Stadtgeflüster : Von Äthiopien auf den Kaßberg

Afrikaner tanzen auf Chemnitzer Straßen, Gastronomen servieren eiskalten Braten und Händler heben die Weingläser.

Klaus Kowalke (Foto), Buchhändler auf dem Kaßberg, verkauft eigentlich Lesekultur. Nun wurde vor seinem Laden an der Franz-Mehring-Straße aber auch gesungen und getanzt. Laut bei Stimme und aus voller Kehle schmetterten sechs Kinder aus Äthiopien Songs aus ihrer Heimat. Und dazu hopsten und sprangen sie im Takt. Die Kinder gastierten auf ihrer Deutschlandreise in Chemnitz, um ein besonderes Projekt vorzustellen. Ihr eigenes Kindergarten- und Schulprojekt: Darin werden sie aufgefangen, um in ihrem Heimatland Äthiopien einen guten Start ins Leben zu finden. Der gebürtige Kasseler Klaus Betz hatte den Verein Ethiopia Arise mit seiner im vergangenen Jahr verstorbenen Frau Ruth gegründet. "Unsere Vision ist es, den bedürftigen äthiopischen Kindern und deren Eltern, welche in großer Armut leben, die Möglichkeit für eine umfassende Veränderung zu schenken", so Betz. Mit Bildung, Liebe und Perspektive sollen die Kinder groß werden. Und weil auch eine Chemnitzerin den Verein unterstützt, schauten die Mädchen und Jungen nun eben auch auf dem Kaßberg vorbei. "Ich freue mich riesig über den Besuch der Kinder", sagte Gabriela Kitsche, die selbst schon zwei Jahre in Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens, gelebt hat. "Ich bin über eine Patenschaft an den Verein gebunden." Vor allem sollten die Mädchen und Jungen aus Afrika die europäische Lebensart kennenlernen. "Viele von ihnen vermuten, dass wir in unermesslichem Reichtum leben", so Klaus Betz. "Deshalb zeigen wir den Kindern auch den Alltag in Deutschland." Unter anderem besichtigte die kleine Delegation deshalb den Lessing- und-Kompanie-Buchladen, den "Atmosphere"-Friseursalon an der Ulmenstraße und die Papeterie "Haamit" an der Weststraße.

André Donath, Inhaber des Turmbrauhauses, hatte schon eine Woche im Vorfeld die Werbetrommel gerührt: "Ich habe eine echte Weltpremiere vor", verkündete er Ende Juli. Und nun ließ er die Katze aus dem Sack. Am Dienstag präsentierte er seine Erfindung. Trommelwirbel: Im Brauhaus am Markt gibt es jetzt Eis mit Biergeschmack - na gut, das ist nicht ganz so neu. Aber zusätzlich servieren die Servicekräfte dort nun auch Gefrorenes, welches nach Sauerbraten schmeckt. Und das ist laut Donath die Premiere. "An den Geschmack musst du dich langsam herantasten. Am besten du isst erst einmal eine Portion richtigen Sauerbraten", hatte Donath zu Jörg Knöfel, dem Chef der Galerie Roter Turm, gesagt. Der Geschäftsführer war einer der Ersten, der die - nennen wir es: gewagte - Erfindung probieren durfte. "Das ist eine witzige Idee, aber nichts für jeden Tag", beurteilte Knöfel das Angebot. Ausgeheckt hatte André Donath die eiskalte Idee übrigens nicht allein. Fachliche Beratung gab es dabei von Andreas Marschner, dem Inhaber des gleichnamigen Eiscafés in Siegmar. Er hat in der Vergangenheit schon Gorgonzola-Eis und Rote-Beete-Schleckerei gezaubert. "Die Geschmacksrichtung Sauerbraten war dann aber doch eine besondere Herausforderung", meinte er nun. Als Basis nutzte er den Fond des Bratens, der wegen des Soßenkuchens ein wenig Lebkuchenaroma hat. Dazu gab er Zucker. "Das genaue Rezept bleibt jedoch geheim", so der Eismacher. Nach einigem Probieren habe er letztendlich die richtige Mischung herausgefunden, um die Sorte anbieten zu können. In den nächsten Wochen gibt es die wilde Mischung für zwei-fuffzig als Dessert im Turmbrauhaus. Er selbst greife auch viel lieber zu Eis mit Schoko- oder Vanillegeschmack, hatte André Donath dann noch beim Fleisch-Eis-Test gesagt. "Die Sorte Sauerbraten ist ja auch nur ein Gag", so Donath. "Man muss sich ja immer was Neues einfallen lassen."


Gordon Knabe (Foto), ehemaliger Manager des Chemnitz-Centers, kam zu Besuch. Er war einer der Gäste, die sein Nachfolger Thomas Stoyke an einem ungewöhnlichen Ort versammelt hatte - ungewöhnlich zumindest für die Betreiber der Shoppingmeile im Chemnitzer Norden. Die baten nämlich nicht ins eigene Center nahe Röhrsdorf, sondern zum Sommerfest mitten ins Herz der Stadt - genauer, auf das Weinfest. Das Chemnitz-Center ist einer der Kooperationspartner des Weindorfes. "Unser Herz schlägt eben auch für die City", hatte Gordon Knabe, inzwischen Manager im Dresdner Einkaufscenter Elbe-Park, gut gelaunt gesagt. Gastgeber Thomas Stoyke plauderte derweil mit lokaler Prominenz aus Politik und Wirtschaft. Stadtkämmerer Sven Schulze kam auf ein Gläschen Rosé-Secco aus dem Rathaus auf den Neumarkt runter. Nicht weit hatte es auch Sparkassen-Vorstand Torsten Wetzel vom Schreibtisch im Moritzhof aus. CVAG-Sprecher Stefan Tschök, die Politiker Susanne Schaper und Detlef Müller sowie IHK-Stadtentwickler Bert Rothe gesellten sich ebenfalls dazu.

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