Stadtgeflüster: Stefan Mross und sein Rauch-Geständnis

Ein Musiker erinnert sich an Glimmstängel, eine Anwältin prüft dicke Schlossmauern und ein Vereinsmitglied sammelt Pilze.

Stefan Mross, Trompeter und Schlagermusiker, hatte seinen größten Schatz nach Chemnitz mitgebracht: Seine Liebste Anna Maria Woitschak. Gemeinsam begrüßten sie am Donnerstag etwa 200 Fans im Altchemnitz-Center. Und nahmen sich eine Menge Zeit, um die Herzenswünsche der Besucher zu erfüllen: Fotos, kurze Gespräche, Autogramme. Unter anderem kamen die Musiker mit dem Chemnitzer Hans Nespithal ins Plaudern. Der Mann gehört zu den ganz großen Schlagerfans. Schon seit den 1990er-Jahren lässt er kaum einen Termin platzen, an dem die Stars der Szene in der Stadt oder in der Umgebung gastieren. Diesmal zog er ein 13 Jahre altes Foto aus der Tasche, auf welchem er bereits mit Stefan Mross abgelichtet wurde. Der Musiker wollte es sofort sehen und meinte dann erstaunt: "Wahnsinn, das ist ja schon so lange her." Und verschämt schob er hinterher: "Zu der Zeit habe ich noch geraucht. Das kann ich mir heute gar nicht mehr vorstellen." An Fan Hans Nespithal konnte sich Stefan Mross noch genau erinnern. Der ist ja auch so etwas wie ein richtiges Konzertmaskottchen. Bei Auftritten seiner Lieblingsstars fällt er nämlich immer deshalb auf, weil er stets mit riesigen Pappschildern mit den Konterfeis der jeweiligen Interpreten drauf auftaucht.


Stefan Tschök, Unternehmenssprecher der Chemnitzer Verkehrs-AG, ist ins Präsidium aufgestiegen. Als Mitglied des Bundesverbandes deutscher Pressesprecher, dem Tschök seit 2004 angehört, ist er am Mittwoch im Rahmen einer Mitgliederversammlung in Berlin als ehrenamtlicher Beisitzer des Verbandes gewählt worden. Der Pressesprecherverband, dem rund 5000 Mitglieder aus Deutschland, aber auch aus Österreich und aus der Schweiz angehören, gilt als wichtige berufsständische Vereinigung in der Kommunikationsbranche. Tschök war dort bisher schon in der Leitung von Fach- und Landesgruppen aktiv. Seine Wahl in das Präsidium kommentierte er so: "Das ist eine spannende Aufgabe, auf die ich mich freue. Wir alle wissen, dass Kommunikation in der gesamten Gesellschaft einen hohen Stellenwert genießt. Und wenn irgendwo mal die Säge klemmt, hat man mit - manchmal auch angeblich - fehlender Kommunikation schnell einen Sündenbock gefunden. Durch meine lange Berufserfahrung kann ich hier sicher ein paar Impulse setzen." Das Amt wird er in den kommenden zwei Jahren ausüben. So lange ist er aber gar nicht mehr Pressesprecher der CVAG. "Am 29. Februar 2020 ist mein letzter Arbeitstag, dann gehe ich in den Unruhestand." Tschök möchte gern auch danach ehrenamtlich als Sprecher arbeiten, beispielsweise für einen Verein. "Wo genau, weiß ich noch nicht. Aber diese Tätigkeit wird auch rechtfertigen, dass ich weiter im Präsidium des Bundesverbandes der Pressesprecher sein kann."


Edith Kindermann, Präsidentin des Deutschen Anwaltvereins aus Berlin mit Kanzleisitz in Bremen, war am Donnerstagabend Ehrengast beim Sächsischen Anwaltverein Chemnitz. Die etwa 240 Mitglieder feierten das 140-jährige Bestehen ihres Interessenverbandes. Dachten sie zumindest zunächst. Bis Gastgeber Norbert Adamietz vom mysteriösen Anlass des Treffens zu sprechen begann. "Nach Archivdaten des Deutschen Anwaltvereins in Berlin findet sich dort das Gründungsdatum des Chemnitzer Anwaltvereins mit 1. Juni 1879. Also vor genau 140 Jahren. In Klammern steht aber auch die Jahreszahl 1857." Nun hat er sich im Stadtarchiv noch mal genau kundig gemacht. Und dort ergaben seine Recherchen, dass der Verein tatsächlich bereits 1857 gegründet wurde. "Dann feiern wir eben heute nicht die 140, sondern demnächst die 170 Jahre währende Vereinsdauer", so Norbert Adamietz mit einem Lachen. Die Veranstaltung mit Goethe-Schauspieler im Programm - auch der Dichterpapst war schließlich einst Anwalt - wurde im Wasserschloß Klaffenbach mit etwa 75 Rechtsanwälten aus Chemnitz, Mittelsachsen und dem Erzgebirge gefeiert. Das alte Gemäuer nahm die Bundesvorsitzende Edith Kindermann näher in Betracht. "Die Mauern hier sind genauso dick wie in manchen Gerichtssälen", meinte sie prüfend. "Ob da drin wohl das Internet geht?" In einigen altehrwürdigen Gerichtsgebäuden wären nämlich genau solche dicken Mauern ein Problem. "Weil die Gerichtsakten inzwischen digital gespeichert werden, haben die Kollegen mitunter große Probleme, während der Verhandlungen auf die Online-Schriftsätze zurückzugreifen."


Jens Bernhard, Mitglied im Grünaer Ortsverein, hat mit anderen Helfern eine Ausstellung über das Wirken vom "Fliegenden Oberförster" von Sachsen erarbeitet, die am gestrigen Freitag eröffnet wurde. Der bekannteste Einwohner von Grüna, Ernst Georg Baumgarten, hatte bereits 20 Jahre vor Zeppelin erfolgreich und nachweislich an der Entwicklung und am Bau von Luftschiffen geforscht und gearbeitet. Bernhardt wollte Baumgarten nun bekannter machen und wandte sich ans Radio MDR Sachsen. Bei der Höreraktion "W.W.W. - Wünsche werden wahr" wollte er fehlende Gelder für die Schau einwerben. Dafür musste er sich aber einer Herausforderung stellen: Der Kandidat sollte rund um die Conradswiese in Lauter-Bernsbach im Erzgebirge Pilze sammeln - und zwar 20 verschiedene Arten innerhalb von zwei Stunden. Keine leichte Aufgabe, die Bernhard mit einigen Helfern aber übererfüllte: Gemeinsam sammelten sie sogar mehr als 45 Pilzarten, wie der anwesende Pilz-Experte Frank Demmler vor Ort bestätigte.

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