Stadtgeflüster: Tanzen beim Ball, wirbeln in der Küche

Wer bei der ersten Gala des Jahres feierte, welche Kleider der Hingucker waren und warum den Köchen heiß wurde.

Mirko Dreischarf und Carsten Hetze, Geschäftsführer der Tanzschule Emmerling, begrüßten zunächst 350 Gäste und dann das neue Tanzjahr. Am Samstag baten die Gastgeber zum ersten großen Gala-Abend des Jahres, dem traditionellen Neujahrsball. Kaum ein Plätzchen im Hotel Chemnitzer Hof, das nicht besetzt war. Im marmornen Oberlichtsaal, im nach dem Architekten des Hotels benannten Straumersaal, im Spiegelsaal - überall saßen Gäste, jederzeit bereit, aufzuspringen, um zu tanzen, tanzen, tanzen.

Leonie Keith, Schülerin, war mit Freundinnen gekommen, um den Besuchern zu zeigen, wie sie nach der offiziellen Standardrunde herumwirbeln. Mit ihrer Truppe "Happy Dancers" brachten die Teenager den Tanzboden zum Beben. Da sah jeder: Das machen sie nicht erst seit gestern. "Nein", sagte Leona Keith, "wir tanzen tatsächlich alle schon seit frühester Kindheit. Wir haben damit begonnen, da waren wir gerade drei, vier Jahre alt."

Fabian Effenberger und Sophia Walther, Mitglieder der Knirpsgruppe "Tanzmäuse", machten es ihren älteren Vorbildern nach. Sie zeigten beim Neujahrsball gleich zu Beginn einen herzigen Prinzen-Prinzessinnen-Tanz - Krönchen Marke Eigenbau inklusive. Es war ein kurzes Gastspiel. "Die Kinder müssen ja früh ins Bett und können nicht bis in die Puppen bleiben", erklärte Juliane Kern, Fabians Mama. Ihr Sohn und Sophia, die Tochter einer Freundin, tanzen schon so lange, wie sie auf ihren eigenen kleinen Beinchen stehen können, verriet sie. "Mittlerweile ist zwischen den Mäusen eine richtige Freundschaft entstanden."

Rimma Berger und Andrea Fritzsche, Ballbesucherinnen, trugen die farblich auffälligsten Kleider des Abends. Rimma Berger, gebürtige Finnin, die es der Liebe wegen in den Achtzigern ins heutige Chemnitz verschlagen hatte, trug eine Spitzenrobe in blau. Nein, besser: en bleu. Das Kleid mit glitzerbestickter Tüllstola hatte sie von einer Reise nach Paris mitgebracht. Ihre Freundin Andrea Fritzsche ließ daneben ihr in Klaffenbach gekauftes apricotfarbenes Kleid leuchten wie einen reifen Pfirsich. Welche Farben sonst noch angesagt waren? Rot in allen Tönen. Die Damen schwebten in Kleidern übers Parkett, die an Wein aus dem Burgund erinnerten, an Brombeeren, an lachsfarbene Rosen. Die Herren kamen klassischer: manche im Anzug, manche im Smoking, andere locker im Jackett.

Mario Öhlmann, Chefkoch im Chemnitzer Hof, zirkulierte schon in seinem Reich, da hatte der Ball noch gar nicht angefangen. In der Küche des Hotels lief der Arbeitsmodus nicht nur im Vier-Viertel-, sondern im viel schnelleren Technotakt. Rinderrücken? Ist im Garer! Rehkeule? Schmort in der Preiselbeersauce! Kürbis-Apfelsüppchen? Zieht schon längst im Topf! Wie im Bienenstock summten die Köche, Kellner und Barkeeper ein und aus. Hintergrund: Weil so viele Gäste zum Ball angemeldet waren, hätte es gar keinen Platz für ein Buffet gegeben. Also bestellten die Besucher ihr Essen einfach aus einer speziell zusammengestellten Abendkarte vom Tisch aus.

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