Stadthallen-Chef fordert höheren Zuschuss

Im aktuellen Etat des Veranstaltungszentrums ist eine Lücke entstanden, die mit Steuergeld geschlossen wird. Das reicht dem Geschäftsführer aber nicht. Stadträte reagieren unterschiedlich.

Limbach-Oberfrohna.

Einige Limbach-Oberfrohnaer Stadträte könnten in dieser Woche ein Déjà-vu gehabt haben. Im Verwaltungsausschuss wurde darüber beraten, ob die Stadthallen-Gesellschaft, eine hundertprozentige Tochter der Kommune, einen höheren Zuschuss aus der Stadtkasse erhält. Dieser lag eigentlich bei 502.000 Euro für dieses Jahr, war aber von Oberbürgermeister Jesko Vogel (Freie Wähler) schon auf 517.000 Euro aufgestockt worden. Doch auch diese Summe reicht nicht. Stadthallen-Geschäftsführer Wolfgang Dorn bat die Stadträte darum, weitere 60.000 Euro zur Verfügung zu stellen. Diese stimmten einstimmig zu. Der Betrieb der Stadthalle sei ohne Zuschuss nicht möglich, lautete der Tenor.

Eine fast identische Situation war 2017 schon einmal aufgetreten. Damals bewilligten die Stadträte 85.000 Euro als zusätzliche Finanzspritze. Als Grund für die Lücke im Etat vor zwei Jahren hatte Dorn vor allem zwei Konzerte mit Mittelalterbands in Wolkenburg angegeben, deren Besucherzahl deutlich unter den Erwartungen geblieben war. Auch in diesem Jahr erfüllten sich nicht alle Hoffnungen: Wie in den Unterlagen für die Stadträte nachzulesen ist, wurde bei den Open-Airs im Sonnenbad Rußdorf weniger Geld eingenommen als geplant. Zum Konzert der Rammstein-Coverband Völkerball und zur Impulsiva-Party einen Tag später kamen insgesamt knapp 1800 Gäste. Dass es nicht mehr wurden, lag an Regen und vergleichsweise kalten Temperaturen.

Laut Dorn ist der zusätzliche Finanzbedarf aber nicht allein auf die Veranstaltungen im August zurückzuführen. Er spricht von einem strukturellen Problem. Seit er 2011 die Stadthalle übernommen habe, liege der Zuschuss der Stadt bei etwa 500.000 Euro - mal etwas mehr, mal etwas weniger. "Im selben Zeitraum sind unsere Kosten aber gestiegen - nicht nur die Gagen für die Künstler, sondern auch jene für Gas, Strom, Wasser und Instandhaltung", erklärt der 58-Jährige. Die Folge: Für Veranstaltungen steht weniger Geld zur Verfügung. Auch eine Gehaltserhöhung für die acht Mitarbeiter habe es in dieser Zeit nicht gegeben, obwohl sie laut Dorn gerechtfertigt wäre.

Der Geschäftsführer fordert daher, dass der Zuschuss der Stadt erhöht wird. Dafür kämpfe er seit Jahren - 2017 hatte er eine Summe von 600.000 Euro als Wunsch genannt - habe bislang aber keinen Erfolg gehabt. Spielräume, um Kosten zu sparen, sieht der Stadthallen-Chef kaum. "Wir müssen die Veranstaltungen noch besser planen." Größere Beträge ließen sich wohl nur einsparen, wenn man auf einige Events verzichte. "Aber sollen wir wirklich die Impulsiva streichen?", fragt Dorn. "Dann würden wir für Jugendliche fast nichts mehr anbieten." Die Resonanz auf die Partyreihe war zuletzt mehrfach unter den Erwartungen geblieben. So kamen zur jüngsten Auflage Ende Oktober nur etwa 450 Gäste, obwohl erstmals Konfetti auf die Tanzenden niederregnete. Sonst waren es meist etwa doppelt so viele Besucher gewesen.

Ein höherer Zuschuss für die Stadthalle müsste im städtischen Haushalt verankert werden. Der Entwurf für die Jahre 2020 und 2021 ist noch nicht öffentlich und wird demnächst beraten, das letzte Wort hat der Stadtrat. Olaf Müller (Freie Wähler) gehört dem Gremium an und sitzt zudem im Aufsichtsrat der Stadthallen-Gesellschaft. Er spricht sich gegen einen höheren Zuschuss aus. "Es handelt sich um Steuergelder. In der freien Wirtschaft kann man auch nicht einfach so mehr ausgeben", sagt Müller, der das Apollo-Kino betreibt. Er plädiert dafür, teure Veranstaltungen wie das Cross-Radrennen Straßenschlacht, das in diesem Herbst zum zweiten Mal stattgefunden hat, kleiner aufzuziehen. "Man muss so etwas wachsen lassen." Zudem schlägt der Stadtrat vor, neue Formate auszuprobieren. "Krimidinner sind bei den Leuten beliebt. Das könnte man in der Hirschbar der Stadthalle gut machen." Als Konkurrenz zu seinem Kino betrachte er die Stadthalle nicht, betont Müller. Vielmehr ergänzten sich die beiden Häuser wegen der unterschiedlichen Größe und Ausrichtung gut.

Eine andere Meinung hat CDU-Fraktionschef Enrico Fitzner. Eine maßvolle Anhebung des Zuschusses halte er für gerechtfertigt. "Wir wissen, dass alles teurer wird. Wenn wir uns die Stadthalle nicht mehr leisten wollen, hätten wir damals an ihrer Stelle auch einen Parkplatz bauen können." Fitzner appelliert an die Limbach-Oberfrohnaer, die Angebote der Stadthalle mehr anzunehmen. Dorn hatte wiederholt angemerkt, dass das Haus von Bewohnern des Umlandes regelmäßig besucht werde, bei den Einheimischen aber noch Luft nach oben sei. Fitzner: "Wenn mehr Limbach-Oberfrohnaer in die Stadthalle gehen, müssten wir auch weniger Zuschuss zahlen."


Kommentar: Mehr Geldist nötig

Die durchschnittlichen Strompreise für Privathaushalte haben sich seit 2011, als Wolfgang Dorn die Stadthalle übernommen hat, um etwa 20 Prozent erhöht. Insofern ist das Argument der steigenden Betriebskosten nicht von der Hand zu weisen. Im Etat bleibt so weniger Geld für Künstler und Veranstaltungen übrig, was nicht im Sinne der Stadt sein kann. Es müssen nicht gleich 100.000 Euro mehr sein, aber eine maßvolle Erhöhung wäre angemessen. Oft wird das Klagelied angestimmt, in Limbach-Oberfrohna sei nichts los. Die Stadthalle ist ein wichtiger Faktor, um diesem Eindruck entgegenzuwirken. Über die Art der Veranstaltungen kann man diskutieren. Aber wer den städtischen Zuschuss bei 500.000 Euro einfriert, riskiert den schleichenden Tod des Veranstaltungszentrums.

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