Stadtgeflüster: Ein gutes Tröpfchen aus Chemnitz

Eine Erfindung, ein Verkaufserfolg und eine Tagung, die die Erben einer Ikone ins Jugendstilhaus lockte.

Alois Rettenberger, Geschäftsführer des Fachhandels "Getränkewelt", bettet seine Kunden mitten im Winter auf eine Blumenwiese. Denn so heißt ein Wein, den er gemeinsam mit seinen Mitarbeitern und einem renommierten Weingut entwickelt hat. Es gibt den Wein in Rot, in Weiß und natürlich in Rosé - aber warum nennt man ihn ausgerechnet "Blumenwiese"? Tilman Queins, Oenologe und Mitinhaber des 230 Jahre alten Weinhandelshauses PJ Valckenberg, hat die Weinedition zusammen mit den Chemnitzern aufgelegt und weiß: "Kein Architekt, kein Maler kann so etwas Schönes und Ursprüngliches wie eine Blumenwiese erschaffen, die in ihrer Vielfalt an Farben und Formen einzigartig ist." Und so würden sich eben auch in allen drei Weinen der "Blumenwiese"-Reihe verschiedene ursprüngliche, deutsche Rebsorten, von denen jede ihre Stärke und ihren eigenen Charakter hat, vereinen. Seit einigen Wochen ist der Wein nun im Handel. Die "Getränkewelt" vertreibt ihn exklusiv. Schon jetzt können die Chemnitzer und die Menschen in der Region von dem spritzig-frischen Rebensaft gar nicht genug bekommen. Fast 5000 Flaschen gingen allein in den ersten Tagen über die Verkaufstresen.


Klaus Süß, Chemnitzer Künstler, konnte in Sachen Wein- erfolg noch einen draufsetzen. Er hatte im Herbst eine Ausschreibung gewonnen, die deutschlandweit nach einem Grafiker zur Etikettverschönerung für den aktuellen Grauburgunder-Wein des pfälzischen Winzerhauses Winter suchte. Süß hatte eine Druckgrafik angefertigt, die daraufhin die Bauchbinden von über 50.000 Weißweinflaschen zierte. Die gesamte Auflage war binnen einer Woche ausverkauft - und zwar deutschlandweit! "Das gab es noch nie", sagte Sylke Rothe daraufhin anerkennend. Sie ist die Leiterin des Chemnitzer Jacques-Weindepots. Das Handelshaus hatte die Kunst-Etiketten-Aktion ins Leben gerufen. "Es kommen so viele Kunden und wollen den Wein mit der Kunst von Klaus Süß gern unter den Weihnachtsbaum legen. Aber null Chance. Er ist vergriffen", hob Sylke Rothe die Arme. Den Künstler freute es. "Ja, das ist eine schöne Nachricht für mich", sagte er. Und dass sich mit Kunst Genussmittel verkaufen lassen, blieb auch anderen Gourmets nicht verborgen. Ein Erfurter Kaffeehändler klingelte bei Klaus Süß an. Er ließ von ihm seine Bohnen- dosen verzieren.


Andrea Pötzsch, Hausleiterin der Villa Esche, begrüßte am Mittwoch besondere Gäste in ihrer Einrichtung. Zu einer Tagung um das Vermächtnis des Hausarchitekten Henry van de Velde kamen nicht nur mehrere Wissenschaftler von Weltrang in das Chemnitzer Jugendstilhaus, sondern auch zwei Nachfahren des flämischen Architekten und Designers van de Velde. Anneke Seley reiste dafür sogar aus Kalifornien an. Wie sie das architektonische Erbe ihres Ur-Ur-Ur-Großvaters denn so bewerten würde? "Es wäre toll, wenn es mein Haus wäre", sagte sie lachend, als sie die herrschaftliche Villentreppe hinab schritt. "So ist es aber ein Vermächtnis für die Allgemeinheit und das macht mich sehr stolz", erklärte sie dann. Auch ihr entfernter Cousin, Mathijs van Houweninge, ebenfalls ein Enkel-Nachkomme van de Veldes, war am Mittwoch zur Tagung gekommen. Er referierte vor etwa 50 Zuhörern über die Henry-van-de-Velde-Foundation, die die Nachkommen vor einigen Jahren gegründet hatten. "Erst seit einiger Zeit ist uns bewusst, welch großartigen Nachlass unser Vorfahre hinterlassen hat. Dieses wichtige Erbe wissen wir aber inzwischen sehr zu schätzen und tragen es gern in die Welt."


Kai Schmidt, Unternehmer, und René König, Designer, waren vor einigen Tagen noch bei der Miami-Ausgabe der weltgrößten Kunstmesse "Art Basel". Dort staunten sie nicht nur über den weltweit viel beachteten 120.000-Dollar-Verkauf einer einfach an die Wand geklebten Banane, sondern besuchten auch eine ausgewanderte Chemnitzerin: Sylvia Hee, bekannt aus der TV-Doku "Goodbye Deutschland - Die Auswanderer". Gemeinsam mit ihrem Mann will sie derzeit im US-Bundesstaat Florida ein Taschen-Label aufziehen. Die beiden Chemnitzer Schmidt und König besuchten den Laden der Händlerin. "Außerdem trafen wir im Sonnenstaat auch viele Geschäftspartner", so Schmidt. Die "Art Basel" in Miami hatte auch der derzeit in den USA erfolgreiche Chemnitzer Künstler Jean Schmiedel besucht.


Wolfgang Tost, Musiker aus Neukirchen, wurde jetzt in den Ruhestand verabschiedet. Insgesamt 40 Jahre lang war der 65-Jährige musikalisch für die Jugend der evangelischen Kirche Sachsens zuständig. Geboren wurde Wolfgang Tost in Mildenau. Er ist in Burgstädt und Chemnitz aufgewachsen, hatte zunächst Maschinenbaukonstruktion studiert und drei Jahre im Schraubenkombinat gearbeitet. Zunächst hatte er sich für ein Jahr als Praktikant für Singearbeit im Chemnitzer Stadtjugendpfarramt von der Arbeit freistellen lassen. Doch in den Beruf ist er nicht wieder zurückgekehrt, sondern wurde 1979 Singewart der Sächsischen Landeskirche, später Referent für Jugendmusik und Bandarbeit im Landesjugendpfarramt. Neben der Arbeit hat er sein Hobby als Liedermacher gepflegt. Über 250 Texte hat er vertont, sechs CDs herausgebracht, die letzte 2016 unter dem Titel "Was trägt". Ohne Musik wird es aber auch künftig nicht gehen. So will sich Tost weiter um seinen Chor "Zwischentöne" kümmern.

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