nach. Der stand schon eine Woche vorher im Kalender. Weil der vielleicht bekannteste Rockmusiker der Stadt jedoch mit so vielen Freunden anstoßen wollte, hatte er die Party auf einen Samstag gelegt. Zum Gratulieren kamen nicht nur enge Kumpels, zum Beispiel der langjährige oberste Wirtschaftsförderer der Stadt, Ulrich Geißler. Nö, auch die Mama hatte sich unters Partyvolk gemischt - mit 86 Jahren wohlgemerkt. Und während Sohnemann auf der Bühne stand und doch ganz ordentlich Druck aufs Mikrofon gab, klatschte die Frau Mutter knapp zehn Meter von der Box entfernt begeistert in die Hände. "Meine Mama, die hat es echt drauf", erzählte Eckehard Bauer später begeistert und gab eine vor nicht allzu langer Zeit geschehene Geschichte zum Besten: "Wir waren einen Kaffee trinken, als meine Mutter anschließend die Geldbörse zückte", erinnerte sich der Musiker, der darauf zu seiner Mutter gesagt hatte: "Lass mal, das bezahle ich schön aus meiner Kasse." Darauf die resolute Frau: "Als ich dich vor 60 Jahren auf die Welt brachte, da habe ich das Chaos angerichtet. Jetzt muss ich dafür auch bezahlen!"

Lisa Hulinsky (Foto), Jazzmusikerin, sang auf Eckehard Bauers Party die alten Haudegen an die Wand. Mehrere Bands gratulierten dem Stadtrat mit einem Ständchen, darunter Theaterservice-Chef Stefan Otto mit seiner Combo "Teilzeit" und Wanderleiter Thomas "Böhmerlangi" Lang mit seiner "Horst-Adler-Kapelle" - alles publikumsbegeisternd, klar. Als aber die zarte Lisa ans Mikro trat und ihr Bandbassist Alexander Heinze in die Saiten griff, da spitzten die wahren Musikkenner ziemlich die Ohren: "Richtig, richtig gut!", tuschelte es aus der einen Ecke. "Boah, hat die Stimme!", kam es aus einer anderen. Eckehard Bauer selbst ließ es sich nicht nehmen, mit der Musikerin ein Duett zu singen. Zu diesem Zeitpunkt war auch Pflegeheimbetreiber Sebastian Thieswald auf der Tanzfläche angekommen. Vorher hatte er noch hausmännische Qualitäten bewiesen: Mehrfach ging er während der Party durch die Reihen, räumte leere Flaschen weg. "Ich kann es nicht leiden, wenn das Zeug so rumsteht", sagte er achselzuckend.

Dirk Hanus, Chemnitzer Fotograf, musste jetzt selbst vor die Kamera. Anlass war die Vorstellung seiner neuesten Liebeserklärung an die Stadt. Gemeinsam mit Druckerei-Inhaber Lars Gröer begutachtete er am Freitagnachmittag die druckfrisch aus der Maschine geratterten Aufnahmen für einen besonders farbigen 2019er-Kalender. Eine Quietschbunte Luftaufnahme vom Schloßteich, ein markttreibendes Bild von der Burg Rabenstein und ein frostviolettes Panorama der Innenstadt sind darin abgebildet. "Mein Lieblingsbild ist aber ein Foto vom Marx-Monument", so Dirk Hanus. Die Demonstrationen der vergangenen Monate hätten sowohl Dirk Hanus als auch Lars Gröer veranlasst, die schönen Seiten der Stadt kalendarisch festzuhalten. "Die Jahresgaben gehen an Kunden in ganz Deutschland", so Gröer. "Diese sollen ein Jahr eindrucksvolle Bilder der Stadt sehen." Eine kleine Auflage des Kalenders gibt es auch in den Shops der "Freien Presse".

Victor Lukjanow, Geschäftsmann aus Tiflis in Georgien, hat Chemnitz einen besonderen Ofen geschenkt. Der steht jetzt in einem Laden auf dem Brühl. "So etwas gibt es im ganzen Land nicht", schwärmte Lukjanow am Freitag. Einen Tag später eröffnete er sein neues Bistro "Mimino" - in Georgien nennt man so kleine Falken. An die runden Wände des verputzten Keramikofens werden Hefeteiglinge "geklatscht", die dann dort zu duftigen Fladen ausbacken. Wahlweise können die Brote als Backware für daheim gekauft oder mit Käse, Ei oder Hackfleisch im Bistro verspeist werden. "In Georgien hat das Backen des eigenen Brotes Tradition", so Victor Lukjanov. "Und ich kann jetzt ein Stückchen Heimat mitten in Chemnitz genießen". Geöffnet ist täglich außer montags.

Peter Kallfels (Foto), Künstler, ist einer von 60 Künstlern, deren Arbeiten in der Jahres-endschau des "Weltechos" hängen. Vernissage zu Schau war am Samstag. "Es ist für mich eine der schönsten Ausstellungen des Jahres, weil sie so abwechslungsreich ist", hatte Kallfels davor geschwärmt. Wer genau auf die Zettelchen zur Kunsturheberschaft schaute, entdeckte Kallfels gleich doppelt: Peter und Richard. Denn Vater Peter hatte heimlich eine Bleigussarbeit seines 13-jährigen Sohnes mit eingereicht. Das Kunst-Gen seines Vaters hat der Junge geerbt, aber offiziell zeigen wollte er es wohl noch nicht. Da musste der Papa einen kleinen Anstoß geben.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...