Stadtgeflüster : Wie Hedi und Eli Buchfiguren wurden

Ein Auftritt im Wimmelbuch, ein Glückslos für das neue Auto und ein religiöses Geschenk vom Rockmusiker.

Hedi Berg, Schülerin am Chemnitzer Andrégymnasium, hat sich mitten in einem Buch wiedergefunden. Gemeinsam mit Freundin Elisabeth "Eli" Budig und Hündin Nelli ist sie Teil des neuen Chemnitzer Wimmelbuches. Wer kleine Kinder hat, weiß genau, was das ist: ein Bilderbuch, in dem es vor Menschen und Aktionen wimmelt. Stundenlang kann man die Seiten anschauen und Figuren in verschiedenen Alltagssituationen entdecken. Und genau das haben Hedi und Elisabeth getan. "Guck, da laufen wir die Franz-Mehring-Straße runter", riefen sie begeistert aus, als sie jetzt durch das Buch blätterten. "Und Nelli ist auch abgebildet!" Ganz so überraschend kam der Bilderbucheintrag für die Teenager aber nicht. Beim Sommerfest auf dem Kaßberg hatte Wimmelbuch-Autorin Stephanie Brittnacher den Stadtteil besucht und einige Anwohner des Viertels porträtiert. Und so findet sich der halbe Kiez jetzt auf einer Doppelseite wieder, inklusive entspannter Weinstubenbesucher, hungriger Pizzeriagäste und telefonierender Hausbewohner. Auch andere Chemnitzer Ecken, zum Beispiel das Naherholungsgebiet rund um die Burg Rabenstein, sind in dem Wimmelbuch abgebildet. Am Montag kommt die Autorin in die Buchhandlung an der Franz-Mehring-Straße und gibt ab 15 Uhr Autogramme.

Jan Jassner (Foto), Geschäftsführer des Wäscheherstellers Bruno Banani, gab auf die Minute genau das Signal für den Eröffnungs-Gong. Am Donnerstagabend feierte er mit Mitarbeitern und geladenen Gästen das 25-jährige Bestehen des Unternehmens in der Eventhalle "Kraftverkehr". Am Einlass hatte er den über 250 Gästen persönlich die Hände geschüttelt, teils waren die weit angereisten Besucher von Hotels aus mit Bussen zur Party gebracht worden. Um 18.40 Uhr war dann der Startschuss vorgesehen. 18.37 Uhr fragte einer der Organisatoren, der Eventmanager Sven Hertwig: "Und, Jan, wie siehts aus?" "Kann losgehen", freute sich der Firmeninhaber. Denn inzwischen hatten die Gratulanten, darunter Ministerpräsident Michael Kretschmer, Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig, Planungsprofessor Reinhard Erfurth, dessen Fast-Namensvetter, Bankchef Michael Erfurt, Bauunternehmerin Inge Oehme und Politiker Alexander Diercks, ihre Plätze eingenommen. Und hinter den Kulissen? Da herrschte Trubel. Die Gastronomen Susan Hutter und Roland Keilholz stimmten sich per Walkie-Talkie mit dem Küchenpersonal ab. "Alles frisch?" Jawohl, gegarter Lachs, Kalbsfilet, Ochsenbäckchen - alles servierfertig! Ganz kurz nur schaute Friseur André Bernert aus dem Backstagebereich in den Gastraum. "Ich habe bis eben noch die Models frisiert", sagte er. Klar, ohne Modenschau wäre es keine richtige Bruno-Banani-Party gewesen. Model-Agentin Sandra Hodik hatte ihre Laufstegschönheiten in Wäsche und Bademoden über den Catwalk geschickt. Der führte mitten über einen Tisch quer durch den Saal. Den meisten Applaus gab es aber, als eine Mitarbeiterin des Modehauses einen Jubelschrei ausstieß. Sie hatte das große Los gezogen und ein kleines Auto gewonnen. Zum Geburtstag beschenkten nämlich die Chefs ihr Team, indem sie unter den Mitarbeitern einen Smart verlosten. Gefeiert wurde dann bis in die Puppen am Tresen. Barkeeper Nico Kunz schüttelte bis nach Mitternacht den Shaker.

Uwe Dziuballa, Inhaber des Restaurants "Schalom", freute sich jetzt über ein ganz besonderes Geschenk. Der szenebekannte Rockmusiker Thomas "Langi" Lang hatte am Dienstag ein historisches jüdisches Gebetbuch im Gepäck. "Das habe ich in einem Antiquariat in Böhmen entdeckt", sagte er und präsentierte seinen Schatz. Der Musiker ist regelmäßig im nördlichen Teil Tschechiens unterwegs, um dort Land und Leute kennenzulernen. "Als ich nun dieses deutsch und hebräisch geschriebene Büchlein entdeckte, musste ich es einfach kaufen", so Thomas Lang, der auch auf den Spitznamen "Böhmerlangi" hört. Ein paar Wochen lag es nun bei ihm daheim im Schrank, dann habe er sich gedacht: Im Schalom wäre das Buch viel besser aufgehoben. Und obwohl am Dienstagabend eine große Gesellschaft im Restaurant saß, nahmen sich die Dziuballa-Brüder Zeit, um das Buchgeschenk eingehend zu betrachten. "Spannend", zog Lars Ariel Dziuballa Bilanz. "Es handelt sich hierbei um ein Machsor, ein Gebetbuch für Feiertage, in dem Fall für den Einsatz zum jüdischen Neujahrsfest." Das Buch hat nun im Restaurant seinen Platz gefunden. Reingucken erlaubt.

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