Stadtgeflüster: Gastronomen auf Gruppenreise

Fast 70 Unternehmer aus Chemnitz erlebten gemeinsame Tage in den Alpen. In Österreich fuhren sie aber nicht nur Ski.

Sven Hertwig, Inhaber der Agentur Exclusiv-Events, hatte gleich ein ganzes Hotel gebucht: Fast 70 Unternehmer, Gastronomen und Manager aus Chemnitz und Umgebung fuhren in der vergangenen Woche gemeinsam in den Winterurlaub. Die Skireise hat Tradition. Bereits zum 23. Mal hatte Hertwig den Ausflug organisiert. Ein lauschiges Plätzchen in den verschneiten Alpen fand er dafür bisher immer. Diesmal machte der Tross im Salzburger Land halt. Im Örtchen Maria Alm kamen die Chemnitzer und ihre Freunde aber nun nicht in irgendeiner Herberge unter, sondern nächtigten beim österreichischen Hotelier des Jahres.

Joseph Schwaiger, Gastgeber aus Maria Alm in der Region Hochkönig, erhielt diese Auszeichnung im vorigen Jahr. Da hatte er ein nach seinem Spitznamen Sepp benanntes Boutique-Hotel gerade zum Laufen gebracht. Der studierte Architekt und Tourismusmanager baute dafür am Fuße des Alpenplateaus Steinernes Meer ein traditionelles Holzhotel - mit Endlos-Pool und einem silbernen US-Überlandbus, der zur Sauna umgewandelt wurde, auf dem Dach. Hier bezogen die Chemnitzer, darunter viele Gastronomen, nun Quartier. Und sie spionierten fleißig, um so viel wie möglich von der lässigen Lebensart der Alpenbewohner nach Chemnitz zu bringen.

Henrik Bonesky, Inhaber des Restaurants Henrics, hatte eine Fahrgemeinschaft mit La-Bouchée-Chef Thomas Schulze gebildet. Gemeinsam machten sie zunächst im Münchner Wirtshaus Andechser am Dom halt und legten danach noch die paar Kilometer ins Salzburger Land zurück. "Solche Ausflüge sind immer eine gute Gelegenheit, um sich Ideen für die eigene Gastronomie zu holen", so Bonesky. Als er mit Thomas Schulze im Sepp-Skihotel angekommen war, gab es da ein großes Hallo. Denn dort hatten inzwischen auch Sven Potthast, Geschäftsführer des Chemnitzer Eiscafés Bellini, und dessen gastronomischer Nachbar, Hans-im-Glück-Burgerrestaurant-Betreiber André Gruhle, ihre Koffer abgestellt. "Ich freue mich, dass wir diesmal besonders viele Gastronomen für unsere Skireise begeistern konnten", so Sven Hertwig, der als Koordinator auch die innerstädtischen Bereiche Rathaus-Passagen und Rosenhof in Chemnitz betreut. "Denn in so einer entspannten Atmosphäre können wieder Ideen für frische City-Projekte sprießen." Bonesky und Potthast, Gruhle und Schulze erkannten vor Ort gleich, dass sie zu Gast bei einem der hippsten Tourismusmanager Österreichs sind. "Das zeigt ja schon die detailverliebte Ausstattung hier im Hotel", so Henrik Bonesky. "Um voneinander zu lernen, sind Kontakte zu Machern wie Sepp Schwaiger wichtig." Die Handynummern hatten sie schnell ausgetauscht. Außerdem gab es noch im Urlaub erste Gedanken zu einer Zusammenarbeit. Ein Elektromusik-Festival hoch oben in den Alpen mit Chemnitzer Beteiligung - das wär es doch! Auch den Umgang des Personals mit den Feriengästen sowie die Einrichtung und Dekoration in den Clubs, Hütten und Hotels beäugten die Chemnitzer ganz genau. André Gruhle: "Da können wir uns einiges abgucken. Dafür sind solche Reisen ja gedacht."

Nico Kunz (Foto), Barkeeper aus Chemnitz, gehört seit Jahren zu den Stammgästen der Skireise. Als er auf Skiern hoch oben auf dem Gipfel stand, meinte er: "Das ist ja wie in Chemnitz hier: Während die Kollegen im Tal sitzen, schaue ich vom Berg herab." Damit spielte er auf die Lage seiner Chemnitzer Maroon-Cocktailbar an, die im Vergleich zu den anderen Gastronomien in der Innenstadt hoch oben auf dem Kaßberg liegt. Den Skiurlaub nutzte Nico Kunz aber nicht nur, um auf Brettern durch den Schnee zu wirbeln. Er hörte sich auch die Rhythmen beim Apre´s-Ski-Zirkus an. "Den Sound, wie er hier auf den Berghütten läuft, mag ich sehr. Den spiele ich auch regelmäßig in der Bar. Mal sehen, was sich diesmal Neues entdecken lässt." Unter anderem besuchten Nico Kunz und die anderen Skireisenden die ebenfalls von Joseph Schwaiger und dessen Familie betriebene Toms Hütte. Auf 1166 Metern über dem Meeresspiegel, zwischen Holzbalken und unterm Glasdach, trafen sich die Chemnitzer hier, um Kürbissuppe, Hirschgulasch und Kaiserschmarrn zu essen. Serviert wurde das Ganze wie bei Muttern in der Ofenküche: Die Suppe kam in Emaillekannen, der Rest in Töpfen und Schüsseln. Jeder konnte so viel nehmen, wie er mochte. "Die Idee, die Speisen so locker auf den Tisch zu stellen, gefiel mir gut", so Henrik Bonesky. "So ein Konzept könnten wir auch in Chemnitz umsetzen."

Torsten Fischer, Inhaber der Kampfsportakademie Chemnitz, gehörte zum Rundum-sorglos-Personal, welches Organisator Sven Hertwig für die Reisenden mitgebracht hatte. Fischer konnte als Personal Trainer gebucht werden, falls jemand vor dem Skifahren noch Kraft in den Oberschenkeln benötigte. Physiotherapeutin Kerstin Löwe massierte derweil die müden Muskeln nach dem Sport wieder munter. Ein extra mitgereistes Event-Team kümmerte sich vom Frühstück bis zum letzten Drink um die gute Laune, kurbelte die Stimmung zum Beispiel bei einem Wellnessabend mit nepalesischem Essen an oder verteilte Mittelchen gegen Erkältung. Husten und Schnupfen waren aber die einzigen medizinischen "Notfälle" - während sich bei der Skitour 2019 noch einige Teilnehmer beim Rodeln verletzt hatten, blieben diesmal alle Knochen heil.

Torsten Katzschner, Musikproduzent und bekannt als DJ Toka, hatte die Musik mitgebracht, um der Reisegruppe gleich am ersten Tag einzuheizen. Und deshalb liefen nach einer Stärkung am Anreisetag mit Schweinsbraten, Käsenocken und Zwetschgenröster Tokas Mixe im Hintergrund. Der DJ nutzte die Reise auch, um sich mit seinem Kumpel, Ex-Fußballer und Zahntechnikermeister René Krasselt, in den Schnee zu stürzen, mal auf die Piste, mal in der Loipe.

Thomas Stoyke (Foto), Manager des Chemnitz-Centers, fährt seit 15 Jahren Snowboard. Er hatte die Reise angetreten, um in Ruhe mit den Unternehmern ins Gespräch zu kommen. "Bei so einer Tour stimmt die Basis, denn der Sport verbindet uns alle." Persönlich habe ihm besonders eine 33 Kilometer lange Tour rund ums Bergmassiv Hochkönig gefallen.


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