Stadtgeflüster : So schön feiern die Sachsen in Karlsbad

Sie klönen im "Pupp" bis in die Puppen. Sie sahnen ganz groß beim Golf ab. Und sie singen für die Bayern und die Tschechen.

Martin Schmitt (Foto), Sänger, hatte es um 23 Uhr geschafft: Da schmetterte der für ein Extra-Konzert gebuchte Sachse das Münchener Kultlied "Skandal im Sperrbezirk" ins Mikro und vor ihm brachten die Bayern den Boden zum Beben. Alles ganz normal, wenn die benachbarten Freistaatler gemeinsam Party machen. Losgetreten hatte die Fete ein in Chemnitz lebender und aus Landshut stammender Automobilunternehmer.

Andreas Wöllenstein, Inhaber des gleichnamigen Autohauses mit Niederlassungen in Sachsen, Bayern und Tschechien, bittet gemeinsam mit seinem Bruder und Geschäftspartner Stefan jedes Jahr ins tschechische Karlsbad. Dort feiern Geschäfts- und Privatfreunde aus Deutschland und Tschechien gemeinsam und spielen zusammen Golf in dem seit 1904 bestehenden Karlsbader Ressort. Das Team aus Sachsen hatte diesmal richtig was zu feiern. Gleich in mehreren Spielwertungen sahnten Golfer aus Chemnitz und aus Plauen Preise ab. Alles begann mit einem gesunden Frühstück und endete mit einem Clubabend in der - manche nennen sie legendär - "Becherbar" im Karlsbader Grandhotel "Pupp". Dort feierten die etwa 120 Gäste - ein Drittel davon war aus Chemnitz und Umgebung angereist - sprichwörtlich bis in die Puppen.


Sven Hertwig, Chef der Agentur "Exclusiv-Events" und Koordinator der Rathaus-Passagen, saß am Samstag vor dem Golfturnier mit Freunden entspannt beim Frühstück im Clubhaus. Ob er mal kurz einen Teller Obst halten könne, wurde er da gefragt. "Das glaubt uns doch kein Mensch, dass wir so gesund leben", sagte er mit einem Augenzwinkern, griff aber zum Teller. Und prompt versammelten sich andere Golfer um ihn, um Apfel- und Gurkenstückchen zu stibitzen. Gudrun Schüngel, die an Arbeitstagen als Schmuckexpertin im Team von Juwelier Roller berät, hatte die Sportbrille schon aufgesetzt. Sie naschte aber trotzdem gemeinsam mit ihrem Gatten vom Früchteteller.

Ondrej Lieser, einer der besten professionellen Golfspieler Tschechiens, merkte dann genau, welcher Spieler vorm Turnier gut gegessen hatte. Er war den ganzen Tag zur Unterhaltung der Hobbysportler da. Für den guten Zweck - durch Startgelder kamen mehr als 1600 Euro für bedürftige Kinder zusammen - trat er bei Zielschlägen auf das Grün gegen die Golfer an. Gleichzeitig wurde auch eine Innovation aus Tschechien gezeigt: Golfbags auf Rädern. Der Clou: Die Schläger stecken nicht im Sack, sondern stehen auf einer Konstruktion, die per Fernbedienung wendig über den Rasen surrt.

Alexander Eschenbach, Zeltbau-Unternehmer, war der Pechvogel des Turniers. Er hatte noch vor Spielbeginn feststellen müssen, dass sein Autoschlüssel verschwunden war. Nun stand er ohne Schläger und Bälle da, die ja noch im Wagen lagen. Die Karlsbader liehen ihm Equipment. Und Eschenbach machte aus der Not eine Tugend. Er holte sich mit den Ersatzschlägern einen Preis als einer der besten Spieler des Tages ab. "Mit einigen der geliehenen Schläger konnte ich besser umgehen als mit meinen eigenen", sagte er anschließend lachend. Das Golfturnier, bei dem es mal regnete, mal schwülwarm war, sollte übrigens kein Treffen für "die da oben" sein. Gastgeber Wöllenstein: "Es geht darum, dass Sachsen, Bayern und Tschechen sich näherkommen. So können Geschäftsbeziehungen entstehen oder auch sehr gute Freundschaften."

Bewertung des Artikels: Ø 3 Sterne bei 2 Bewertungen
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...