Stadtgeflüster : Diese Gastronomen wagen etwas Neues

Frische, gute Produkte, mehr Miteinander: Junge Gastwirte erobern die Restaurantszene in Chemnitz und Umgebung.

Ronny Pester, Koch aus Limbach-Oberfrohna, hat jetzt das erste Haus am Platz in seiner Heimatstadt übernommen. Er ist der neue Inhaber der Ratsstube. Es war die Liebe zu seiner Familie, den Eltern und Großeltern, die ihn hier wieder landen ließ. Denn Ronny Pester und seine Frau Antje waren längst gen Bayern gezogen, um dort den gastronomischen Gipfel zu erklimmen. Statt Alpengourmet und Schickeria bestimmen nun Familienliebe und Heimatnähe das Leben. "Wo wir exquisit und gut kochen, ist doch egal, oder?", meinte Ronny Pester mit einem Lachen. Der 40-Jährige hatte in Bayern seinen Beruf erlernt und konnte sich danach am Herd so richtig austoben. Er führte ein eigenes Restaurant und arbeitete mit Promi-Köchen wie Stefan Marquard zusammen. Er lernte Holger Stromberg kennen, der damals der Chefkoch der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft war, und wirkte in dessen europaweit tätigem Cateringunternehmen mit. Und trotzdem: "Zurück in Limbach-Oberfrohna sind wir jetzt gut geerdet", so Ronny Pester. Eine Ratsstube zu übernehmen, ist nämlich kein Ding, das sich so einfach wuppen lässt. Denn langjährige Gäste versteifen sich auf ihre Gewohnheiten, bauliche Modernisierungen lassen sich im Keller unter dem Rathaus schwerer gestalten als anderswo. "Wir haben die Speisekarte trotzdem modifiziert und der Zeit angepasst", so Ronny Pester. Dafür flogen Mikrowelle und Fritteuse aus der Küche. "Manchen gefällt das nicht", hat der Koch erlebt. Seinen Anspruch an eine gesunde, nachhaltige, regionale und saisonale Küche hält er trotzdem hoch. "Ich bereite ausschließlich gesunde Produkte zu. Punkt", sagte er rigoros. Das Fleisch komme von befreundeten Metzgern. Den Wein habe der Mann mit Leidenschaft fürs Sommelieren sorgfältig ausgewählt, Gebäck bereite auch schon mal die Tochter mit Liebe zu. "Wir kochen und bedienen einfach mit sehr viel Herz", erklärte Ronny Pester.

Eric Heim, Koch aus Niederwiesa, ist auch so ein Gourmet mit Herz fürs Produkt. Fertigkost, Dosenware, Fast Food - das würde bei ihm alles nie auf den Teller kommen. Stattdessen hat er sich nun einen Traum erfüllt. Er ist der neue Inhaber vom Fleischladen am Brühl, der am heutigen Samstag öffnet. Die Wände sind mit Kacheln verkleidet, wie sie auch in der Pariser Metro zu finden sind. Statt Speisekarten auf dem Tisch hängt eine riesige Packpapierrolle an der Wand, auf der die Tagesangebote zu lesen sind. Eric Heim sagt: "Bei uns kommt in die Theke und auf die Tische nur das, was es aktuell grad beim Bauern gibt." Das Konzept des Fleischladens: Er ist halb Metzgergeschäft, halb Spezialitätenrestaurant. Wer in der Auslage ein schönes Stück Fleisch entdeckt, kann es sich unkompliziert in der Küche nebenan braten lassen. Dazu gibt es Bauerngemüse oder frisch zubereitete Ravioli. "Mittags servieren wir auch mal Kartoffeln, Quark und unsere hausgemachte Leberwurst", so Eric Heim. "Das geht schnell, ist lecker und gesund." Dazu gibt es im Laden Honig, Wein, Liköre, Aufstriche - alles geliefert von Direktvermarktern, teils in Bioqualität. Frische Fleischwaren, mal Rind, mal Schwein, mal Gans, mal Lamm, gibt es am Brühl bis in die späten Abendstunden.


Jatinder Singh Goraya, Inhaber des Restaurants "Namaste India", hat sein Chemnitzer Lokal seit Ende August an der Inneren Klosterstraße geöffnet. Seitdem brumme der Laden so sehr, sagt er, dass er auf Nachbarschaftshilfe hoffen muss. Und die bekommt er auch. "Letztens war unser Freisitz komplett gefüllt", erinnerte er sich. "Da hatten die Inhaber von Dean&David und Hans-im-Glück erlaubt, dass wir unsere Gäste auch an deren Sitzgarnituren bedienen durften. Das fand ich klasse." Gerichte mit Aromen aus dem Land der Gewürze tischt Jatinder Singh Goraya auf. "Vor allem aber sind unsere Speisen gesund und frisch. Das ist mir besonders wichtig." Goraya betreibt in Dresden vier weitere Restaurants, wird nun aber erst mal in Chemnitz sein Lager aufschlagen. "Es ist wichtig, während der Startphase hier Präsenz zu zeigen." Ein bisschen schaut er auch schon nach anderen Geschäftsräumen. "Wir werden uns sehr bald vergrößern", meinte er. Derzeit hat er im Innenbereich seines Restaurants 40 Sitzplätze.

Bewertung des Artikels: Ø 4.1 Sterne bei 10 Bewertungen
1Kommentare
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  • 2
    0
    994374
    11.09.2019

    Ich hoffe, dass alle diese Gastronomen erfolgreich sind!
    Besonders für „Der Fleischladen“ auf dem Brühl!

    Wir haben dort jede Menge Friseursalons, auch Bäcker und sogar ein Reisebüro.
    Es fehlen aber Parkplätze für Kunden die besondere Ansprüche haben und wohl meist „außerhalb“ wohnen!
    Auf solche Kunden ist aber der Fleischladen auch angewiesen.
    Da sehe ich leider schwarz für einen Laden mit Waren gehobener Qualität, der solche Kundschaft braucht.
    Die fußläufige Kundschaft des Wohngebietes wird wohl, wie bisher, viel häufiger noch 200 m weiter zum EDEKA an der Georgstr. gehen.
    (Ich fühlte mich nämlich diese Woche ziemlich einsam bei einem Besuch im Fleischladen.)



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