Stadtgeflüster : Eine Reise ins Hotel der Präsidenten

Alle Jahre wieder flittern, endlich heiraten und andere von den Sitzen reißen: Das nehmen sich Chemnitzer für 2019 vor.

Heike Fischer, Vertriebsexpertin und Unternehmerin, wurde vor genau sieben Jahren von ihrem Mann Hans-Jürgen auf der Nordseeinsel Amrum geheiratet. Und nun fahren die beiden regelmäßig immer wieder an den Ort ihres romantischen Geschehens. "Mehr als zwölf Mal waren wir inzwischen hier", schrieb Heike Fischer jetzt aus ihrem Liebesurlaub. Mehr als zwölf? Also dreizehn Mal? Nach Unglück jedenfalls hörten sich die Urlaubserlebnisse der Fischers, da oben zwischen den ganzen "Fischers Fritzen", nicht an: Gut essen, lange Spaziergänge im eisigen Wind, danach heißen Tee am Kamin - so gemütlich erlebten die Chemnitzer den Jahreswechsel mit Inselcharme. Wo es sich auf Amrum gutgehen lässt, wissen Heike und Hans-Jürgen Fischer inzwischen natürlich ganz genau: im Vier-Sterne-Hotel "Pidder Lyng" zum Beispiel. 1926 errichtet und mehrfach umgebaut, logierten in dem Haus schon die einstigen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und Roman Herzog. "Da das Hotel das Lieblingsquartier beider Herren war, fühlten wir uns hier in allerbester Gesellschaft", schrieben die Chemnitzer weiter aus ihrem Liebesurlaub. Alle Jahre wieder am Ort der Hochzeit flittern? "Das ist doch mal ein gutes Vorhaben", sagte Heike Fischer mit einem Lachen.

Andreas Marschner, Betreiber des gleichnamigen Eiscafés, ist aus dem Winterschlaf erwacht. Seit Ende November hatte er seinen Mitarbeitern, seiner Familie und sich selbst auch, eine Erholungspause verschrieben. Jetzt hat die Kultdiele in Siegmar wieder geöffnet und die Eisgenießer können loszüngeln. Denn der Chef hatte während seiner freien Tage einen süßen Traum. "Dinkel-Chips! Zimt! Vanille! Das müsste sich doch zu einem echten Wintergenuss vermischen lassen", hatte er danach geschwärmt. Zimtiges Eis mit Dinkelchips drin? Da hatte Marschner wohl eher ein Déjà-vu statt einen Traum. Die Sorte gab es nämlich schon im vergangenen Januar. "Stimmt", sagte der Eiskreateur mit einem Augenzwinkern. "Das war ja die Sorte, die ratzfatz ausgeschleckert war."

André Donath, Gastronom, kann beim Thema Flitterwochen noch nicht so richtig mitreden. Vor mehr als drei Jahren hat er seiner Dauerverlobten Mandy den Antrag gemacht. Noch glitzert an ihren Fingern aber kein Ehering. Wer redet denn da noch von der Braut, die sich nicht traut? "Ich bin auch nicht der Bräutigam, der sich nicht traut", meinte Donath jetzt und winkte ab. "Es findet sich nur einfach nicht der richtige Zeitpunkt." Klar, in den vergangenen Tagen hatte der Gastronom tatsächlich eine Menge Arbeit. Er hat im laufenden Betrieb das Turmbrauhaus renoviert, mit dem gesamten Team als Verstärkung natürlich. "Da musste mal wieder frischer Wind ins Restaurant", sagte er am Wochenende. "Wir haben den Wänden einen neuen Anstrich verpasst, eine komplett neue Küche eingebaut und Fotos aufgehängt." Die Profis Jörg Riethausen und Dirk Hanus haben Motive für die Umgestaltung angefertigt. Riethausen nahm den Brauvorgang des hauseigenen Bieres ins Visier, damit den Gästen schon vor der Bestellung das Wasser im Mund zusammen läuft. Dirk Hanus, der Mann mit dem besonderen Auge für Chemnitzer Architektur, steuerte dann noch Stadtbilder bei. "Da bekommen die Touristen, die bei uns oft ein- und ausgehen, gleich einen bleibenden Eindruck von Chemnitz", freute sich André Donath. Ab heute ist das Turmbrauhaus wieder geöffnet. Und Donath kann die Urlaubsplanung aufnehmen. "Wir machen ein paar Tage Familienferien." Da wolle er dann auch noch mal das Hochzeitsvorhaben zum Thema machen.

Mazze Wiesner, Chemnitzer Musiker, könnte sich vornehmen, die nächsten Tage ruhiger anzugehen. Schließlich hat er als Bandchef wochenlang bei der Dinnershow "Moments 2" Abend für Abend auf der großen Bühne in der Eventhalle "Kraftverkehr" den Ton angegeben. Was macht er stattdessen? Musik! Auf der großen Bühne. In der Eventhalle "Kraftverkehr". Bekommt der denn nie genug? "Von der Musik?", fragte Mazze Wiesner ungläubig. "Natürlich nicht." Am 12. Januar spielt er das große Tourfinale zur Veröffentlichung seines Ende November 2018 erschienenen Albums "Nackte Saiten". Er nehme sich vor, die Leute da noch mal richtig vom Hocker zu reißen.

Christoph Dittrich, Generalintendant des Chemnitzer Theaters, hat Ähnliches vor. Er will die Leute allerdings aus den Opernhaussitzen reißen. Erst mit dem kompletten Wagner-Ring, der über den Januar hinweg läuft, dann mit der Premiere von Mozarts "Zauberflöte" Anfang Februar und schließlich noch mit einer Uraufführung im März. "Drachenherz" soll die Besucher zusätzlich fürs Musical begeistern. "Die Geschichte ist der Siegfried-Sage entliehen, spielt aber ganz modern im Hier und Jetzt", so der Intendant, der auf viel junges Publikum hofft. Zum Jahreswechsel erlebte er schon, wie heiß die Chemnitzer auf ihre Theaterfreunde sind: Beethovens Neunte in der Stadthalle war ausverkauft und umjubelt. Die Fledermaus-Party in der Oper: Bis in die Nacht tanzten da die Besucher. Und der Chef selbst? Schwofte erst mit und machte dann in Familie. "Ein bisschen Zeit mit den Lieben ist ja auch wichtig", sagte er.

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