Stadtgeflüster : Rathaus-Chefin liest in der Kinderstube

Barbara Ludwig holt ein Ideen-Buch raus, Alexander Büttner lässt Fantasie sprechen und Martin Schmitt singt am Bankschalter.

Barbara Ludwig, Oberbürgermeisterin, hatte am Freitag einen Termin in ihrem Kalender stehen - einen, auf den sie sich ganz besonders freute. Den mit Bundeskanzlerin Angela Merkel? Der stand auf dem Programm, war aber nicht gemeint. Den mit einem Reporter vom ARD-Morgenmagazin, dem sie in aller Herrgottsfrühe ein Interview gab? Fand statt, war aber auch nicht gemeint. Nicht aufschiebbar: Das galt für ein Treffen in der Kindertagesstätte "Krabbelkäfer" in Uni-Nähe. Dort spazierte die OB pünktlich um 9.45 Uhr die Treppe hinauf, um anschließend in einem kleinen Stuhlkreis Platz zu nehmen. Das Treffen mit den Kindern sei ihr eine Herzenssache, stellte Ludwig klar, schlug ein Buch auf und begann, daraus vorzutragen. Am Freitag war bundesweiter Vorlesetag. Da gehen prominente Menschen überall im Land in Bibliotheken, Schulen und andere Einrichtungen und stellen ihre Lieblingsbücher vor. Auf Einladung von Sprachpädagogin Andrea Hertel, die das Bundesprogramm "Sprach-Kitas" unter anderen den "Krabbelkäfern" nahebringt, kam Ludwig nun in diese Kita. Unterm Arm hatte sie ein Bilderbuch mit knappem Text und großer Botschaft: "Was macht man mit einer Idee", hieß es. "Das Buch hatte mir meine Sekretärin vorgeschlagen", so Barbara Ludwig. "Sie ist selbst junge Mutter. Bei mir ist das ja schon ein Stück her." Ein Viertelstündchen dauerte es, bis die letzte Seite umgeschlagen war, dann kam die Rathauschefin mit den Vorschulkindern ins Plaudern. "Und, was habt Ihr so für Ideen?" - "Die haben wir Dir gleich mal aufgemalt, liebe Barbara", duzten die Mädchen und Jungs los und präsentierten ein Plakat mit all ihren Tagesbeschäftigungen. Die Rathauschefin nahm es in Augenschein und lachte lauthals los. "Was macht Ihr denn hier?", fragte sie und zeigte auf ein Bild voller Gesichter mit lustig abstehenden Haaren. "Da streiten wir manchmal", klärten die Kinder auf. "Ach", sagte Ludwig, legte ihren Schal wieder um und machte sich für den Aufbruch zum nächsten Termin bereit. "Ja, sich mal richtig zu streiten, das gehört wahrlich auch zu unserem Leben dazu."

Alexander Büttner, Projektmanager in einer Internetagentur, hat in den vergangenen zehn Jahren eine Fantasiewelt erschaffen. Beschrieben ist sie in seinem Buch "Aquileria". Jetzt kam sein Erstling raus. Produziert hat er den Schmöker allein, gedruckt wurde er in einer Buchbinderei auf dem Sonnenberg. "Das ist das Werk eines halben Lebens", sagte er, als er die ersten Bände in die Buchhandlung "Lessing und Kompanie" auf den Kaßberg brachte. Fast jede Minute seiner Freizeit habe er genutzt, um eine mittelalterliche Welt mit eigenen Landschaften, Königreichen, Kulturen, Religionen und Zeitrechnungen zu skizzieren. Entstand da so eine Art "Herr der Ringe"? "Auf jeden Fall habe ich eine Welt erfunden, in der es Orte, Pflanzen, Tiere und allerlei Phänomene gibt, von denen man bisher noch nicht viel gehört hat", so Büttner geheimnisvoll. Seine ersten Schreibversuche hatte der Chemnitzer übrigens schon in der dritten Klasse mit einer Geschichte über Robbenfänger gestartet. Eine Klassenkameradin hatte damals in der Schule Geschichten gesammelt. Das Manuskript, damals auf Papier mit selbst gezogenen Linien, hatte Alexander Büttner neulich erst wieder in der Hand. "Ich habe Tränen gelacht", sagte er jetzt. "Der Text ist mittlerweile älter als 20 Jahre, trotzdem erkenne ich mich darin wieder."

Klaus Süß (Foto), Chemnitzer Künstler, fährt gerade von einer Vernissage zur nächsten. In der vergangenen Woche erst zeigte er seine Arbeiten an ungewöhnlicher Stelle in Werdau. Der Kunstsammler Matthias Scheibner und sein Partner betreiben dort einen Fischladen. In diesem präsentieren sie regelmäßig Werke regionaler Kunstschaffender, derzeit die Druckstöcke und Grafiken von Klaus Süß. Am Freitag stand er schon wieder in Berlin im Mittelpunkt. Die nächste Vernissage, diesmal in der Galerie "Sandau & Leo" - mitten in Berlin-Mitte, sozusagen, wo sich Kunsthaus an Kunsthaus reiht. Süß hatte sich mit einem beschwingten Gefühl in die Hauptstadt aufgemacht. "Das wird vielleicht die beste Ausstellung meines bisherigen Künstlerlebens", meinte er. Wieso? "Ich habe einfach ein gutes Gefühl", so Klaus Süß. "Ich bin zufrieden mit der Qualität der Arbeiten und sie werden in der Galerie wunderbar präsentiert."

Martin Schmitt, Musiker, hatte am Dienstag einen Banktermin. Nö, einen Kredit wollte er sich nicht geben lassen. "Ich bin Musiker und kein Beamter", hatte er noch gewitzelt. Der vielleicht stadtbekannteste Interpret, vor allem von Udo-Jürgens-Songs, war gebucht für die Eröffnung der neuen Commerzbank-Filiale in der City, nach Angaben der Bankmitarbeiter die modernste in der Innenstadt. Am Dienstagabend jedenfalls gab es einen VIP-Empfang zwischen Automaten und Schaltern. Martin Schmitt spielte, weil er unter den Bankleuten offenbar sehr beliebt ist. Niederlassungsleiterin Heike Hofmann-Lauer: "Wir haben uns sehr gefreut, Martin Schmitt für unsere Eröffnung gewinnen zu können. Er hat in unserer Kundschaft und unter unseren Mitarbeitern viele Fans." Sie selbst sei ebenfalls schon oft auf seinen Konzerten gewesen.

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