Stadtgeflüster: Vom DDR-Beutel zum coolen "Shoesi"

Zwei Frauen beleben einen Klassiker neu, die Banker feiern ihren Neujahrsempfang, und ein Gastronom serviert Krabbeltiere.

Kathi Halama, Chemnitzer Designerin, erinnert sich noch ganz genau: Einst trug auch sie ihre Turnschuhe in einer Sporttasche zum Unterricht, die selbst aussah wie ein richtiger Turnschuh. Das DDR-Kultteil belebt sie jetzt gemeinsam mit der Unternehmerin Mareen Götz wieder. Die Frau aus Treuen ist Chefin des Unternehmens Vowalon. Mit ihren Mitarbeitern stellt sie PVC- und Kunstlederbeschichtungen unter anderem für Heimtextilien und die Innenausstattung von Nahverkehrsmitteln und privaten Fahrzeugen her. Weil Mareen Götz selbst so modebegeistert ist, entwickelt sie seit einiger Zeit auch Taschenkollektionen. Und nun wollte sie ihren Zwillingssöhnen Keno und Rocco eine Freude bereiten und ihnen coole Sporttaschen schenken. Die Kultteile aus DDR-Zeiten sollten es sein - nur bunter, auffälliger, peppiger. Deshalb holte sie sich Designerin Kathi Halama ins Boot. Sie entwickelte bereits mehrere Taschenkollektionen, immer hochwertig aus feinstem Leder und edlen Garnen. "Als ich nun die Anfrage für eine Kunstleder-Sporttasche erhielt, war ich zunächst skeptisch", gesteht Kathi Halama. Doch dann sei sie Feuer und Flamme gewesen: "Eben weil ich selbst so eine ähnliche Sporttasche hatte", lässt sie ihre DDR-Schulzeit Revue passieren. Bei der neuen Sporttasche, die die Frauen "Shoesi" getauft haben, setzt das Unternehmen Vowalon außer aufs ausgefallene Design nun auf auffällige Neonfarben, teils mit extra Pigmentierung, damit das Material in der Dunkelheit leuchtet. "Auf unserer Laborbeschichtungsanlage können auch Kleinstmengen produziert werden, die dann für unsere Taschen verarbeitet werden", sagt Mareen Götz. Klett-Elemente ermöglichen es, auf den Taschen zusätzlich LED-Blinker anzubringen oder andere Applikationen. Das 100 Prozent sächsische Produkt wird bei der Firma EPU in Lengenfeld genäht. Zu kaufen gibt es "Shoesi" neben anderen Kollektionen im Netz.


Michael Erfurt, Leiter des Firmenkundengeschäftes im Deutsche-Bank-Marktgebiet Chemnitz und Leipzig, begrüßte am Mittwoch etwa 200 Besucher zum Neujahrsempfang. Und der hat Tradition: Zum 30.Mal kamen Vertreter aus Wirtschaft und Kultur, Sport und Politik zusammen, um bei der ersten Party des Jahres zu klönen, zu fachsimpeln und zu schlemmen. Beim urigen Brotzeitbuffet, welches Gastronom Roland Keilholz mitten in der glasüberdachten Schalterhalle servierte, ging es auch ums Thema Kulturhauptstadt 2025. Bürgermeister Sven Schulze stand an einem Aufsteller Rede und Antwort zur Bewerbungsprozedur. Michael Erfurt hatte derweil das letzte greifbare Bewerbungsbuch zur Chemnitzer Präsentation ergattern können und schenkte dieses Harald Eisenach, dem Chef des Deutsche-Bank-Marktgebietes Ost. "Wenn sich die Chemnitzer Verwaltung aber weiter so kleinlich zeigt, wird es schwer mit dem Titelgewinn", murmelten derweil einige Empfangsgäste. Was war passiert? Während drinnen im Saal die Wirtschafts- und Kulturlenker aufs neue Jahr anstießen, der Kämmerer fröhliche Grüße der Stadt überbrachte, hatte das Ordnungsamt zeitgleich seine Kontrolleure auf die Straßen rund um das Bankgebäude geschickt. "Nach 20Uhr schieben die Politessen hier Sonderschichten", schüttelte eine Besucherin empört den Kopf.


Ronny Wagner, Marketingchef der Restaurantkette Espitas, verrät: "Es schmeckt ein bisschen nussig." Grillen, Heuschrecken und Mehlwürmer gibt es in den kommenden Tagen wieder in den mexikanischen Restaurants. Am Mittwoch präsentierte er einen Probelöffel im Lokal an der Leipziger Straße. "Nein, mit der derzeit laufenden Dschungel-Show im Fernsehen hat unser Angebot natürlich rein gar nichts zu tun", sagte Wagner ironisch und mit einem verschmitzten Lächeln. Er betonte aber auch, dass Insektenspeisen in Mexiko eine typische Besonderheit seien. "Und wir wollen die Landesküche ja so authentisch wie möglich auf den Tisch bringen", so Wagner weiter. Er selbst sei schon in Mexiko gewesen, habe dort auf den Wochen- und Bauernmärkten aber nicht nur gesottene Insekten gekostet, sondern auch eine andere Delikatesse: Ameiseneier. "Das war nun wirklich gewöhnungsbedürftig", erinnerte er sich. "Die Eier werden in Mexiko wie eine Art Kaviar behandelt und zu besonderen Anlässen geschlürft." Neben Grillen und Heuschrecken werden im Espitas in Chemnitz nun auch die Larven des großen Schwarzkäfers serviert - unter anderem auf Sour-Cream.

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