Stadtgeflüster : Ein verpufftes Feuerwerk wirft Geld ab

Die Dürre lässt Spenden sprudeln, ein Kräuterpapst lässt Gäste schnuppern, ein IT-Unternehmer lässt Server bauen.

Matthias Krauß, Chef der Zwickauer Agentur Krauß-Event, durfte in Chemnitz keine Böller in die Luft jagen und wirft stattdessen jetzt mit Geld um sich. Was war denn da los? Im Sommer hatte er das Konzert "Classics unter Sternen" auf dem Theaterplatz organisiert. Als Höhepunkt war ein riesiges Feuerwerk geplant. Wegen der anhaltenden Trockenheit konnte das aber nicht durchgeführt werden. Die Dürre ersparte dem Veranstalter somit eintausend Euro. Die Kröten steckte sich Krauß aber nicht ein. Unter dem Motto "Verplant ist verplant", spendete er das Geld halbe-halbe an die Chemnitzer Tafel und an die Kindervereinigung. Es gebe in der Stadt eben auch andere Probleme als die in den vergangenen Tagen diskutierten, kommentierte Krauß seine Entscheidung. Das Knallergeld verwandeln die Mitarbeiter der Tafel in Sprit. "Wir verwenden es zum Betanken unserer Fahrzeuge", sagte Christiane Fiedler, die Leiterin der Einrichtung. Etwa 80 Spender würden die Fahrer täglich ansteuern, darunter Supermärkte und Bäckereien. Die Kindervereinigung will indes Jugendcamps mit der Finanzspritze unterstützen.

Frank Müller (Foto), Inhaber der Agentur "Haus E" und Unterstützer der Initiative "Kreatives Chemnitz", führte am Donnerstag in seinem Showraum an der Brückenstraße viele Gespräche. Da erklärte er nicht nur das Anliegen der Aktion "Chemnitz ist weder grau noch braun", welche er miterarbeitete. Er schwelgte auch in Erinnerungen an ein besonderes Fußballfest. Im Juni kickte er nach einem Aufruf des Lions-Clubs "Richard Hartmann" auf dem Platz am Neubauernweg. Mit seiner wild zusammengewürfelten Mannschaft der kreativen Chemnitzer hatten Müller und alle anderen Teamchefs an dem Tag Antrittsspenden gezahlt. So kamen am Ende 15.500 Euro zusammen, die nun an Chemnitzer Vereine wie das Solaris-Förderzentrum oder von Autismus betroffene Chemnitzer ausgezahlt werden. Müller, der die Dankeschön-Party in seinen Räumen mit einer Grillfete krönte, konnte sich mit seiner Mannschaft zwar im Frühsommer nicht den Turniersieg sichern. Dafür gab es aber einen Trostpreis: eine Trainingsstunde mit CFC-Coach David Bergner.

Ingo Gringer, Standortleiter der MSG Systems AG, hat einen täglichen "Lichtblick". Wenn er aus dem Fenster des Falke-Forums guckt, wo seine Büroräume eingerichtet sind, dann schaut er nämlich auf den gleichnamigen Verein. Und am Donnerstag ging er mal rüber und traf sich mit "Lichtblick"-Einrichtungsleiter Gunnar Werwitz auf ein Grillwürstchen. Einfach so? Nö, auch er hatte einen Scheck dabei. Weil das Unternehmen MSG - in diesem Jahr feierte es 20-Jähriges - in der Vergangenheit so erfolgreich gewirtschaftet hat, konnte Gringer jetzt eintausend Euro an den sozialen Verein zahlen. Dort werden Jugendliche rund um die Ausbildung beraten und für den Einstieg ins Berufsleben fit gemacht. Viele der Mädchen und Jungen, die dort informiert werden, stammen aus sozial schwierigen Verhältnissen. "Wir haben gehört, dass der Verein dringend einen Server für seine Computer- arbeit benötigt", so Gringer. "Dafür stellen wir jetzt das Geld bereit." Mehr als 100 Mitarbeiter sind für die MSG Systems tätig. Chef Ingo Gringer betont, dass er an vielen Stellen den Chemnitzer Standort stärkt. "Wir wollen einfach gute Nachbarn sein", sagt er. Deshalb reinige man die firmeneigenen Handtücher auch nicht in irgendeiner Wäscherei. Den Auftrag vergab Gringer lieber ans Förderzentrum für Blinde und Sehbehinderte an der Flemmingstraße.

Norbert Hanussek, Inhaber des Hartmannsdorfer Restaurants "Laurus", hat sich einen Gewürz-Papst ins Haus geholt: Richard Friedrich, den in der Szene bekannten Gründer der Gewürzmanufaktur "Direkt vom Feld". Am Dienstag schnupperten die beiden Gourmets erst an feinen Pflänzchen, mörserten dann deren Blätter klein und rieselten die Aromen anschließend auf Schlemmerteller aus der Küche. "So konnten wir den Gästen mal nahebringen, wie griechischer Berg-Oregano riecht, was mallorquinischen Paprika so besonders macht und wo echter indischer Urwaldpfeffer wächst", so Hanussek. Seinen Gast entführte der Restaurantchef als Erstes natürlich ins Allerheiligste: den hauseigenen Kräutergarten. Über Quadratmeter hinweg wächst dort beispielsweise pumperlgesunde Brunnenkresse.

Kristian Voigt (Foto), Inhaber der Internetagentur Creativclicks, war einer der Gäste des liberalen Sommerfestes. Der Bundestagsabgeordnete Frank Müller-Rosentritt feierte die alljährliche Sause gemeinsam mit dem Versicherungsunternehmen "Gelbe Streifen" auf deren Grünaer Firmengelände. "Freunde und Kollegen treffen, den Stress der vergangenen Tage abwerfen - dafür ist das Fest wie gemacht", freute sich Agenturchef Voigt. Nach den Demos der vergangenen Tage wurde hier nun lieber "genetzwerkt" und kommuniziert. Politisch eher leise ging es auch am Mittwoch in der Villa Esche zu. Im prachtvollen Jugendstilhaus hatte Gregor Gysi eine Doppelvorstellung.

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