Stadtgeflüster : So sommerlich kann die Kunst sein

Ein Sonnenanbeter in der Galerie, ein Weltstar auf Tuchfühlung und zwei Rocker in der Sandkiste.

Jiang Bian-Harbort, freischaffende Bildhauerin aus Kitzen bei Leipzig, hatte eine Marmorskulptur mitgebracht - so weiß, wie der feinste Sand am Strand kaum sein könnte. Mit Plastiken, die den weiblichen Torso, einen Taucher, eine Badende oder einen Sonnenanbeter darstellten, beteiligte sie sich an der Sommerausstellung der Für-Chemnitz-Künstler. Vereinsvorsitzender Thomas Ranft hatte die in China geborene Frau als Gast zu seinen Chemnitzer Kunstschaffenden gebeten. Locker wie an einem sommerlichen Badetag ging es bei der Vernissage am Donnerstag in der Galerie im Heck-Art zu. Keine langen Erklärungen zu den Werken, dafür plauderten, klönten, quatschten die Besucher. In der Mini-Galerie ging es beinahe zu wie vor der Eisdiele bei 30Grad: Schlangestehen beim Bildergucken. Jiang Bian-Harbort hatte zur Vernissage nicht nur ihre komplette Familie mitgebracht. Sie freute sich auch auf ein Wiedersehen mit Kollegen wie Klaus Süß oder Dagmar Zemke. Die Chemnitzerin Zemke hatte in der Schau derweil mit dem zentralen Objekt, einem in Pappelholz geschnittenen Damenkörper - ziemlich relaxt liegend - den Hingucker geschaffen. Sie war es auch, die die komplette Ausstellung kuratiert hatte. Bis zur letzten Minute gab es dabei Arbeit für sie. Noch kurz vor der Vernissage - da saßen die Künstler schon entspannt bei Weinschorle im Restaurant- und Galeriegarten an der Mühlenstraße - rief jemand: "Passt Michels Skulptur da auch noch mit rein?" Der Künstler Michael Morgner wurde so noch kurz vor knapp in die Ausstellung mit ausschließlich dreidimensionalen Werken aufgenommen.

Albert Hammond, aus London stammender Musiker und Musikproduzent, begrüßte am vergangenen Sonntagabend im Wasserschloß Klaffenbach einen besonderen Fan: Die kleine Lara, gerade einmal zwei Jahre alt, saß auf dem Arm ihrer Eltern. Als Hammond das Mädchen entdeckte, sprang er mit seinen 75 Jahren geschmeidig von der Bühne und begrüßte den wohl jüngsten Fan des Abends. "Hey, who are you?", fragte er die Kleine. Die Antwort blieb sie ihm schuldig, da ihre Eltern dem Mädchen einen dicken Ohrenschutz vor dem Konzertlärm verpasst hatten. Dafür verriet Hammond nach seinem Treffen mit der Baby-Besucherin, wie er sich für die anstrengenden Touren selbst so fit halte. Er treibe viel Sport, ernähre sich inzwischen gesünder als früher und sei Musiker durch und durch, sagte er. Wie zum Beweis sprang er nicht nur für die kleine Lara von der mannshohen Bühne, sondern tat das während seines zweistündigen Auftritts gleich mehrmals, um einzelne Fans im Publikum zu begrüßen.


Mazze Wiesner und Markus Matthias "MMB Friedhelm" Brückner hatten es dem Musiker Albert Hammond gleichgetan. Auch sie musizierten jetzt vor Kindern. Von der wohl außergewöhnlichsten Bühne ihrer bisherigen Bandkarriere aus: Statt auf Brettern zu stehen, saßen sie erst am Spielplatzrand und dann in der Sandkiste. Die Gitarren zückten sie trotzdem. Sie waren eingeladen, um den Kindern der neuen Gruuna-Schule an der Saydaer Straße, die zum Verband der freien Waldorfschulen gehört, zum Jahresabschluss und zur Zeugnisausgabe zu gratulieren. "Das war ein bisschen wie eine Lagerfeuermusikparty - nur ohne Lagerfeuer", sagte Rockmusiker Mazze Wiesner anschließend. Mit Markus Matthias Brückner, der als MMB Friedhelm Frontmann der Band "Die Arbeitslosen Bauarbeiter" ist, war er schon öfter im Studio. Beide verbindet nicht nur eine dicke Freundschaft untereinander, sondern als junge Papas auch ihr großes Herz für Kinder.

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